Neue Waldwerkstatt soll Menschen locken - Hermeskeiler Stadtrat froh über sattes Plus im Forsthaushalt
Hermeskeil · Der Hermeskeiler Stadtrat hat sich intensiv mit dem Stadtwald beschäftigt. Neben den Betriebsergebnissen von drei Jahren standen der Bau einer Waldwerkstatt und der Kauf eines neuen Forstfahrzeuges auf der Tagesordnung. Aber auch in Abtei wird kräftig investiert.
Hermeskeil. Die gute Nachricht für die Bürger von Abtei vorneweg. Der Stadtrat hat einstimmig beschlossen, im Stadtteil für 10 000 Euro Glasfaserleitungen für ein schnelles Datennetz verlegen zu lassen. Der Energieversorger RWE bot diese Offerte im Zusammenhang mit Arbeiten in der Verbandgemeinde Thalfang an. Für die Römerstraße liegt ebenfalls ein allerdings deutlich teureres Angebot vor, über das allerdings vorerst nicht entschieden wurde.
Der Schwerpunkt der Stadtratssitzung lag jedoch auf dem Stadtwald. So beschloss der Rat mit großer Mehrheit, im Erholungsgebiet Pflanzgarten eine Waldwerkstatt zu bauen. Die drei Forstwirte, die im Stadtwald beschäftigt sind, sollen dort in den Wintermonaten Ruhebänke bauen oder Bausätze für Nistkästen, die wiederum verkauft werden können.
Der Vorteil: Die Stadt könnte Einnahmen erzielen, statt Geld für unproduktive Schlechtwetterstunden ausgeben zu müssen. Doch das Konzept mit Arbeits-, Aufenthalts- und Lagerraum sowie behindertengerechten Toiletten sieht weit mehr vor. Denn Schulen oder Kindergärten sollen die Waldwerkstatt auch als Umweltbildungsstätte nutzen.
Damit dürfte das Gelände mit Naturerkundungspfad, Waldspielplatz, Pfadfinderhütte und Jugendzeltplatz entscheidend aufgewertet werden.
Die Kosten: Attraktiv wird das Vorhaben - geplant sind Kosten von 150 000 Euro - durch die Idee, es als Leader-Projekt zu realisieren, was bis zu 75 Prozent bezuschusst werden könnte. Die Stadt müsste 37 500 Euro beisteuern. Mit der nicht ausgereiften früheren Variante für die Waldwerkstatt für 33 000 Euro sei das nicht vergleichbar, machte Revierleiter Jörg Clemens deutlich.
Die Reaktion: 16 Ratsmitglieder teilten diese Sicht. Darunter Bernd Mende und Frank Salm, beide CDU. Mende bezeichnete das Konzept als "schlüssig und verständlich". Salm hob die "Fürsorgepflicht unseren Waldarbeitern gegenüber" hervor. Deren aktuelle Arbeitsbedingungen hätten ihn erschrocken. Damit reagierte er auf Wortmeldungen von Dieter Nels (FWG) oder Sigurd Hein (SPD), die Folgekosten wie die Unterhaltung des Gebäudes zu bedenken gaben. Stadtbürgermeister Mathias Queck (CDU) hielt dem entgegen, dass es sich ja in erster Linie um eine Arbeitsstätte handele. Entgegen anderen Verlautbarungen würden auch keine Übernachtungsmöglichkeiten geschaffen, wofür es ja Pfadfinderhütte und Zeltplatz gebe.
Die Abstimmung: Zwei Räte enthielten sich, und Paul Gemmel (SPD) stimmte gegen das Vorhaben. Er kritisierte die deutlich höhere Investitionssumme. Dazu erklärte Andreas Ahmetovic vom Bauamt, Kanalanbindung und Zufahrt seien in der Summe enthalten. Berthold Grenz (FWG) hob den "Mehrwert gegenüber der ursprünglichen Planung" des Projektes hervor. Ganz ähnlich sieht das Klaus-Peter Breuer (Linke): "Da wird ja auch Geld verdient."
Weitere Investitionen: Nicht hinterfragt wurde der geplante Kauf eines "neuen" Forstfahrzeuges für bis zu 20 000 Euro. Er ist ebenso im Forstwirtschaftsplan für 2016 enthalten wie die Werkstatt oder Wegebaukosten.
Gewinn und Verlust: Unterm Strich wird mit einem Plus von 101 000 Euro gerechnet. Allerdings sind darin Grundstückskäufe für 124 000 Euro am ehemaligen Standortübungsplatz, die von der Verbandsgemeinde anvisiert sind, nicht enthalten. Solche Ausgaben seien bisher nie im Forsthaushalt veranschlagt worden, begründete Revierleiter Clemens. Das Jahr 2014 weist unter dem Strich ein sattes Plus von 340 000 Euro aus. Geplant waren 140 000 Euro. 2015 werden voraussichtlich etwa 180 000 Euro statt 141 000 Euro erwirtschaftet. Die besseren Ergebnisse wurden erzielt dank guter Preise am Holzmarkt, niedrigerer Aufarbeitungskosten und ausgebliebener Schäden durch Sturm oder Borkenkäferbefall.
Entscheidend ist laut Queck aber auch die "konservative", sprich vorsichtige Planung der Forstverwaltung. Dass sich etliche Ratsmitglieder realistischere Zahlen wünschen, machte ein Antrag von Gemmel deutlich. Sein Vorschlag, die Planzahl für 2016 um 100 000 Euro nach oben zu korrigieren, wurde jedoch mit zehn zu neun Stimmen abgelehnt.