Norma-Markt am Zerfer Kreisel geplant

Norma-Markt am Zerfer Kreisel geplant

Der Zerfer Rat steht vor einer schwierigen Entscheidung: Der Gemeinde liegt ein Angebot des Lebensmittel-Discounters Norma vor: Er will auf der bislang noch grünen Wiese des Gewerbegebiets am Kreisel einen neuen Markt bauen. Das hat den Besitzer des bestehenden Nah- und Gut-Geschäfts auf den Plan gerufen. Er bewirbt sich ebenfalls um das Grundstück, um mit seinem Laden dorthin umzuziehen.

Zerf. Der Wunsch des Lebensmittel-Discounters Norma ist konkret: In der jüngsten Sitzung des Zerfer Rats hat Firmenvertreter Andreas Lauterbach deutlich gemacht, dass "Norma" im Hochwaldort gerne einen neuen Markt mit circa 800 Quadratmetern Verkaufsfläche bauen würde. Für diese Pläne hat das Unternehmen die Grünfläche ins Visier genommen, die am Ortrand zwischen dem Mitfahrerparkplatz und dem Zerfer Kreisel liegt. Dort treffen die B 268 und die B 407 aufeinander. "Gerade die günstige Verkehrslage macht den Standort Zerf für uns interessant", sagt Lauterbach im TV-Gespräch. Außerdem sei das Versorgungsangebot mit Lebensmitteln "in diesem Bereich sehr lückenhaft", so der Norma-Mann.
Firma will schon 2013 bauen



Abgesehen vom Verkaufsraum will das Unternehmen noch Nebenräume mit einer Größe von rund 250 Quadratmeter einrichten. Ein kleiner Backshop ist geplant. Ob noch ein Getränkemarkt dazu kommt, müsse "genehmigungstechnisch" abgeklärt werden, so Lauterbach. Bis zu 16 Arbeitsplätze könnten in der neuen Filiale entstehen. Erklärter Wunsch von Norma ist es, "dass wir noch in diesem Jahr mit dem Bau beginnen".
Wie es auch andernorts häufig der Fall ist, soll das Gebäude in Zerf von einem Investor errichtet werden. Norma würde dort dann als Pächter einziehen. "Über Preise sagen wir grundsätzlich nichts", hält sich Lauterbach bei der TV-Frage nach den Investitionskosten bedeckt. Eine gleich große Filiale ist aber 2012 in der Nähe von Amberg (Bayern) für 1,7 Millionen Euro entstanden.
Der Zerfer Ortsbürgermeister Dieter Engelhardt (SPD) sagt, dass sich das von Norma vorgestellte Konzept vielversprechend anhört und vom Rat begrüßt wurde. Ob der Lebensmittel-Discounter den Zuschlag bekommt und das rund 4500 Quadratmeter große Grundstück kaufen darf, ist aber noch offen. "Diese Entscheidung wird der Rat in den nächsten Wochen treffen", sagt Engelhardt.
Denn für die Fläche im Gewerbegebiet gibt es noch einen zweiten Interessenten: Herward Koch hat am Freitag ein Schreiben an den Gemeindechef abgeschickt. Er ist Seniorchef des gleichnamigen "Nah- und Gut"-Geschäfts an der Ecke Trierer Straße/Deeswiese, in dem die Zerfer seit 18 Jahren einkaufen können. Koch kündigt in diesem Schreiben an, dass auch er das Grundstück gerne kaufen würde. "Wir würden mit unserem Geschäft dorthin umziehen und würden dort dann ebenfalls einen Neubau mit rund 800 Quadratmetern Verkaufsfläche errichten. Einen genauen Zeitplan kann ich aber noch nicht nennen", sagt Koch dem TV. Zu diesem Schritt hätten er und sein Sohn sich "notgedrungen" entschieden, betont der Einzelhändler. Denn aus seiner Sicht gehe es bei den Plänen von Norma um "reine Verdrängung. Wir werden aber nicht kampflos aufgeben."
Gefahr für bestehendes Geschäft


Koch ist der Überzeugung, "dass zwei Lebensmittelläden in einem so kleinen Ort wie Zerf nicht überleben können". Dazu sei die Zahl an potenziellen Kunden zu gering. Laut Koch leben im Einzugsbereich seines Geschäfts rund 6400 Menschen. Würde der Konkurrent Norma hinzukommen, sieht Koch sein Unternehmen mit 25 Beschäftigten in Gefahr. Ortschef Engelhardt sagt, dass er zwar Verständnis für diese Bedenken habe. Er weist aber darauf hin, "dass es in Kell auch mit zwei Lebensmittelgeschäften funktioniert". Dort gibt es den kleineren Frischemarkt Jungblut im Ort und den größeren Rewe-Markt etwas außerhalb. Der Zerfer Ortsbürgermeister betont, dass es für die Entscheidungsfindung des Rats wichtig ist, dass das Konzept von Koch "nicht nur tragfähig ist, sondern auch tatsächlich verwirklicht wird. Dass er nur das Grundstück kauft, um etwas anderes zu verhindern, geht nicht", so Engelhardt.

Extra

Der TV hat sich in Zerf umgehört, was Bürger von den Plänen für einen Norma-Markt halten. Brigitte Wolf aus Greimerath sagt: "Ich bin nicht dafür und würde auch nicht im Norma einkaufen gehen. Es gibt doch schon alles hier - nicht nur den Lebensmittelmarkt, sondern auch Bäcker oder Metzger. Durch ein neues Geschäft wird die Zahl an Kunden, die in Zerf einkaufen gehen, ja nicht größer. Also bleibt für jedes Geschäft wohl weniger Umsatz übrig." Der Schüler Maurice Hüter aus Zerf meint: "Ich finde, wir brauchen keinen Norma-Markt, weil es doch schon das Nah- und Gut-Geschäft gibt. Außerdem wäre der Norma noch ein Stück weiter vom Ort entfernt." Jessica Eilens aus Ayl fährt auf dem Weg zur Arbeit täglich durch Zerf und hält dort ab und zu an, um einzukaufen. Die junge Frau sagt: "Wenn ein Norma-Markt da wäre, würde ich bestimmt manchmal auch dorthin gehen. Es wäre in einem neuen Markt ja auch alles moderner. Ich schätze, dass es der Nah- und Gut-Laden bei dieser Konkurrenz schwer haben wird." fra/ax

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