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Nur die Toilettenanlage am römischen Tempel in Tawern soll nicht antik sein

Nur die Toilettenanlage am römischen Tempel in Tawern soll nicht antik sein

Der Ortsgemeinderat Tawern will den römischen Tempelbezirk touristisch aufwerten - er soll ein Gebäude mit Info-Pavillon, Toilettenanlage und Lagerraum erhalten. Dieses auf rund 97 000 Euro geschätzte Projekt könnte zu 65 Prozent aus dem Leader-Programm gefördert werden.

Tawern. Rund 100 000 Euro will der Ortsbürgermeister von Tawern für ein kleines Gebäude mitten im Wald ausgeben. Kein Wunder also, dass sich da im Vorfeld schon Bedenken bei den Tawernern breit machten.

Der Ortsbürgermeister Thomas Müller (CDU) stellt jetzt das Projekt und den Finanzierungsplan vor.
Ausführlich sprach Müller dabei über das "Warum": Die Tempelanlage sei weit über Tawern hinaus von touristischer Bedeutung und werde bekanntlich auch gerne von Hochzeitsgesellschaften genutzt.

Dem gegenüber stehe eine völlig unzulängliche Infrastruktur - eine entsetzliche Toilettenanlage mit "Eimerbetrieb" und Überlaufabfluss, die heute gar nicht mehr zulässig sei.Wasserleitung liegt schon


Müller fragt sich: "Warum haben wir eigentlich 2010 für 70 000 Euro eine Wasserleitung dorthin verlegt?" Außerdem fehlten ein Informationsstand, der auch für Sektempfänge bei Hochzeiten nutzbar sei sowie ein kleiner Lagerraum. Nachdem Müller mit dem Projektpräsenation fertig war, ging er zum Finazierungsplan über. Im Rahmen der neuen Leader-Periode 2014 bis 2020 solle ein Antrag auf Fördergelder der Europäischen Union gestellt werden.

Der Mindestfördersatz für ausgewählte Projekte betrage 55 Prozent. Für die Maßnahme im Tempelbezirk werde eine Förderung von 65 Prozent angestrebt. Das Projekt laufe in Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde (VG) Konz, die sich mit 10 000 Euro beteiligen wolle. Träger und Bauherr sei die Ortsgemeinde Tawern. Bei einer Förderhöhe von 65 Prozent und dem Zuschuss der VG von 10 000 Euro verbliebe der Gemeinde Tawern als Eigentümerin noch ein Kostenanteil zwischen 25 und 35 Prozent.

Das Projekt sei bei der Leader-Arbeitsgemeinschaft Moselfranken (LAG) angemeldet worden. Sollte die LAG die Sache positiv beurteilen, sei auf dieser Basis der Förderantrag zu stellen. Gegenwind kommt von der SPD-Fraktion. Man müsse das, so Eli- sha Weinandi, auch von der anderen Seite betrachten. Sie stellt sich die Frage, was wohl ein Bürger auf der Straße zu dieser 97 000 Euro-Investition sagen würde. Auch Achim Komes äußert Bedenken: "Wir brauchen dort eine Toilettenanlage und einen Lagerraum.Hohe Kosten wegen Lage


Aber um jeden Preis?". Karla Kroon meint: "Das Dilemma ist, dass der kleine Bau aufgrund der abgeschiedenen Lage so hohe Basiskosten verursacht.
Für Außenstehende erscheint dies unverhältnismäßig."

Der ebenfalls anwesende Verbandsgemeindebürgermeister von Konz, Karl-Heinz Frieden, fand die Argumentationen einerseits verständlich. Andererseits sei dies ein überaus wichtiges Projekt zur Aufwertung des Tempelbezirks, der Tawern ein Alleinstellungsmerkmal verleihe: "Eine Grundsatzentscheidung für den Bau ist daher mit Blick auf das touristische Netzwerk der Region folgerichtig und wertvoll." Günther Görgen (CDU) rechnete vor, dass bei einer 65-prozentigen Leader-Förderung die Ortsgemeinde nur noch mit 20 000 bis 27 000 Euro Eigenbeteiligung rechnen müsse. Görgen appellierte an den Rat, dem Beschluss zuzustimmen.

Nach der Diskussion entschied sich der Ortgemeinderat von Tawern mit einer deutlichen Mehrheit für den Ausbau der Tempelanlage. Elf Stimmen waren für den Grundsatzbeschluss. Zwei Ratsmitglieder stimmten mit Nein und vier enthielten sich. f.k.Meinung

Diese Chance nutzen
Rund 100 000 Euro für den Bau einer Toilettenanlage mit Info-Pavillon am der Tawerner Tempelanlage - da zieht so mancher Steuerzahler erst einmal scharf die Luft ein. Ein Problem bei dem Tawerner Projekt ist die schwere Zugänglichkeit. Erschwerend hinzu kommt, dass ein Anschluss an eine Kanalisation fehlt, was den Bau einer unterirdischen Grubenanlage erfordert. Da stellt sich die Frage: Ist der Aufwand noch gerechtfertigt? Er ist es, angesichts der Besucherzahlen und der geschichtlichen Bedeutung des römischen Tempelbezirks. Allerdings kann Tawern das Projekt nur mit EU-Mitteln aus dem Leader-Programm stemmen. Sollte diese Förderung warum auch immer abgelehnt werden, wäre auch das Projekt gestorben. Aber den Versuch ist es wert - die Chance auf eine nachhaltige touristische Aufwertung der antiken Stätte muss genutzt werden. trier@volksfreund.de