Neustart im Jugendzentrum

Das seit Sommer 2010 geschlossene Hermeskeiler Jugendzentrum wird voraussichtlich Anfang März wiedereröffnet. Denn die Stadt hat einen neuen Leiter für das H-Town gefunden. Der 36-jährige Diplom-Sozialarbeiter Martin Strube tritt eine Vollzeitstelle an.

Hermeskeil. Martin Strube ist ein Mann, der sich gerne mit dem Computer beschäftigt. Und sein Hobby bietet ihm zugleich die Vorlage für einen bildhaften Vergleich, mit dem er seine neue berufliche Tätigkeit in Hermeskeil angeht. "Es ist praktisch so, als würde man auf den Reset-Knopf drücken und den Rechner noch mal hochfahren. Wir machen hier im Jugendzentrum einen Neustart, den ich mitlenken kann." Die Stadt hat den 36-Jährigen jetzt als neuen Leiter des H-Town eingestellt (siehe Extra).

Strube ist Diplom-Sozialarbeiter. Nach seinem Studium in Koblenz hat er zuletzt drei Jahre lang in Idar-Oberstein gearbeitet. Schon damals ist er in seinen saarländischen Heimatort Alsweiler (Gemeinde Tholey) zurückgekehrt, wo er sich inzwischen ein Haus gekauft hat.

Bis zur Wiedereröffnung des H-Town wird es wohl noch bis Anfang März dauern. "Wir müssen vorher noch das Büro des neuen Leiters renovieren und im Jugendzentrum aufräumen", sagt Stadtbürgermeister Udo Moser (BFB).

Strubes Anspruch ist es, vor allem Jugendlichen der Zielgruppe zwischen zwölf und 18 Jahren "einen Raum zu bieten, in dem sie sich sicher und geschützt fühlen". Die große Herausforderung besteht dabei aus seiner Sicht darin, "dass ich den Jugendlichen zwar keine Repressionen machen will, sie sich aber an gewisse Regeln wie das Rauchverbot halten müssen".

Mit dem Neustart des Jugendzentrums verbindet Strube zudem die Hoffnung, dass die Einrichtung nicht mehr "so stark cliquenabhängig wie bisher wird" und nicht nur das frühere Stammpublikum den Weg ins "H-Town" findet.

Die Berufsschülerinnen Kristin Rudolf und Selina Lischka begrüßen diesen Ansatz. "Hermeskeil braucht ein Jugendzentrum. Es muss aber ein breiteres Spektrum an Schülern ansprechen. Bisher war es doch so, dass dort meistens nur Real- und Hauptschüler hingegangen sind". Die beiden 17- und 18-Jährigen wollen sich beim Neustart aktiv einbringen.

Jugendliche planen Umfrage



Sie planen eine Eröffnungsveranstaltung und wollen eine Umfrage machen, wie das Jugendzentrum künftig heißen soll. Denn mit dem Namen H-Town sind weder sie noch Moser und Strube glücklich.

Für den neuen Leiter ist es wichtig, dass er den Jugendlichen nichts überstülpen will. "Es hat erst dann Sinn, konkrete Ziele meiner Arbeit festzulegen, wenn ich weiß, was die Jugendlichen wollen", betont Strube. Neben dem bisherigen Jugend-Café und Konzerten, "die ja Standard-Repertoire sind", kann sich Strube jedoch zusätzliche Angebote wie eine Computerwerkstatt oder ein Bewerbertraining vorstellen. Ausdrücklich fordert die Stadt als Arbeitgeber von Strube, dass er sich nicht nur im H-Town aufhält, sondern auch zu den "informellen Treffs" - etwa im Park oder vor dem Rewe-Markt - geht. Dort halten sich häufig Jugendliche auf, um Alkohol zu trinken. "Das ist ein Problem. Gerade deshalb wollen wir mit der Einstellung eines Sozialarbeiters, der die Jugendlichen an den Brennpunkten aufsucht, präventiv wirken", betont Moser. Dieser Aufgabe ist sich Strube bewusst und so ist das Ziel der Gespräche, die er mit den jungen Leuten führen will, klar: "Ich möchte möglichst viele von ihnen dazu bewegen, dass sie ihre bisherigen Treffs aufgeben und in unseren Jugendraum kommen."

Meinung

Gute Entscheidung

Das ist endlich mal wieder eine gute Nachricht für Hermeskeil. Der Stadtrat hatte es sich im vorigen Sommer ja nicht leicht gemacht, die Zukunft des Jugendzentrums zu sichern und trotz leerer Kassen genug Geld für die Stelle eines neuen Leiters bereitzustellen. Doch diese Entscheidung war richtig. Gerade in einem Mittelzentrum wie Hermeskeil muss es eine feste Anlaufstelle für die jungen Menschen geben, die die wichtigsten "Sozialarbeiter" in der Stadt - die sport- und kulturtreibenden Vereine - nicht erreichen können. Nun ist es natürlich eine Illusion zu glauben, dass all diese Jugendlichen nach der Wiedereröffnung ins "H-Town" strömen werden. Aber die Stadt tut gut daran, dass sie den informellen Treffs auf der Straße mit dem professionell geführten Jugendzentrum zumindest ein Alternativangebot entgegensetzt. a.munsteiner@volksfreund.deExtra Ein Jugendzentrum gibt es in Hermeskeil seit 1998. Es befindet sich im Untergeschoss des Grundschulgebäudes und hieß ursprünglich Madhouse. 2008 wurde es in H-Town umbenannt. Im Sommer 2010 musste das Jugendzentrum geschlossen werden, weil der damalige Trägerverein nicht mehr genug Geld hatte, um den Posten des damaligen Leiters Michael Scheide zu bezahlen. Scheide verließ die Hochwaldstadt. Erst nach einigem politischen Hin und Her entschied sich der Stadtrat schließlich dafür, dass die Kommune die Verantwortung für das Jugendzentrum wieder selbst in die Hand nimmt und in Vollzeit einen neuen Leiter einzustellen (der TV berichtete). Der künftige Betrieb des Jugendzentrums ist inzwischen ausfinanziert. Die Stadt übernimmt einen Betrag von 31 500 Euro. Hinzu kommen Zuschüsse vom Land (12 500 Euro) und vom Kreis Trier-Saarburg (7500 Euro). (ax)