| 20:45 Uhr

Neuer Stress mit der Bahn

 Von Berlin direkt nach Trier: Der auf der Anzeige angekündigte ICE fährt von der Spree nonstop an die Mosel. Das Foto ist allerdings aus unserem Archiv und wurde 2010 in Berlin aufgenommen. Wer heute auf dieser Strecke unterwegs ist, kommt um Regionalzüge nicht herum. TV-Foto: Archiv/Roland Morgen
Von Berlin direkt nach Trier: Der auf der Anzeige angekündigte ICE fährt von der Spree nonstop an die Mosel. Das Foto ist allerdings aus unserem Archiv und wurde 2010 in Berlin aufgenommen. Wer heute auf dieser Strecke unterwegs ist, kommt um Regionalzüge nicht herum. TV-Foto: Archiv/Roland Morgen FOTO: roland morgen (rm.) ("TV-Upload morgen"
Trier/Berlin. Trier erhält auch nach 2030 keinen Anschluss an das Netz der schnellen Züge - das hat Triers OB Wolfram Leibe herausgefunden. Sein Zorn reicht bis nach Berlin. Die Bahn ist in Erklärungsnot. Jörg Pistorius

Trier/Berlin Wann werden wieder ICs nach Trier rollen? Das Bundesverkehrsministerium informiert bereits jetzt umfassend im Internet über den Bundesverkehrswegeplan 2030, den Ausbau des Schienennetzes und den geplanten Deutschlandtakt mit bundesweit aufeinander abgestimmten Anschlüssen. Die unter der Adresse <%LINK auto="true" href="http://www.bmvi.de" text="www.bmvi.de" class="more"%> abrufbaren Infos klingen toll. Mehr Reiseverbindungen, kürzere Reisezeiten, dichtere Taktung, effizientere Fahrpläne. Der Neu- und Ausbau der Schie-neninfrastruktur kostet nach Angaben der Bahn 42 Milliarden Euro. Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) kennt den Internetauftritt des Ministeriums von Alexander Dobrindt (CSU) offensichtlich genau. Triers Verwaltungschef applaudiert jedoch nicht, sondern schlägt Alarm - denn ihm fehlt die Einbindung der Stadt Trier auch in ferner Zukunft. "Als Oberbürgermeister der Großstadt Trier kann ich mit der derzeitigen Verkehrssituation nicht zufrieden sein", sagt Leibe auf Anfrage des TV. "Wir erwarten jetzt einen klaren Fahrplan, wie Trier wieder nachhaltig in den deutschen Fernverkehr der Bahn integriert wird. Eine Verkehrspolitik zu unseren Lasten lehnen wir ab." Leibe kritisiert nicht nur die Bahn, sondern auch die Ausländer-Maut. "Wir wünschen Österreich viel Erfolg mit der Klage gegen deren Einführung."Aber zurück zur Bahn. Worauf genau bezieht sich die Kritik von Wolfram Leibe? Wer sich das im Internet zur Verfügung stehende Material des Ministeriums genau ansieht, kann den OB verstehen. Die unter dem Stichwort Bundesverkehrswegeplan abrufbaren Infos enthalten auch einen "Zielfahrplan 2030" für Rheinland-Pfalz und das Saarland (siehe Info). Auf diesem Fahrplan sind die Fernverkehrsverbindungen rot eingezeichnet. Durch Trier führen aber weiterhin nur die blauen und grünen Linien des Regional- und Nahverkehrs. Triers Oberbürgermeister hat keine besonders guten Erfahrungen im direkten Kontakt mit der Bahn gemacht. Im April hatte Leibe von "positiven Gesprächen mit der mittleren Bahnebene" berichtet und eine Fernverkehrsoffensive schon klar vor 2030 in Aussicht gestellt. Die Bahn jedoch gab vor, davon nichts zu wissen (der TV berichtete am 4. und 10. April). Dieses Mal sucht Leibe nicht den direkten Draht zur Bahn, sondern schreibt Bundesverkehrsminister Dobrindt an.Er habe sich die Seiten des Ministeriums im Internet angesehen, erklärt Leibe in diesem Schreiben. "Leider mussten wir feststellen, dass die Anbindung der Stadt Trier mit Zügen des Fernverkehrs nach den dortigen Veröffentlichungen augenscheinlich auch für die Jahre nach 2030 nicht vorgesehen ist." Dabei habe die Bahn eine Neuanbindung der Stadt Trier an das Fernverkehrsnetz ab 2030 klar angekündigt - und jetzt das. Die Trierer Not begann bereits mit den Planungen des Rheinland-Pfalz-Takts, betont Leibe im Schreiben an Dobrindt. Die Bahn sei nicht in der Lage gewesen, eine verbindliche Zusage zum Erhalt der Fernverkehrsanbindungen für den Planungszeitraum abzugeben. "Deshalb blieb dem Zweckverband Schienenpersonennahverkehr (SPNV) Nord als regionalem Aufgabenträger keine andere Wahl, als die durch einen möglichen Rückzug der DB Fernverkehr AG zu erwartenden Angebotslücken bestmöglich mit Zügen des Nahverkehrs zu füllen."Leibe appelliert an Dobrindt: "Stellen Sie die Weichen neu." Eine Antwort des Bundesministers hat Triers Oberbürgermeister bisher nicht erhalten. Auch die Anfrage des TV lässt das Bundesministerium unbeantwortet.Dafür meldet sich die Pressestelle der Bahn in Frankfurt/Main, die der TV um eine Reaktion gebeten hat. Was ist los im Bundesverkehrswegeplan 2030? Ist Trier wirklich außen vor?Aber nein, sagt die Bahn. Die Informationen und Unterlagen, die auf den Seiten des Bundesverkehrsministeriums veröffentlicht worden sind und dort bis jetzt frei zugänglich stehen, seien schließlich noch gar nicht komplett."Der Zielfahrplan 2030 wurde ohne die Mitwirkung der DB Fernverkehr AG erstellt", sagt Bahnsprecherin Regina Marusczyk. Dieser Fahrplan sei auch keineswegs das endgültige Planungswerk. Marusczyk erklärt: "Auf dem Zielfahrplan 2030 aufbauend, wird zurzeit ein Zielfahrplan 2030 plus entwickelt. Dessen Erarbeitung wird durch themenbezogene fachöffentliche Workshops unterstützt." An diesen Workshops nehme dann auch die DB Fernverkehr AG teil. Also alles O.K. mit Trier und der Bahn? Die Sprecherin betont: "Unabhängig davon ist die Anbindung der Stadt Trier mit einer zweistündlichen IC-Linie ab Ende 2029 weiterhin in unserer langfristigen Planung vorgesehen."KommentarMeinung

Die Züge müssen endlich rollenDie Bahn steht im Wort: Ab 2030 wird Trier wieder ans Fernverkehrsnetz angeschlossen. Es ist bereits ein Witz, dass dieser Anschluss überhaupt so lange dauern soll. Und doch tauchen schon jetzt Anzeichen auf, die Böses ahnen lassen. Ein Zielfahrplan 2030 wird im Internet veröffentlicht - doch darin rollen nur Züge des Nah- und Regionalverkehrs nach Trier. Spricht man die Bahn darauf an, erzählt sie vom Zielfahrplan 2030 plus, der ja schließlich noch in Arbeit ist. Warum wird dann der angeblich noch unfertige Zielfahrplan ohne plus bereits jetzt veröffentlicht? All das ist sehr verdächtig. Die Verantwortlichen der Bahn müssen endlich einsehen, dass die Anbindung der Stadt Trier an die Züge des Fernverkehrs eine Selbstverständlichkeit sein sollte, deren Voraussetzungen bereits jetzt vorliegen - und nicht erst 2030. Die Züge müssen endlich rollen. j.pistorius@volksfreund.deExtra: DER LANGE WEG ZUM ZIELFAHRPLAN

Bundes- und Landesbehörden von der Staatsanwaltschaft bis zum Ministerium sind im Internet sehr präsent, doch die Wege dorthin sind manchmal kompliziert. Die Darstellungen, auf denen die Kritik von Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe basiert, findet man unter der Adresse <%LINK auto="true" href="http://www.bmvi.de" text="www.bmvi.de" class="more"%>. Auf dieser Seite ist die Eingabe des Suchbegriffs "Deutschland-Takt" notwendig. Am unteren Ende der dann erscheinenden neuen Seite steht ein Link für den Zielfahrplan 2030 Rheinland-Pfalz/Saarland. Klickt man darauf, erscheint das Schienennetz und zeigt Trier weitab vom Netz des Fernverkehrs.

FOTO: Friedemann Vetter (s_wirt )