Niemand will auf sie verzichten

Während eine definitive Entscheidung zur Zukunft der französischen Garnison in Saarburg nach Auskunft des CDU-Bundestagsabgeordneten Bernhard Kaster voraussichtlich erst Mitte bis Ende Juni fallen wird, beobachtet die Geschäftswelt die Entwicklung mit großer Sorge. Der Abzug der Franzosen ziehe einen "Rattenschwanz" an negativen Folgen nach sich, so die Befürchtung.

Saarburg. Nichts Neues in der Standort-Frage um das 16. Jägerbataillon in Saarburg-Beurig - das erklärte Stadtbürgermeister Jürgen Dixius gestern Morgen auf TV-Anfrage. Ob, und wenn ja wann die französische Regierung tatsächlich die von ihr erwogenen Pläne realisiert und die Garnison in Beurig abzieht (TV vom 8. April), konnte Dixius gestern nicht näher kommentieren. CDU-Bundestagsabgeordneter Bernhard Kaster wusste gegen Mittag telefonisch etwas mehr zu berichten. So falle - entgegen anders lautender Spekulationen in der französischen Presse - in dieser Woche noch keine Entscheidung zur Saarburger Standort-Frage. "Nach Gesprächen, die ich mit Bundesverteidigungsminister Jung geführt habe, lässt die französische Seite wissen, dass eine Entscheidung frühestens Mitte bis Ende Juni fällt. Damit gewinnen wir etwas Zeit, uns für den Erhalt stark zu machen." Zeit zum Verhandeln gewonnen

Er wie auch weitere politische Verantwortungsträger setzten vor allem auf das Argument der "Symbolik". "In Saarburg ist die letzte reine französische Einheit vertreten." Die deutsch-französischen Beziehungen, die sich aus der jahrzehntelangen Präsenz entwickelt hätten, seien ein besonderes Pfund. Dass die Franzosen in Saarburg "einfach dazugehören", unabhängig von möglichen Umsatzeinbußen, betonten alle der gestern vom TV befragten Saarburger Geschäftsleute. "Sehr schlecht" fände Maria Könen von der gleichnamigen Metzgerei in Beurig den Abzug. "Auch wenn der Anteil der Franzosen in unserer Kundschaft bei maximal zehn Prozent liegt - ich habe sie gerne in Saarburg."So denkt auch Engeline Tressel, Mitarbeiterin der benachbarten Metzgerei "Thörnich". "Geschäftlich gesehen ist das für uns nicht dramatisch. Die meisten Franzosen kaufen ohnehin im Economat, seit wir den Euro haben sogar noch stärker als früher. Aber wir bekommen dann auch wieder Leerstände bei Wohnungen und Gebäuden." Auch Ute Marx von der gleichnamigen Bäckerei an der Hauptstraße in Beurig sagt: "Es ist nicht so, dass die Franzosen dauernd hier kaufen. Sie haben ja ihren Economat. Aber ich fände es sehr schade, wenn sie gingen. Man lebt hier mit ihnen, sie sind angenehme Mitbürger. Unsere Kinder gehen zum Teil mit ihnen in die Schule." Einzelhändler Stefan Müller-Hamann sieht vor allem einen Aspekt: "Der Abzug würde einen enormen Rattenschwanz nach sich ziehen. Viele Handwerksbetriebe und viele Einkaufsmärkte leben sehr wohl von den Franzosen, auch wenn das in den Fachgeschäften etwas anders aussieht." Darüber hinaus bekäme die Stadt den Abzug auch touristisch zu spüren. "Es geht nicht nur um die Franzosen, die jetzt hier leben, sondern auch um die vielen Besucher, die dadurch das ganze Jahr über nach Saarburg kommen."Ernsthafte Sorgen bereitet Jutta und ihrer Mutter Marianne Biewen, Inhaber der Shell-Tankstelle im Hagen, die Nachricht. "Ich habe am Montag erstmal daran zu kauen gehabt", sagt die Seniorchefin. Tochter Jutta bestätigt: "Mir verursacht der Gedanke Bauchschmerzen. Unser Geschäft lebt zu einem guten Viertel von den Franzosen. Mit den Tank-Gutscheinen, die sie von der Garnison bekommen, tanken sie bei uns voll und nutzen auch die Werkstatt. Das ist für uns über Jahrzehnte eine fest Größe gewesen, mit der wir immer kalkulieren konnten."