Neuland, leichtes Plus und gesenkte Umlage

Neuland, leichtes Plus und gesenkte Umlage

530 Seiten, das Ergebnis dreijähriger Vorarbeit, nickte der mit 30 Mitgliedern nicht komplett vertretene Verbandsgemeinderat in seiner Sitzung einstimmig ab - und verabschiedete damit den ersten Haushalt nach doppelter Buchführung in Konten, kurz Doppik.

Saarburg. Die Begeisterung hinsichtlich des neuen Zahlenwerks, das sich hinter dem ersten doppischen Haushalt der Verbandsgemeinde (VG) Saarburg verbirgt, hielt sich bei den Ratsmitgliedern in der Sitzung am Dienstagabend merkbar in Grenzen.

15 000 Güter geschätzt



Auch Hans-Jürgen Becker, seit zwölf Jahren Leiter der Finanzabteilung bei der VG-Verwaltung, hat die neue Form der Bilanzierung beziehungsweise Kalkulation eine Menge Nerven gekostet. Vor gut drei Jahren habe seine Abteilung mit den Vorbereitungen begonnen, berichtete er auf TV-Nachfrage. Rund 15 000 Wirtschaftsgüter, inklusive aller Straßen, Wege, Gebäude und Liegenschaften, ab einem Anlagegut von 60 Euro seien geschätzt, bewertet und mit entsprechenden Abschreibefristen festgehalten worden.

"Mit dem Ziel einer verbesserten Transparenz werden jetzt nicht mehr nur die Ergebnisse, sondern auch der Ressourcen-Verbrauch des Gesamtvermögens dokumentiert", erläuterte Bürgermeister Leo Lauer noch einmal den Hintergrund der Doppik.

Statt der reinen Gegenüberstellung von Einnahmen und Ausgaben bei der bisher angewandten kameralistischen Haushaltsführung mit Verwaltungs- und Vermögenshaushalt, sieht das neue Prinzip der kaufmännischen Buchführung einen Ergebnis- und Finanzhaushalt vor.

Laufende Kosten und Investitionen tauchen auf beiden Seiten auf. Während der Finanzhaushalt die laufenden Kosten ohne Abschreibungen dokumentiert, weist der Ergebnishaushalt die Investitionen mitsamt den Abschreibungen aus. Neun Teilhaushalte - von der "Zentralen Verwaltung" über "Schulen, Kultur, Jugend und Sport" bis zu "Forstwirtschaft" - haben die Saarburger gebildet. Ein unmittelbarer Vergleich der "nackten Zahlen" des Haushaltsjahres 2009 mit denen des Vorjahres ist nicht möglich. Fest steht hingegen: Während die VG im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 2001 wieder einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen konnte, schafft sie dies auch 2009. Ein Überschuss von knapp 100 000 Euro ist im Ergebnishaushalt veranschlagt. Etwas mehr als 20 000 Euro, die "der Liquiditätsreserve der Verbandsgemeinde zuzuführen" sind, wie es im Haushaltsplan heißt, stehen im Finanzhaushalt.

Neue Kredite sind nicht vermeidbar



Der Schuldenstand der VG erreicht voraussichtlich rund 10 615 000 Euro, womit jeder Einwohner mit etwa 489 Euro verschuldet wäre. Entgegen der ursprünglichen Planung müsse die VG nun doch einen neuen Kredit aufnehmen, erklärte Lauer. Der Grund sind die beiden "dicksten Brocken" des Investitionsprogramms: 653 000 Euro erhält die VG Konz als Gebäudeanteil an der Grundschule Wincheringen, nachdem der Hauptschulzweckverband Saarburg/Konz, der die Schule gebaut hatte, aufgelöst worden und die VG Saarburg Eigentümer der Schule geworden ist. 220 000 Euro fallen an für den geplanten Bau einer Photovoltaikanlage in Wincheringen.

Die Ortsgemeinden dürfen sich über einen Haushaltsbeschluss freuen: Nachdem die VG die allgemeine Umlage in den vergangenen Jahren bereits um drei Prozent gesenkt hatte, tut sie dies im aktuellen Haushaltsjahr noch einmal. Inklusive der Schulsonderumlage zahlen die Ortsgemeinden nun 37,5 Prozent Umlagen. Lauer: "Das ist die geringste Umlage seit 22 Jahren. Wir wollen den Gemeinden noch etwas Luft zum Atmen lassen."