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Neue Windräder wachsen in die Höhe

Neue Windräder wachsen in die Höhe

In den Verbandsgemeinden (VG) Hermeskeil und Kell ist die Windkraft ein heißes Thema. Während dort aber bislang nur über Standorte und Abstände diskutiert wird, geht es an den Grenzen zu den beiden Hochwald-VG schon ans Eingemachte. Am Schimmelkopf in Weiskirchen (Saarland) sind die Bauarbeiten für vier Räder nun sichtbar gestartet. Schon mehr in die Höhe gewachsen sind vier weitere Anlagen im Kreis Birkenfeld jenseits der Dollberge.

Weiskirchen/Hermeskeil/Kell. Noch fällt die Veränderung an der Silhouette des Schwarzwälder Hochwalds nicht so stark auf. Von Kell aus gesehen ragt rechts neben dem Teufelskopf mit seinem Sendemast ziemlich unauffällig ein Gebilde auf dem Höhenzug an der Landesgrenze auf. Seit Anfang der Woche steht dort ein Aufstellkran für die vier Windkraftanlagen, die auf dem Gebiet der saarländischen Gemeinde Weiskirchen gebaut werden sollen.
Räder am Schimmelkopf: Der Weiskircher Bürgermeister Werner Hero (CDU) sagt auf TV-Anfrage, dass die Anlagen mit einer Gesamthöhe von jeweils rund 200 Metern bereits im Dezember ans Netz gehen. Investor ist die Firma Juwi. Die vier Räder sollen später Teil eines grenzübergreifenden Windparks mit der Ortsgemeinde Waldweiler (VG Kell) sein. Das Projekt ist aber politisch umstritten. Das gilt nicht nur in Weiskirchen, wo die im Rat vertretene FWG Widerstand geleistet hat. Auch von den Nachbarn in der VG Kell kommt Kritik.
So haben die privaten Betreiber des großen Ferienparks deutlich gemacht, dass sie durch die großen Anlagen am Schimmelkopf schädliche Auswirkungen für den Tourismus befürchten. Auch der neue Keller VG-Chef Martin Alten (CDU) sagt: "Wir sind nicht glücklich mit diesem Standort". Der Keller VG-Rat hatte bereits im Frühjahr 2013 einen Mehrheitsbeschluss gefasst, der Windräder in der Kernzone des Naturparks Saar-Hunsrück ablehnt. Das Saarland kennt zwar keine Naturpark-Kernzonen - die Räder am Schimmelkopf befinden sich aber in unmittelbarer Nähe der bis an die Landesgrenze heranreichenden Kernzone auf rheinland-pfälzischem Boden. Und sie stehen auch auf demselben Höhenzug. Es gibt allerdings auch Befürworter. Die Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) Hochwald will erreichen, dass sich Bürger aus den umliegenden Dörfern direkt am Schimmelkopf-Windpark beteiligen können. "Unser Motto ist: Wer auf die Räder schaut, soll auch etwas davon haben", sagt BEG-Vorsitzender Henry Selzer.
Derzeit verhandle die BEG mit Juwi über eine Beteiligung an der Windpark-Betreibergesellschaft beziehungsweise über den Kauf eines der vier Räder. Die im Saarland ansässige BEG plant vier Info-Veranstaltungen in Rheinland-Pfalz - am 15. September in Zerf (Gasthaus Marx), am 22. September in Schillingen (Gasthaus Maßem), am 29. September in Reinsfeld (Landgasthaus Kuhl) und am 6. Oktober in Kell (Hotel Zur Post). Beginn ist jeweils um 19 Uhr.
Räder am Rand der Dollberge: Im Rücken von Neuhütten (VG Hermeskeil) markieren die Dollberge die Grenze zum Saarland beziehungsweise zum Kreis Birkenfeld. Direkt jenseits der bis zu 695 Meter hohen Gebirgskette wachsen zurzeit vier Windräder in die Höhe. Sie stehen im Gemeindewald von Achtelsbach und werden jeweils 185 Meter hoch sein. Investor ist die in Frankfurt ansässige Firma Geres. Der Windpark Achtelsbach soll ebenfalls noch dieses Jahr in Betrieb gehen.
Pläne in Nonnweiler: Auf dem Gebiet der Gemeinde Nonnweiler werden zurzeit zwar noch keine Anlagen errichtet. Allerdings hat der Rat in seiner Sitzung vor den Sommerferien Baurecht geschaffen. Er hat den Bebauungsplan für den Windpark Epplerswald/Lindenstein/Wittum-Berg genehmigt. Dieser liegt an der Nordgrenze von Nonnweiler. Das heißt: Links und rechts der Straße nach Hermeskeil können nun im saarländischen Staatswald sechs Räder aufgestellt werden. Investor ist das Unternehmen Energie Saar-Lor-Lux (Saarbrücken). Einen Termin für den Baubeginn gibt es nach Auskunft von Unternehmenssprecher Stefan Eichacker noch nicht: "Wir haben zwar Baurecht. Aber es laufen noch die Anträge für das immissionsschutzrechtliche Genehmigunsverfahren", so Eichacker. Die Stadt Hermeskeil plant auf ihrer Seite der Landesgrenze eigene Anlagen (Windpark Hermeskeil-Süd). Da es zwischen den Rädern einen Mindestabstand von 500 Metern geben muss, könnte es durch die Nonnweiler Räder Auswirkungen auf die Planungen der Stadt Hermeskeil und deren Anzahl an Anlagen geben.
Extra

Situation in den VG Ruwer und Thalfang: An der südlichen und östlichen Grenze zu den beiden Hochwald-VG gibt es wesentlich weniger Klarheit darüber, wann dort wo mit der Errichtung von Windrädern begonnen wird. In der VG Thalfang gibt es zwar Pläne für Windparks im Grenzgebiet - etwa seitens der Gemeinde Malborn oder in Büdlich-Breit. Das Verfahren zur Änderung des VG-Flächennutzungsplans (FNP) ist aber noch am Laufen. Wie VG-Bürgermeister Marc Hüllenkremer auf TV-Anfrage sagt, gibt es noch keine konkrete Zeitvorgabe, bis wann der neue FNP steht und damit die Ausweisung neuer Windkraftstandorte unter Dach und Fach ist. "Bei diesem Thema steht bei uns Gründlichkeit vor Schnelligkeit", sagt Hüllenkremer. In der VG Ruwer mit geplanten Standorten im grenznahen Bereich des Osburger Hochwalds (Rösterkopf und Schöndorf/Holzerath) ist laut Bürgermeister Bernhard Busch "nach wie vor das Mopsfledermausproblem virulent". Dort wurden Quartiere des streng geschützten Tiers entdeckt. Ein Studie soll nun klären, ob sie durch Windräder tatsächlich so stark gefährdet sind. Busch rechnet damit, dass das Gutachten bis Ende 2014 vorliegt. Im weiteren Ablauf des Verfahrens könnte bis zur Jahresmitte 2015 der Ruwerer VG-Flächennutzungsplan geändert und nach Genehmigung der Anlagen "im dritten Quartal 2015" mit dem Bau von Rädern begonnen werden. Wie viele es sein werden, lässt sich laut Busch nicht sagen: "Bei den anfänglichen Überlegungen lagen wir bei über 30. Dass die alle realisiert werden, ist aber unwahrscheinlich. Wir reden aber von mehr als einem Dutzend." ax