Neuer Katalog über Hinzert-Haus

Alle wichtigen Inhalte, die Besuchern bei einem Rundgang durch das Dokumentationszentrum an der Gedenkstätte des früheren SS-Sonderlagers/KZ Hinzert vermittelt werden, gibt es jetzt auch zum Nachlesen. Die Landeszentrale für politische Bildung hat am Dienstag einen 170 Seiten starken Ausstellungskatalog vorgestellt.

Hinzert-Pölert. (ax) Ende 2005 wurde an der Stelle des früheren SS-Sonderlagers und KZ Hinzert das von Bund und Land finanzierte, 3,2 Millionen Euro teure Dokumentationszentrum eröffnet. Es soll an die Opfer und Täter, an die Verbrechen und den grausamen Alltag an dieser "Stätte der Unmenschlichkeit" erinnern. 45 000 Besucher - davon 10 500 in diesem Jahr - wurden seitdem im Hinzert-Haus mit seiner eindrucksvollen Dauerausstellung gezählt. "Viele Besucher haben aber das Bedürfnis geäußert, zur Vertiefung oder auch zur Vor- und Nachbereitung mehr in der Hand zu halten", sagt Dieter Schiffmann, Leiter der Landeszentrale für politische Bildung. Denn viele zentrale Dokumente, die gezeigt werden, sind "flüchtiger" Natur. Mit einem Audio-Guide können die Besucher in Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch Filme und vor allem die zahlreichen Zeitzeugenaussagen von früheren Häftlingen auf Video aktivieren und die Ausstellungstexte akustisch mitverfolgen.

Schriftlich festgehalten waren die Inhalte bisher auf einer zwölfseitigen Broschüre, also "auf relativ beschränktem Format", wie Schiffmann betont. Das hat sich jetzt geändert. Seit gestern liegt ein über 170 Seiten starker Ausstellungskatalog über die Gedenkstätte Hinzert vor. Er ist nach einem ähnlichen Werk über das einstige KZ Osthofen, die andere zentrale NS-Gedenkstätte im Land, der zweite Band der Publikationsreihe "Verfolgung und Widerstand in Rheinland-Pfalz 1933 bis 1945". "Der Katalog teilt sich in zwei Hauptteile", betont Beate Welter, Leiterin des Dokuzentrums Hinzert.

Abschnitt eins gibt einen geschichtlichen Überblick über die Geschehnisse im Lager zwischen 1939 und 1945. Er beleuchtet zudem die Entwicklung der Gedenkstätte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute, und er enthält Grußworte, wobei für Schiffmann besonders bemerkenswert ist, dass eins davon vom luxemburgischen Premierminister Jean-Claude Juncker verfasst wurde. Dieser schreibt: "Das Lager Hinzert war ein Ort des Todes. Diejenigen, die überlebt haben, haben die kaputten Dörfer und Städte wieder aufgebaut, alte Feindschaften begraben und Europa zu einem Kontinent der Versöhnung, des Friedens und der Freiheit gemacht. Deshalb ist dieser Ort letztendlich auch ein Symbol des Lebens und der Hoffnung."

Im zweiten Teil des Katalogs werden ausführlich und mit vielen Fotos, Karten und Abbildungen von Originalquellen die Inhalte der Dauerausstellung dokumentiert. Wer sich vor oder nach einem Hinzert-Besuch über Täter wie die drei Lagerkommandanten, den Mord an 70 sowjetischen Kriegsgefangenen 1941 oder über Opfer wie den inhaftierten luxemburgischen Widerstandskämpfer Jos Meunier informieren will, kann nun also auch auf geschriebenen Text zurückgreifen. Gleiches gilt für die Zeitzeugen-Videos.

EXTRA SS-Sonderlager/KZ Hinzert: Das Lager Hinzert wurde 1939 als Polizeihaftlager für "straffällige" Westwallarbeiter errichtet. Ab Juli 1940 diente es vor allem als "Durchgangslager" für luxemburgische, belgische, niederländische und französische Häftlinge, die später in die Konzentrationslager Buchenwald oder Dachau deportiert wurden. Viele von ihnen waren Widerstandskämpfer. Am 16. März 1945 wurde es von der US-Armee befreit. In den sechs Jahren seines Bestehens litten rund 13 000 Männer aus 20 Ländern im Lager Hinzert. Mindestens 321 Menschen starben. Der Katalog ist in Hinzert zum Preis von zehn Euro erhältlich. Er kann auch per E-Mail über info@ns-dokuzentrum-rlp.de für 11,50 Euro bestellt werden.