Neue Pfarreien: Zuschnitte passen, aber es gibt auch Ängste

Neue Pfarreien: Zuschnitte passen, aber es gibt auch Ängste

Kirchenvertreter und Laien im Hochwald stehen den geplanten Großpfarreien grundsätzlich offen gegenüber. Sie fragen aber auch, wie diese neuen Räume mit Leben gefüllt werden sollen.

Hermeskeil/Schillingen Die Zuschnitte der Pfarreien im Bistum Trier sollen sich bis 2020 gravierend verändern. Aus den bestehenden 887 Pfarreien sollen künftig 35 Großpfarreien werden. Hintergrund sind die zurückgehende Zahl der Priester und der Kirchgänger (TV vom 25. März).
Für die Katholiken im Hochwald bedeuten die Reformpläne, dass sie künftig einer von zwei großen Einheiten angehören könnten, die sich grob an den heutigen Grenzen der Dekanate orientieren. Das Dekanat Hermeskeil-Waldrach soll die Pfarreiengemeinschaft (PG) Schillingen und Teile der Pfarreiengemeinschaft Waldrach (bis auf Thomm, Osburg, Lorscheid und Farschweiler) abgeben. Dafür würde die geplante Großpfarrei im Osten bis nach Bischofsdhron reichen und rund 25 000 Gläubige umfassen. Die PG Schillingen soll - mit Ausnahme der Pfarrei Reinsfeld - an eine Großpfarrei vom Zuschnitt des heutigen Dekanats Saarburg (47 000 Katholiken) angegliedert werden.
Das Ganze ist bislang nur ein Vorschlag des Bistums, an dem noch gefeilt werden soll (siehe Info). Der TV hat nachgehakt, wie Mitarbeiter und Ehrenamtliche in den Pfarreien vor Ort reagieren.

Dechant Clemens Grünebach, der beim Neuzuschnitt des Bistumspfarreien mit federführend war, findet die neue Großpfarrei rund um Hermeskeil "organischer" als das Dekanat. "Das passt. Wir haben viele Kirchgänger aus der Thalfanger Ecke, und das untere Ruwertal ist eher nach Trier orientiert." Die Pfarreiengemeinschaften seien unterschiedlich entwickelt und daher von Anfang an etwas problematisch gewesen, sagt Franz-Josef Kleinbauer, Vorsitzender der Pfarreiengemeinschaft Waldrach. In den Dörfern gebe es Ängste, abgehängt zu werden. Das liege aber hauptsächlich an der Größe der Pfarreien, die zunächst abschrecke. Wichtig sei deshalb, dass die Reform von Bistumsleitung und Gremien transparent in den Pfarreien diskutiert und mit Leben erfüllt werde.
Mirjam Minder, Vorsitzende des Pfarrgemeinderats Hermeskeil, hofft auf eine Stärkung des Wir-Gefühls. Sie bestätigt, dass es auch kritische Stimmen gibt. Hermeskeil sei erst im Januar 2016 Großpfarrei geworden, und jetzt komme schon wieder eine Änderung. Andreas Bach vom Pfarrgemeinderat Geisfeld sieht schon gute Ansätze, kirchliche Angebote zu zentralisieren. Beispielsweise fänden in Zusammenarbeit mit der Kita in Beuren gut besuchte "Krabbelgottesdienste" statt, in Gusenburg und Grimburg werde ein Schwerpunkt auf Senioren gelegt und in Geisfeld auf meditative Gottesdienste. "Wir werden bunter", so drückt es Dechant Grünebach aus. Auch bei den Finanzen werde sich einiges ändern müssen. Mittelfristig rechne er damit, dass eine Pfarrei nur noch einen Haushalt habe.
Martin Rieger ist zweiter Vorsitzender des Pfarreienrats in der Pfarrgemeinschaft Schillingen, die - ohne seine Heimatgemeinde Reinsfeld - an Saarburg andocken soll. Für ihn persönlich, sagt Rieger, sei "nachvollziehbar, dass man die Kirche demografiefester gestalten" müsse. Ein wenig enttäuscht habe ihn, dass die Ziele hinter den neuen Strukturen und ein "inhaltliches pastorales Konzept" noch nicht deutlich würden. "Spannend" finde er den Ansatz, ehrenamtliche "in irgendeiner Form" in die künftige Pfarreienleitung einzubeziehen.
Zu den Plänen für die Schillinger Gemeinschaft sagt Rieger: "Bei den Orten jenseits von Schillingen gibt es schon eine emotionale Orientierung in Richtung Saarburg." Angesichts der geplanten politischen Strukturen - die Verbandsgemeinden Kell und Saarburg verhandeln über eine mögliche Fusion - sei "das Ganze nicht unstimmig und kein großer Widerstand zu erwarten".
Dass die Pfarrei Reinsfeld sich neu orientieren soll nach Hermeskeil, befürwortet Rieger. Allerdings sei "theoretisch denkbar", dass neben Reinsfeld auch Kell nach Hermeskeil wechseln würde. Denn seit 1992 teilen sich die Pfarreien denselben Pfarrer und Chorleiter und bereiten die Kommunionkinder gemeinsam vor. Die Pfarreienräte seien vom Bistum aufgefordert, ein Votum zur geplanten Reform abzugeben: "Da können wir vorher natürlich auch solche Fragen diskutieren."PFARREIENREFORM: WIE GEHT ES NUN WEITER?

Extra

In der sogenannten Resonanzphase soll bis Oktober der Entwurf zu den neuen Einheiten in den Pfarreien und Gremien diskutiert werden. Änderungsvorschläge sind ausdrücklich erwünscht. Für Rückmeldungen können auch bistumsweit Formulare genutzt werden, die im Internet über die Dekanate oder das Bistum abrufbar sind. Unter der Rufnummer 0651/7105-777 ist ein "Resonanztelefon" des Bistums Trier geschaltet. Laut Bistum kann es bis zum Herbst durchaus noch zu neuen Grenzziehungen bei der einen oder anderen Großpfarrei kommen. Anfang 2020 soll die Reform unter Dach und Fach sein.

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