Neuer Mast soll Funklöcher stopfen

Neuer Mast soll Funklöcher stopfen

40 Meter hoch soll er werden und das bislang vorhandene Funkloch an der Obermosel stopfen. Seit Jahresbeginn ist der neue Sendemast für den Digitalfunk in Konz-Kommlingen im Bau - Ende des Jahres soll er in Betrieb gehen.

Konz-Kommlingen. Ein Unfall auf der B 419. Fahrer und Beifahrer sitzen leblos in ihrem Auto. Ein weiteres hält an. Ein Insasse leistet Erste Hilfe, der andere fährt weiter, um mit dem Handy die Polizei zu rufen. Denn am Unfallort ist kein Empfang. Auch nicht für den Polizeifunk, als die umgehend anrückende Feuerwehr Verstärkung anfordern will. Wertvolle Minuten vergehen, bis die Leitstelle informiert werden kann. Minuten, die Leben retten können.

Ein solches Schreckensszenario könnte wahr werden im Tal der Obermosel. Denn hier, wie auch in anderen Tälern des Landes, ist der analoge Polizeifunk nicht überall erreichbar. Deshalb bereitet eine Projektgruppe ein Digitalfunknetz in Rheinland-Pfalz vor (der TV berichtete). Ihr Auftrag: 96 Prozent der Landesfläche mit dem neuen Netz abzudecken, Verkehrs- und Siedlungsflächen komplett.

Bislang Probleme im analogen Funk

Dazu werden landesweit 272 Basisstationen ertüchtigt oder neu gebaut. Eine davon ist der Sendemast in Konz-Kommlingen. Er hat eine wichtige Aufgabe zu erfüllen: den gesamten Bereich der Obermosel bis an die luxemburgische Grenze abzudecken. Dort habe es im analogen Funk Schwierigkeiten gegeben, bestätigt Werner Jakobs, Wehrleiter der VG Konz. Das digitale System könne diese Funklöcher ausmerzen. Allerdings dürften die deutschen Digitalfunkwellen nicht nach Luxemburg strahlen, betont Engelbert Werner von der Projektgruppe Digitalfunk in Mainz. Daher würden in Grenzräumen Sektoren- anstelle von Rundumstrahler eingesetzt. Funkgespräche mit luxemburgischen Rettungsdiensten seien möglich.

40 Meter hoch wird der neue Mast in Kommlingen, obendrauf kommt die Sendeeinheit. "Wir nutzen zunächst vorhandene Masten, um Kosten zu sparen", sagt Werner. "Nur da, wo keine stehen, müssen wir neu bauen", bevorzugt in Höhenlagen. "Die Funkwellen breiten sich ähnlich aus wie Licht. Wo gute Sicht herrscht, ist auch guter Empfang.

Der Vorteil des Digitalfunks: "Der Empfang wird besser und zuverlässiger", sagt Werner. Auch seien die Geräte durch einen GPS-Empfänger ständig zu lokalisieren, sodass die Leitstelle stets wisse, wo der Notruf abgesetzt wurde. Zudem könne sie in Notfallsituationen mithören. "Das ist für die Disponenten eine unheimliche Hilfe", ist sich Werner sicher.

Die Geräte für den Digitalfunk - sie sehen aus wie ein Handy mit Tastatur - für Polizei und Feuerwehren würden zurzeit ausgeschrieben, sagt Werner. "Die Kosten liegen bei 450 bis 500 Euro je Handgerät." Ein normales Funkgerät sei teurer. Alle Feuerwehren mit neuen Funkgeräten auszustatten, koste die VG 100 000 Euro, erklärt Joachim Weber, erster Beigeordneter. Die Hälfte der Kosten übernehme das Land. Die Mittel seien bereits im Haushalt 2009 eingestellt.

Den genauen Standort des Mastes halten Projektgruppe und VG geheim. Sie befürchten Sabotageakte. Seit Anfang des Jahres im Bau, soll der Mast im vierten Quartal 2010 in Betrieb gehen. Denn der Landkreis Trier-Saarburg ist der Ort des Pilotprojekts für das neue Funksystem. Ab Oktober laufe der Probebetrieb für ein halbes Jahr, kündigt VG-Wehrleiter Jakobs an. "Wir werden den gesamten VG-Bereich abfahren und schauen, ob wir auch überall Empfang haben."

Extra

Digitalfunknetz: Die Verkehrs- und Siedlungsflächen sollen komplett abgedeckt werden. Im Cluster Trier 18/1 - es beinhaltet neben dem Kreis Trier-Saarburg, dem Eifelkreis Bitburg-Prüm, dem Landkreis Bernkastel-Wittlich, dem Vulkaneifelkreis und der Stadt Trier die Kreise Birkenfeld und Cochem-Zell - sind es 96. Vorteile des Digitalfunks: Die Handgeräte verfügen über eine Notruffunktion. Funkgespräche sind abhörsicher, weil die Sprache im Netz verschlüsselt übermittelt wird. Bei Bedarf können auch einzelne Gruppen wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst zusammengeschaltet werden. Funkgespräche sind länderübergreifend zusammenschaltbar. Auch ist es möglich, Text- und Bilddateien zu übertragen. Es gibt zudem die Möglichkeit eines Einzelgesprächs, und der Nutzer kann in externe Netze telefonieren. (mehi)

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