Gottesdienste: Notkirchen in alten Hochwälder Schulen

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Die katholischen Kirchen in Hentern und Waldweiler sind nun seit mehreren Monaten wegen Baumaßnahmen geschlossen. Seither feiern die Gläubigen in sogenannten Notkirchen. Der TV hat nachgehört, wie der Stand der Dinge ist.

Es ist eine Geduldsprobe für alle Gläubigen der Pfarrei St. Georg in Hentern und der Pfarrei St. Willibrord in Waldweiler. „Es war schon eine Nachricht, die uns tief getroffen hatte“ erinnert sich Birgit Jäckels, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Hentern-Baldringen.

Am 27. Februar fand in der Henterner Kirche eine Begehung im Rahmen der Planungen für erforderliche Baumaßnahmen im Bereich des Daches und der Decke statt. „Nach eingehender Begutachtung des gesamten Dachbereichs musste entschieden werden, dass die Kirche vorsichtshalber bis auf weiteres komplett gesperrt werden muss und nicht mehr gefahrlos genutzt werden kann, da die Stabilität der Holzdecke nicht zu garantieren ist“, verkündete Pfarrer Kai-Georg Quirin.

Es wurde schnell ein Ersatzraum zum Feiern der Gottesdienste gefunden. Da eine Gemeinde einen Ort zum gemeinsamen Gebet und zur Messfeier braucht, wurde die ehemalige Grundschule in Hentern von der Ortsgemeinde angemietet. „Mit viel Engagement und Gemeinsinn wurde ein ansprechender Gottesdienstraum hergerichtet“, freut sich Birgit Jäckels. „Von Beginn an wurde der ehemalige Klassensaal sehr gut von den Gemeindemitgliedern und auch von Gottesdienstbesucher aus anderen Pfarreien angenommen. Oft sind alle 70 Sitzplätze besetzt“ so Jäckels weiter.

Im Vorraum wird die lebendige Gemeinde bei kleinen Empfängen, wie Erntedank oder Plätzchenverkauf der Messdiener, gelebt. Aber die Pfarrgemeinderatsvorsitzende mahnt an „Unsere Notkirche ist und bleibt ein Provisorium!“ Die Pfarrgemeinde drängt darauf, dass die Kirche schnell wieder genutzt werden kann.

Die Pressesprecherin des Bistums Trier Simone Bastreri teilt dazu mit: „Der Antrag auf Anerkennung des Baubedarfs für die Kirche Hentern wird im Leistungszentrum (sozusagen der Finanzabteilung für die Angelegenheiten der Kirchengemeinden bei uns) geprüft und eine Vorlage zur Beratung im Diözesanverwaltungsrat ist in Vorbereitung. Die Baukosten der Sanierung betragen rund 750 000 Euro und somit ist die Klärung der Finanzierung der Maßnahme derzeit der Grund für die anhaltende Schließung.“

Der Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Schillingen teilt zu den genauen Arbeiten weiter mit „Im Groben beinhalten die auszuführenden Arbeiten den Abbruch der später eingezogenen Decke im Innenraum, eine umfangreiche Verstärkung und Erneuerung des Dachtragwerks, eine Neueindeckung des Kirchendachs, die Erneuerung des Innenanstrichs und weiterer Arbeiten an Dach-, Decken- und Mauerwerk.“

Die Pfarrkirche muss vorher wohl komplett eingerüstet werden. Die Gläubigen in Hentern sind auf jeden Fall sehr hartnäckig und weisen bei den zuständigen Behörden im Bistum Trier immer wieder darauf hin, wie wichtig ihnen ihre Kirche ist. „Unsere Pfarrgemeinde würde sich sehr freuen, wenn die Kirche wieder für Gottesdienste und Feierlichkeiten genutzt werden könnte. Nur gemeinsam werden wir die Baustelle wuppen“, zeigt sich Birgit Jäckels entschlossen.

Auch Pfarrer Quririn zeigt sich über den Kampfgeist der Henterner erfreut: „In der zurückliegenden Zeit haben Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat und dankenswerterweise auch einzelne Mitglieder der Pfarrgemeinde bei den entsprechenden Stellen des Bistums und im Generalvikariat immer wieder auf die Bedeutung und Wichtigkeit der Pfarrkirche für unsere Pfarrgemeinde nachdrücklich hingewiesen. Wir hoffen, dass sich nun eine positive Entwicklung abzeichnet.“ Wann die Arbeiten beginnen können, ist derzeit immer noch unklar.

Doch nicht nur in Hentern ist die Kirche geschlossen. Auch für die Gläubigen im Hochwaldort Waldweiler gab es im November des letzten Jahres eine plötzliche Hiobsbotschaft der Schließung der katholischen St. Willibrordkirche. Der Pfarrer teilte damals mit „Am 8. November 2018 hat der zuständige Architekt des Bistums Trier die einstweilige Sperrung der Kirche in Waldweiler angeordnet. Hintergrund ist eine vom Bistum in Auftrag gegebene Begutachtung des Dachtragwerks durch einen Tragwerksplaner.“

Untersuchungen und Berechnungen hatten ergeben, dass Zusatzlasten wie Regen, Schnee und sogar Wind das Dach zum Einstürzen bringen könnten. Die vorhandene Eigenlast der Dachkonstruktion sei komplett ausgeschöpft. Der Pfarrgemeinde- und Verwaltungsrat hatte in einer Dringlichkeitssitzung schnell eine Lösung gefunden. „Dank der freundlichen Unterstützung durch die Ortsgemeinde, konnten wir die Räumlichkeiten der neu sanierten Schule in Waldweiler als Notkirche nutzen“ freut sich Mechthild Heinen, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates Mandern-Waldweiler.

Schon Weihnachten wurde der festliche Gottesdienst in Mitgestaltung des Kirchenchores Mandern-Waldweiler in der damals überfüllten Schule gefeiert. Wie in Hentern finden auch in der Notkirche Waldweiler bis zu 70 Gläubige in der Regel Platz. An Fastnacht gab es die traditionelle Narrenmesse. Diese wurde kurzerhand in die Teufelskopfhalle verlegt. „Aus allen Pfarrgemeinden sind hier die Menschen zur Feier der heiligen Messe gekommen und wir sind dankbar, dass uns auch hier die Gemeinde diese Räumlichkeiten zur Verfügung stellt“ freut sich Pfarrer Kai-Georg Quirin.

Die Menschen in dem kleinen Hochwaldort sind aber zuversichtlich, dass ihre Kirche, die wegen ihrer Bauweise ja einen besonderen Status mit sich trägt, bald wieder öffnen kann. Nicht nur Gottesdienste werden dort gefeiert, auch zahlreiche Konzerte finden über das Jahr verteilt dort statt, welche derzeit verlegt oder gar pausieren müssen. Doch an der St. Willibrordkirche werden wohl in Kürze die Baumaßnahmen beginnen.

In der katholischen Kirche St. Willibrord in Waldweiler wird es in diesem Jahr keine Gottesdienste mehr geben: Das Gotteshaus ist bis auf Weiteres geschlossen, weil bauliche Mängel an der Dachkonstruktion entdeckt wurden. Foto: Florian Blaes
So sieht der Altar in der Notkirche in der alten Waldweiler Schule aus. Foto: TV/Florian Blaes

„Die Bauabteilung ist auf der Ziellinie bei der Klärung der konkreten Sicherungsvariante der Dachbinder. Die Abstimmung mit Herrn Prof. Bienefeld im Rahmen des Urheberrechtes hat viel Zeit benötigt“ teilt die Pressesprecherin des Bistums Trier Simone Bastreri mit. Die Bauabteilung geht davon aus, dass in den kommenden vier Wochen die endgültige Statik erstellt werden kann. Dann muss nur noch die Kreisverwaltung ihre Genehmigung erteilen. In den Wintermonaten wird dann voraussichtlich der Einbau der Kippsicherung am Dach erfolgen. „Wenn alles klappt, hoffen wir, dass die Kirche in Waldweiler Ostern 2020 wieder geöffnet werden kann“, zeigt sich Simone Bastreri zuversichtlich.

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