Neues Leben im alten Türenwerk

Zumindest in der größten Halle des früheren Hochwald-Türenwerks herrscht wieder Betriebsamkeit. Das Unternehmen KS-Logistic&Services hat sich in Kell am See niedergelassen, um die Teile zu beschaffen, zu lagern und zu liefern, die für die Stoßdämpferproduktion im nahe gelegenen Bilstein-Werk in Mandern nötig sind. Zehn neue Arbeitsplätze sind dadurch in Kell neu entstanden.

Kell am See. Zwei Jahre ist es nun her, dass die Ortsgemeinde Kell am See mit der Schließung des Hochwald-Türenwerks der Familie Haag seinen wichtigsten Arbeitgeber verlor und circa 150 Menschen auf der Straße standen. Im Frühjahr 2009 platzte dann auch noch das letzte Fünkchen Hoffnung, dass Roland Geiger, der neue Besitzer aus Ungarn, die Türenproduktion mit kleinerer personeller Besetzung wieder aufnehmen würde. Die Maschinen wurden allesamt verkauft und die Hallen standen lange leer.

Zumindest in der größten und modernsten Halle hat sich dieses triste Bild nun aber gewandelt. Diese hat Geiger an das Unternehmen KS-Logistic&Services mit Sitz in Zwickau vermietet. Kell ist deutschlandweit der sechste Standort, an dem sich die Firma, die insgesamt circa 240 Mitarbeiter und einen Fuhrpark mit 70 LKW hat, niederlässt. "Hier in Kell beschäftigen wir zurzeit zehn Menschen, darunter einige frühere Türenwerker", sagt Geschäftsführer Uwe Konze.

Auf einem Hallenareal von 5000 Quadratmetern sind seit Kurzem in Kell über 1000 Teile von der kleinen Unterlegscheibe bis zum größeren Rohr deponiert, die alle einem Zweck dienen. Die Logistiker sind für die laufende Materialversorgung eines "Automobilzulieferers im Hochwald" - so die offizielle Sprachregelung - zuständig. Gemeint ist damit das Bilstein-Werk. KS übernimmt also die Beschaffung, Lagerung und Anlieferung der kompletten Palette an Teilen, die in Mandern für die Stoßdämpferherstellung nötig ist. Die Spedition soll demnach dafür garantieren, dass beim Autozulieferer die Produktionskette nicht wegen fehlender Teile abreißt.

500 000 Euro in neuen Standort investiert



Über ein eigens eingerichtetes EDV-System, so Konze, erhält sein Unternehmen direkt vom Autozulieferer die Nachricht, für welche Materialien Bedarf besteht. Sechs bis sieben LKW-Fuhren gehen täglich von der Keller Halle zum Werk nach Mandern raus. Außerdem kommen laut Konze bis zu zehn LKW täglich an, um aus ganz Europa die für die Stoßdämpferproduktion nötigen Teile in Kell anzuliefern und zwischenzulagern.

Früher sei die Logistik für das Manderner Werk von Trier aus von einer anderen Firma gesteuert worden. Wegen der größeren Nähe habe sich der Automobilzulieferer aber für die Verlagerung der Logistik nach Kell entschieden und seinem Unternehmen den Zuschlag gegeben, so Konze im TV-Gespräch. Circa 500 000 Euro habe KS in die Einrichtung der Halle am neuen Standort im Hochwald investiert. In etwa gleicher Höhe hat sich Vermieter Geiger an baulichen Veränderungen - etwa der Installation der neuen Laderampe - finanziell beteiligt.

Möglicherweise will Konze die Aktivitäten von KS in Kell noch ausweiten. "Wir überlegen ernsthaft, inwiefern wir unser Dienstleistungsangebot auch anderen Kunden in der Region Trier und in Luxemburg anbieten werden", sagt der Geschäftsführer von KS.

Für Kells Ortsbürgermeister Markus Lehnen (CDU) wäre das wünschenswert. Er sei aber schon heute froh, "dass im früheren Türenwerk wieder etwas läuft, eine Halle schon wieder genutzt wird und es keine leer stehende Ruine mitten im Ort gibt". Klar sei aber auch, dass die Kommune nach der Ansiedlung von "KS" darauf hofft, "dass weitere Folgefirmen nach Kell kommen. Dort oben sind ja noch andere Hallen frei", sagt Lehnen.