Neues Gesicht für das Leuktal

Im Leuktal ist der vierte Bauabschnitt der Bachrenaturierung abgeschlossen. Nach Ansicht der beteiligten Behörden sei schon in diesem Frühjahr der verbesserte Hochwasserschutz spürbar gewesen.

Saarburg/Trassem. Große Freude bei Teddy: Mit einem kräftigen Satz springt er in die seichte Leuk bei Trassem. Teddy ist ein fünf Monate alter Landseer. Der Hund ist mit seiner Besitzerin Sonja Kranich aus Trassem unterwegs. Das Ufer des Baches, der in Saarburg in die Saar mündet, war nicht immer so ein beliebtes Ziel für Spaziergänger oder spielende Kinder. Doch seit die Renaturierungsarbeiten abgeschlossen sind, genießen immer mehr Menschen ein paar ruhige Minuten an der Leuk. "Es ist richtig schön geworden", sagt Sonja Kranich.
Seit dem vergangenen Frühjahr haben Bauarbeiter dem Leuktal zwischen Trassem und Kollesleuken ein neues Gesicht gegeben. Der vierte Bauabschnitt ist nun nahezu fertig. Drei große Ziele sollen erreicht werden: ein besserer Schutz vor Hochwasser, ein effektiverer Naturschutz und ein attraktives Ausflugsziel für Einheimische und Touristen. "Immer wieder sind bei Hochwasser Keller oder das Saarburger Schwimmbad vollgelaufen. In diesem Frühjahr konnte man sehen, dass die Maßnahmen wirken und bei starkem Regen weniger Wasser die Stadt erreichte", sagt Landrat Günther Schartz. "Von der Umgestaltung profitieren letztlich auch die Menschen an Saar, Mosel und Rhein, weil dort weniger Wasser ankommt", sagt Jürgen Dixius als Vertreter der Verbandsgemeinde Saarburg.
Damit auch Spaziergänger und Radler den Blick auf die Leuk genießen können, wurden zwischen Saarburg und Trassem bereits Wirtschaftswege angelegt. Eine Verbindung nach Kollesleuken ist bisher aber noch nicht geplant.

Die Hauptprobleme an der Leuk: Die Menschen haben den Bach im Lauf der Zeit immer mehr begradigt. Deswegen hat die Fließgeschwindigkeit zugenommen. Wegen der starken Erosion hat sich die Leuk immer tiefer in den Boden geschnitten und sich zu einem Kanal entwickelt. So konnte Wasser sich nicht ausbreiten. Wehranlagen bildeten mehrere Staus. Bei starken Regenfällen schossen deswegen Wassermassen unkontrolliert in Richtung Saarburg.

Bei der Natur abgeschaut: Nördlich von Kollesleuken gibt es einen Abschnitt, in dem sich die Leuk bisher sehr naturnah entwickelt hat. Diesen etwa 200 Meter langen Bereich haben die Planer als Referenzstrecke gewählt. Das heißt: Sie haben bei der Natur abgeschaut und versuchen, an den zu renaturierenden Bereichen ähnliche Bachprofile zu schaffen. "Die Referenzstrecke ist unsere Datenbank", sagt Frank Hömme vom gleichnamigen Planungsbüro. Wie breit ist die Leuk? Wie schnell fließt das Wasser? Wie kann sich der Bach bei Hochwasser ausbreiten? Nach Antworten auf diese Fragen haben die Planer dort gesucht.

Die Leuk im Siedlungsgebiet: In Trassem grenzen private Grundstücke mit Häusern oder Weiden an die Leuk. In den vergangenen Wochen haben Bauarbeiter Teile der meterhohen Böschung abgetragen und so das Profil des Bachlaufs geweitet. "Bei starken Niederschlägen hat der Bach nun wesentlich mehr Platz, die Hochwassergefahr in Trassem und in Saarburg wird kleiner", sagt Hömme. Angenehmer Nebeneffekt: Die Leuk wirkt viel natürlicher als zuvor und bietet ein zunehmend idyllisches Bild.

Staustufen und Wehre: An einigen Stellen gibt es Wehre alter Mühlen. An diesen Stellen kommen Fische und andere Tiere nicht weiter. Um die biologische Durchlässigkeit zu verbessern, müssen die Wehre umgangen oder umgebaut werden. Das ist etwa am Trassemer Forellengut gemacht worden. Statt eines Wehrs gibt es nun eine breite Rampe mit vielen kleinen Stufen. Das Wasser ist flach und es fließt langsamer als zuvor. Trotzdem bekommt das Forellengut genug Wasser für seine Fischzucht. Das funktioniert über einen Betonschacht, der mit komplizierter Steuerungstechnik immer die passende Menge Wasser ableitet.

Flutmulden als Nebenarm: Die Bauarbeiter haben stellenweise parallel zur alten Leuk ein zusätzliches Bachbett angelegt - eine sogenannte Flutmulde. Sie bietet zusätzlichen Raum für Wasser bei Starkregen. Ein kleiner Abschnitt nördlich von Kollesleuken zeigt, welche natürliche Dynamik das Gewässer entwickeln kann. Im Frühjahr floss die Leuk nach Starkregen durch so eine Mulde. Bis heute behält sie diesen Weg bei, ihr altes Bett wurde unerwartet zum Nebenarm. "Das ist gewollt. Mit den Bauarbeiten geben wir der Natur die Möglichkeit, sich frei zu entwickeln. Die Leuk wird in Zukunft noch oft ihr Aussehen ändern", sagt Hömme.Extra

Bereits 2006 haben erste Planungen und Bauarbeiten für die Renaturierung der Leuk begonnen. Vier von fünf Bauabschnitten der zwölf Kilometer langen Strecke sind geschafft. Bis 2015 folgt der letzte Teil zwischen Kollesleuken und der Landesgrenze. Insgesamt kostet das Projekt etwa 2,5 Millionen Euro. 800 000 Euro entfallen auf den vierten Bauabschnitt zwischen Trassem und Kollesleuken. 90 Prozent der Kosten übernimmt das Land über die Aktion Blau. Zehn Prozent übernimmt der Kreis Trier-Saarburg. Auch Eigentümer von Wehranlagen müssen sich finanziell beteiligen. Das Vorhaben ist ein Schwerpunktprojekt des Kreises, um die EU-Wasserrahmenrichtlinie zu erfüllen. Mehr als 30 Hektar Privatland mussten angekauft werden. Die fachliche Betreuung hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Trier übernommen. thie