Neujahrsempfang in Hermeskeil: 100000 Noten in zehn Minuten

Gesellschaft : Neujahrsempfang in Hermeskeil: 100 000 Noten in zehn Minuten

Die Stadtkapelle hat den etwa 250 Gästen beim Neujahrsempfang der Stadt Hermeskeil einen unterhaltsamen Abend beschert – mit viel Musik und überraschenden Fakten. Die Rede des Stadtchefs klang schon deutlich nach Abschied.

Für die Gäste in der Hochwaldhalle war auf den ersten Blick klar, dass die Stadtkapelle bei diesem Neujahrsempfang der Stadt eine besondere Rolle spielen würde. Die Musiker hatten sich mit ihren Instrumenten auf der großen Bühne aufgebaut, nicht wie sonst üblich seitlich davor. Die Stadtkapelle war am Freitagabend Mitveranstalter – und das aus gutem Grund. Denn der Traditionsverein feiert sein 100-jähriges Bestehen und nutzte den Empfang, um die Hermeskeiler auf ein ereignisreiches Jubiläumsjahr einzustimmen.

Der erste Vorsitzende Tim Kaub erklärte, was die Hochwälder neben dem Jubiläumskonzert am 23. November erwartet. Als „größtes Highlight“ kündigte er ein Konzert der Big Band der Bundeswehr am 27. März an. Deren Profimusiker seien allesamt „herausragende Solisten“, für den Auftritt brächten sie allein 50 Tonnen an Equipment mit: „Das wird ein Abend der Superlative.“ Ein weiterer Höhepunkt soll der 14. Juli werden: Im Rahmen des Stadtfests ist ein Tag der Blasmusik geplant. An diesem Sonntag soll mit der Unterstützung befreundeter Vereine „Musik überall in der Stadt erklingen“.

Für die Vorstellung der Kapelle und einen Blick in die Historie hatten sich die Musiker etwas Besonderes ausgedacht. 300 Mitglieder, 55 aktive Musiker, 30 Auftritte pro Jahr – dies seien zwar eindrucksvolle Zahlen, die man aber schnell wieder vergesse, sagte Kaub. Deshalb nannte er dem amüsierten Publikum „etwas andere Zahlen, die vielleicht länger im Gedächtnis bleiben“. Vier Beispiele: 100 000 Noten spielten die Musiker in ihrem zehnminütigen Eröffnungsstück. 10 000 Stunden stand Manfred Becker, seit 65 Jahren Mitglied, mit der Kapelle bereits auf der Bühne. Zehn mal pro Sekunde trifft Schlagzeugerin Valerie Schäfer beim Trommelwirbel die Trommel. Und um einen Millimeter pro Jahr nutzt sich der Tisch ab, auf den Dirigent Gerhard Piroth bei den Proben mit dem Taktstock klopft.

Wolfgang Nellinger und Sophie Schäfer präsentierten auf einer Leinwand Anekdoten, Fakten, Bilder und amüsante Erinnerungsstücke aus 100 Jahren Stadtkapelle, zusammengestellt in einem Jubiläumsbuch, das für 20 Euro erhältlich ist. Dass die Musiker viel gemeinsam unternehmen und dabei viel Spaß haben, bewies ein kurzer Film mit Einblicken hinter die Kulissen. Einen vielbeklatschten Auftritt hatten die Mukis, das Grundschulorchester. Dieses Projekt startete vor vier Jahren: Grundschüler lernen ein Instrument, das ihnen von der Kapelle – mit finanzieller Unterstützung der Karl-und-Katharina-Heil-Stiftung – gestellt wird. Kaub: „80 Kinder haben schon mitgemacht.“

Dieses Engagement lobte Stadtbürgermeister Mathias Queck als „wunderbare Sache“. Die Stadtkapelle gehöre zu Hermeskeil. Für Queck war es eine besondere Neujahrsrede. Denn es war seine letzte als Stadtchef. Vor wenigen Tagen hatte er angekündigt, bei den Kommunalwahlen am 26. Mai nicht mehr für das Ehrenamt zu kandidieren.

Queck sprach deutlich länger als in den Vorjahren. Seiner Meinung nach, sagte er, seien die vergangenen fünf Jahre für Hermeskeil sehr erfolgreich gewesen. Er verwies unter anderem auf den Ausbau der Saarstraße, die umfassende Sanierung von Schulen, die Stärkung des Krankenhauses. Besonders hob er die Aufnahme Hermeskeils in ein Städtebau-Förderprogramm mit einem Volumen von zehn Millionen Euro hervor. „Das ist eine riesige Chance für die Entwicklung unserer Innenstadt.“ Die Workshops, in denen Bürger ihre Ideen einbringen können, starten laut Queck am 21. März. Er appellierte an alle, sich dort einzubringen. „Es liegen viele Aufgaben vor uns, die wir nur gemeinsam lösen können.“

Als großen Erfolg seiner Amtszeit bezeichnete der Stadtchef den Bau des Einkaufszentrums am Dörrenbach, der viel Arbeit und „strategisches Geschick“ seinerseits erfordert habe. Der von ihm versprochene Drogeriemarkt werde im Dezember eröffnet.

Queck dankte seinen Beigeordneten Volker König (SPD) und Willi Auler (CDU) sowie der „Seele des Stadtbüros“, Elke Heck. Zwischen ihn und Auler habe „nie ein Blatt gepasst“, sagte Queck. Er sicherte dem CDU-Mann seine „volle Unterstützung“ für dessen Kandidatur zum Stadtbürgermeister zu. Zu Volker König sagte er: „Sie haben Ihr Amt nie parteipolitisch ausgeübt, sondern immer im Sinne unserer Bürger.“ Queck bedankte sich auch bei seiner Frau Claudia und seinen zwei Söhnen: „Die Familie ist die größte Stütze des Stadtbürgermeisters.“

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