Neues Seniorenheim verdrängt Klosterpark

Neues Seniorenheim verdrängt Klosterpark

Die Gremien der Stadt Konz haben einen neuen Plan für Karthaus: Weil es sich für das Deutsche Rote Kreuz nicht lohnt, das alte Seniorenheim zu sanieren, baut der Landesverband der Organisation ein neues. Der Klosterpark wird deshalb nicht, wie vorgesehen, barrierefrei umgebaut und mit Spielgeräten attraktiver gemacht.

Konz. Ein kleiner Bach fließt durch die großzügige Parkanlage am Kloster Karthaus. An dem Gewässer warten Spielstationen auf Kinder, die sich dort vergnügen. Doch dieses Bild der Idylle, das mehrfach bei Bürgerbeteiligungen zum Entwicklungsprogramm Soziale Stadt Karthaus gezeichnet worden ist, wird niemals realisiert: In den Park kommt ein neues Seniorenheim.
Der Konzer Stadtrat hat die Grünfläche deshalb in seiner jüngsten Sitzung aus dem Entwicklungskonzept zur Erneuerung des Stadtteils entfernt. Diese einstimmige Entscheidung begründet der Stadtrat mit den Plänen des Landesverbands des Deutschen Roten Kreuz (DRK).8,2-Millionen-Euro-Projekt


Das alte Pflegeheim stammt aus den 1970er Jahren, Baubeginn war 1973. "Eine Sanierung käme uns teurer als der Bau eines neuen Seniorenzentrums", sagt Norbert Albrecht im Gespräch mit dem TV. Der Landesverband investiert laut dem Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen DRK-Landesverbands 8,2 Millionen Euro in den Neubau. Der Baubeginn ist für Frühjahr 2016 geplant. Wenn alles nach Plan verläuft, ist das Gebäude mit 5190 Quadratmetern Grundfläche Mitte, spätestens Ende 2017 fertig. Das Pflegepersonal geht dann vom DRK-Kreisverband, der das bestehende Gebäude vom Kreis Trier-Saarburg gepachtet hatte, auf den Landesverband über.
Standort für das neue Heim wird der Klosterpark. Deshalb wird die Grünfläche viel kleiner. Sobald der Neubau fertig ist, wird das alte Pflegeheim mit 90 Betten abgerissen. Die bestehenden Wohnungen für die Kurzzeitpflege, die ebenfalls neben dem Kloster sind, werden nach und nach erneuert. Auch das Verwaltungsgebäude des Kreisverbands werde saniert, sagt Albrecht. An der Stelle des alten Pflegeheims werden wahrscheinlich Parkplätze eingerichtet.
Bisher hatte das integrierte Entwicklungskonzept zum Stadtentwicklungsprogramm vorgesehen, den Park attraktiver zu gestalten: unter anderem mit barrierefreien Wegen für Senioren und mit naturnahen Spielgeräten für Kinder. Der bisher unterirdisch durch Rohre geführte Klosterbach sollte an die Oberfläche gebracht werden.
Doch 2011, als der Plan für den Park entwickelt wurde, war laut dem nun überarbeiteten Entwicklungskonzept noch nicht absehbar, dass es einen Neubau gibt. Die Stadt hatte mit der Sanierung des bestehenden Heims gerechnet.
Jetzt gehe es darum, einer "für den Stadtteil sehr wichtigen Einrichtung eine Perspektive zu geben", argumentiert die Stadtverwaltung und verweist auch auf den für alle offenen Mittagstisch im Seniorenzentrum. "Wir haben ein großes Interesse, dass das kein Getto für Senioren wird", sagt DRK-Geschäftsführer Al brecht. Die Bewohner des Seniorenheims sollten sich "mitten in der Stadt" fühlen.
Einen Ausgleich für die wegfallende Grünfläche sieht die Verwaltung in der neu geplanten Umgestaltung des Schwesternfriedhofs. Zwischen Klosterkirche und Schulmensa soll ein generationsübergreifender Garten entstehen. Albrecht kündigt zudem an, dass das DRK die Restfläche des Klostergartens auf eigene Faust pflegen und gestalten werde.
Der Klosterbach wird trotz der neuen Pläne fürs Seniorenheim freigelegt. Das sieht das überarbeite Entwicklungskonzept vor. Fördergeld kommt dafür aus dem Landestopf für die Aktion Blau, in dessen Rahmen eine europäische Richtlinie für Gewässerschutz umgesetzt wird.Meinung

Verlust des Parks wird ausgeglichen
Die Vorstellung eines gepflegten Parks mit Wasserspielplatz und barrierefreiem Zugang ist zunächst einmal sehr idyllisch: Es ist eine generationenübergreifende, schillernde Idee. Weil ein neues Seniorenzentrum gebaut wird, fällt aber ein Großteil der beplanten Fläche weg. Auf den ersten Blick wirkt das wie ein Fehler - eine weitere städtebauliche Sünde. Doch bei näherem Hinsehen tut sich aber eine Chance auf. Denn der Klosterpark führte bisher ein eher stiefmütterliches Dasein. Auf der Grünfläche war fast nie etwas los. Und auch bei der Bürgerbeteiligung für das Förderprogramm Soziale Stadt haben die Karthäuser zum Beispiel die laufende Umgestaltung des Moselufers viel höher gehängt, wo schon Flächen mit großer Aufenthaltsqualität entstehen. Gleichzeitig ist es gut, dass das Deutsche Rote Kreuz in Konz investiert und den Standort für das Seniorenheim sichert. So bleiben dem Kreis Trier-Saarburg, der das bestehende Gebäude an das DRK vermietet hatte, unnötige Ausgaben erspart. Die Karthäuser Senioren haben weiterhin eine Anlaufstelle für zahlreiche Veranstaltungen und auch für einen günstigen Mittagstisch. Davon profitieren die Bewohner des Heims und dessen Nachbarn gleichermaßen. Ein Manko bleibt: Die Kar thäuser Kinder haben eine Spielfläche weniger. Doch ist das wirklich schlimm? Nicht wirklich, denn es gibt ja das Moselufer, die benachbarte Spielfläche an der Grundschule St. Johann und den neu gestalteten Spielplatz in der Johannisstraße, die nur wenige Meter entfernt liegt. c.kremer@volksfreund.de

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