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Neuhüttener Gemeinderat spricht über Ferienwohnungen im Dorf

Kommunales : Wie viele Ferienwohnungen verträgt eine Gemeinde?

Der Nationalpark schafft in Neuhütten Nachfrage nach Urlaubsquartieren. Doch möchte die Gemeinde kein Dorf der Urlauber werden.

Wie viele neue Ferienwohnungen sollen und können in Neuhütten entstehen? Das ist die neue Fragestellung in der Ortsgemeinde, mit der sich auch der Ortsgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung befasst hat.

Ausgangspunkt ist das Engagement der Familie Jungmann. Mitten im Ort will sie vier Häuser nutzen: Ein Gebäude wollte sie erst erhalten, hat es dann aber wegen zu großer Schäden abreißen und an der Stelle neu bauen müssen. Hinzu kommt ein weiteres neugebautes Haus, in dem Sven Jungmann wohnt. Zudem sollen zwei weitere Gebäude saniert werden. In einem will Seniorchef Ralf Jungmann einen Anlaufpunkt für die Gäste seiner Ferienwohnungen einrichten, die übrige Fläche will er mit seinem Architektur- und Ingenieurbüro beziehen. Das zweite steht Urlaubern ebenfalls als Ferienwohnung zur Verfügung. Insgesamt sollen so fünf Ferienwohnungen in drei Gebäuden entstehen, sagt Ralf Jungmann. Zwei davon sollen sogar für Feriengäste angeboten werden, die ihre eigenen Pferde mitbringen wollen.

Was die Familie Jungmann insgesamt investiert, behält der Seniorchef für sich. Allerdings werde alles aus Eigenmitteln finanziert, sagt er. Er hofft, dass im kommenden Jahr alle Arbeiten beendet und die Ferienwohnungen bereits 2023 vermietet werden können.

Doch warum hat sich der Gemeinderat intensiv mit den Plänen der Familie Jungmann beschäftigt? Im Bebauungsplan sind die bestehenden Flächen mit den Gebäuden, in denen künftig Ferienwohnungen angeboten werden sollen, als Wohngebiet vorgesehen. Doch die Nutzung als Ferienwohnung macht einen neuen Bebauungsplan notwendig. „Der Gemeinderat muss dem zustimmen“, sagt Ortsbürgermeister Peter Koltes. Grundsätzlich sähen die Gremiumsmitglieder die Investition der Familie Jungmann positiv. Allerdings wolle man auch Einfluss nehmen auf die Ferienwohnungen, die möglicherweise auch in Zusammenhang mit dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald entstehen, sagt er. „Wir wollen das lenken und kein Ort der Ferienwohnungen werden“, sagt Koltes.

Die Ferienwohnungen sehe man positiv, sagt ein Ratsmitglied. Da dies aber richtungsweisend sei und das Dorf einen anderen Charakter bekomme, müsse man sich auch über Grenzen unterhalten. Derzeit gebe es in dem 730 Einwohner zählenden Neuhütten sechs Ferienwohnungen, sagt der Ortsbürgermeister, fünf kämen mit dem Vorhaben der Familie Jungmann hinzu.

Der Gemeinderat hat schließlich beschlossen, den neuen Bebauungsplan – wie vom Gesetzgeber gefordert – öffentlich auszulegen.

Ein weiterer Tagesordnungspunkt der Sitzung des Ortsgemeinderates: der Haushalt für das Jahr 2022. Zwar hat das Gremium diesem ohne große Diskussion zugestimmt. Doch wenn die Zahlen so eintreffen, wie sie geplant sind, wird Neuhütten Ende 2022 mit minus 6872,90 Euro ein negatives Eigenkapital ausweisen, also überschuldet sein. Der Jahresfehlbetrag im Ergebnishaushalt beträgt -191.268 Euro, der Saldo der Ein- und Auszahlungen aus Investitionstätigkeit 215.819 Euro. Und das, obwohl die Gemeinde sich bei den Investitionen mit insgesamt 220.052 Euro zurückhält.

Die höchsten Ausgaben sind 115.902 Euro als Investitionsumlage für den Kindergarten und 84.000 Euro für den Ausbau der L166. Ansonsten fallen lediglich kleinere Investitionen an, wie etwa der Erwerb von Geräten für den Bauhof, die Erweiterung der Straßenbeleuchtung und der Erwerb von Einrichtungsgegenständen für die Bürgerhäuser Neuhütten und Muhl.

Die Gesamtverschuldung der Gemeinde steigt in diesem Haushaltsjahr von rund 1,1 Millionen Euro auf 1,393 Millionen Euro. 856.546 Euro davon sind Liquiditätskredite, die mit einem überzogenen Girokredit bei Privatkunden vergleichbar sind.