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Neues Angebot in Hermeskeil: Wo Pflegeschüler nah am Wohnort lernen

Ausbildung : Wo Pflegeschüler nah am Wohnort lernen

An der Hermeskeiler Berufsschule gibt es eine neue Klasse für Altenpflege. Einrichtungen aus dem Hochwald hatten sich dafür eingesetzt, um mehr junge Fachkräfte für sich zu gewinnen. In Saarburg hat sich dieses Angebot bewährt.

Christina Gillen (40) arbeitet im Seniorenzentrum Haus Veronika in Reinsfeld. Im Sommer hat sie eine Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen. Den theoretischen Teil absolviert die Mutter von drei Kindern an der Berufsbildenden Schule in Hermeskeil. Dort gibt es seit Schuljahrsbeginn eine neue Fachschulklasse für Altenpflege. „Für mich ist das sehr praktisch“, sagt Christina Gillen. Sie wohne in Rascheid, ihre Kinder gingen in Hermeskeil zur Schule. „So bin ich in ihrer Nähe und muss nicht bis nach Saarburg fahren.“

Denn dort befand sich bis vor kurzem die von Rascheid aus nächstgelegene staatliche Fachschule für Altenpflege an der Geschwister-Scholl-Schule Saarburg, zu der Hermeskeil als Außenstelle gehört. In Trier und Birkenfeld gibt es keine staatlichen Pflegeschulen, aber entsprechende Angebote privater Träger. „Im Hochwald war eine Lücke, die konnten wir nun schließen“, erklärt Markus Lammes, Leiter des BBS-Standorts Hermeskeil. Die Fahrt nach Saarburg habe – so die Rückmeldung von Pflegeeinrichtungen aus dem Hochwald – häufiger Interessenten „abgeschreckt“, die deshalb gar nicht erst eine Ausbildung begonnen hätten. Der Impuls zum Start der Fachschule in Hermeskeil sei daher von den Arbeitgebern selbst gekommen.

22 Schüler hat die neue Klasse. Sie kommen laut Lammes aus dem gesamten Hochwaldraum – von Thalfang bis Zerf. Tobias Adams (21) aus Thomm hatte bereits eine Metallbauer-Ausbildung begonnen, dann aber gemerkt, „dass das nichts für mich ist“. Im Nachbarort hat er bei einem Pflegedienst ein Praktikum gemacht, was ihm gut gefiel. „Dass zur selben Zeit an der BBS die Altenpflege-Klasse gestartet ist, war für mich perfekt.“ Hermeskeil sei schnell zu erreichen, die Betreuung der Schüler sehr gut.

Die BBS bietet eine einjährige Ausbildung zum Altenpflegehelfer(in) und eine dreijährige zum Altenpfleger(in) an. Für den Helfer sind Praxiserfahrung und ein Hauptschulabschluss erforderlich, für die Ausbildung zum Pfleger der Realschulabschluss (zehntes Schuljahr). Die Schüler müssen erst einen Ausbildungsplatz finden und sich dann mit dem Vertrag bei der Schule anmelden. Unterricht ist montags bis mittwochs. Die restliche Zeit verbringen die Azubis in den Pflegeeinrichtungen, wo sie auch ihre praktische Prüfung ablegen.

Laut Markus Lammes werden Pflegefachkräfte händeringend gesucht. Jungen Menschen eine wohnortnahe Ausbildung anzubieten, sei zwar nur ein Baustein – neben adäquater Bezahlung und besseren Arbeitsbedinungen –, um diesen „anspruchsvollen Job“ attraktiv zu machen. „Aber wir sehen, es wird angenommen.“ Der Landkreis als Schulträger habe die Initiative unterstützt. Die Kreisverwaltung teilt auf Anfrage mit, dass der Bedarf an qualifizierten Leistungen in der Pflegebranche stetig wachse. Nicht nur Auszubildende und Dienstleister, auch die Betroffenen selbst und ihre Angehörigen seien auf Angebote vor Ort angewiesen. Der neue Bildungsgang in Hermeskeil sei daher für den Hochwald eine „wichtige Bereicherung“.

Für die neue Klasse waren laut Lammes kaum Investitionen nötig, abgesehen von etwas Schulungsmaterial. Die Lehrer seien dieselben wie am Standort Saarburg, wo aber keine der vorhandenen Klassen mit derzeit 120 Schülern geschlossen worden sei. „Die Nachfrage ist dort weiter stark.“ Weil die Klasse in Hermeskeil allerdings nach dem Abgang der Altenpflegehelfer zu klein werde, müssten die Schüler nach dem ersten Jahr nach Saarburg wechseln. „Das soll sich ändern, sobald die Klasse größer ist. 30 Schüler sind unser Ziel.“

Für die Pflegeeinrichtungen im Hochwald sei das neue Angebot eine Erleichterung, sagt Michael Pauken, Leiter des DRK-Seniorenzentrums in Kell am See. Personal sei insgesamt schwer zu finden. Zudem schreibe der Gesetzgeber vor, dass 50 Prozent der Mitarbeiter ausgebildete Fachkräfte sein müssten. „Da der Markt leer ist, ist Ausbilden das Maß aller Dinge“, sagt Pauken. Und vom Hochwald bis nach Saarburg, das sei „eine ziemliche Fahrerei“, für 16-Jährige ohne Führerschein kaum zu organisieren. Der Fachmann lobt, dass der Ruf nach einem Bildungsgang in Hermeskeil so schnell umgesetzt worden sei. Aus seinem Haus besuchten drei Azubis die neue Altenpflege-Klasse. Für den nächsten Jahrgang ab Herbst habe er schon drei Anwärter eingestellt.

Die Fachschule in Saarburg gibt es seit 1992. Auch dort profitieren die Pflegeanbieter davon. „Dass Schulen in der Nähe sind, ist das Allerwichtigste“, sagt Volker Kirchen, Leiter des Seniorenzentrums Haus Burgblick in Saarburg. Sein Haus beschäftige derzeit 15 Azubis, elf davon besuchten die BBS, die sogar zu Fuß erreichbar sei. „Manchmal kommen die Schüler in der Mittagspause rüber und erledigen kleinere Arbeitsaufträge.“ Man versuche verstärkt, diese jungen Leute auch langfristig als Arbeitskräfte zu „rekrutieren“.

Annette Bantay ist Ausbildungsbeauftragte beim Seniorenhaus Zur Buche mit Standorten in Konz-Mitte und Konz-Roscheid. Sie verweist auf Änderungen in der Pflegeausbildung, die ein neues Gesetz ab 2020 mit sich bringe (siehe Info). Demnach soll es eine generalisierte Ausbildung zur Pflegefachkraft geben, bei der eine Spezialisierung auf Alten-, Kranken- oder Kinderkrankenpflege erst im dritten Jahr möglich ist. Wie sich dies auf die staatlichen Fachschulen auswirke, sei noch unklar, sagt Bantay. Bislang sei die BBS in Saarburg für sie „sehr hilfreich“, da viele ihrer Auszubildenden aus dem Raum Saarburg kämen. Bei privaten Schulen wie in Trier, wo etwa ein Viertel ihrer Azubis unterrichtet werde, sei zudem die Zahl der Plätze derzeit begrenzt. Die staatlichen Schulen hätten eine höhere Kapazität und könnten mehr Bewerber aufnehmen.

Zum Pflegeberufegesetz sagt der Hermeskeiler BBS-Leiter Lammes: „Da ist noch vieles unausgegoren.“ Die Angebote in Saarburg und Hermeskeil blieben 2020 bestehen. „Als Spezialisierung werden wir dann aber nur die Altenpflege anbieten.“ Dann müsse sich zeigen, wie sich die Nachfrage entwickle.