Nur wenige Frauen in der Feuerwehr - Jennifer Picko ist zweite Wehrführerin im Kreis Trier-Saarburg

Brandschutz : Nur wenige Frauen in der Feuerwehr: Temmelserin übernimmt Wehrführung

Jennifer Picko ist eine von nur zwei Wehrführerinnen im Kreis Trier-Saarburg. Die 29-Jährige ist Chefin der Feuerwehr Temmels. Nicht nur in der Führungsebene sind Frauen bei den Brandbekämpfern in Trier und Trier-Saarburg rar. Gerade mal sieben Prozent der 3639 freiwilligen Feuerwehrleute gehören dem weiblichen Geschlecht an.

Jennifer Picko ist trotz ihrer erst 29 Jahren ein langjähriges und erfahrenes Mitglied der freiwilligen Feuerwehr. Aus ihren Schilderungen über die Arbeit bei den Brandlöschern spricht enormes Fachwissen, Vertrauen in die eigenen Kompetenzen und der feste Glaube an die besondere Kameradschaft. Wenn man ihr gegenübersteht, fällt zunächst auf, dass die junge Frau ausgesprochen offen, freundlich und kommunikativ wirkt. Strahlendes Lächeln, Augen, die alles wahrnehmen, und bei allem Temperament bleibt sie fokussiert und bei der Sache. Auf Fragen antwortet sie präzise und zügig.

Angefangen hat Pickos Karriere in der Temmelser Jugendfeuerwehr. Als sie als neunjähriges Mädchen mit ihren Eltern von Trier nach Temmels zog, besuchte sie eine öffentliche Übung der FFW – und war fasziniert. Für die kleine Jennifer stand fest, dass sie in die Jugendfeuerwehr will. „Ich habe als kleines Mädchen aber nicht mit Feuerwehrautos gespielt“, sagt sie und lacht über die Frage nach ihren Kindheitshobbys. Und auch im Kinderkarussell saß sie nicht automatisch immer im Leiterwagen. In der Jugendfeuerwehr ließ Picko keinen Lehrgang aus, engagierte sich überdurchschnittlich und wurde 2011 zur Leiterin der Jugendfeuerwehr befördert. Heute freut sie sich, dass sich in Temmels 16 Kinder, davon sechs Mädchen, engagieren.

„Fünf der Jungen und Mädchen wechseln jetzt in die Erwachsenenfeuerwehr. Das ist ein starker Jahrgang“, sagt die Frau mit der auffälligen Kurzhaarfrisur. Alles Jugendliche, denen sie die Liebe zur Feuerwehr, den gemeinnützigen Aufgaben und das Engagement für die Menschen im Dorf weitergegeben hat.

Von Pickos Engagement sprechen auch Temmelser, die nicht Mitglieder in der Feuerwehr sind. Wenn im Dorf eine helfende Hand gebraucht wird, ist sie dabei. Meistens schon als Mitglied der FFW, aber auch darüber hinaus hilft sie beispielsweise bei der Organisation von Festen. Doch im Mittelpunkt steht für Picko die Feuerwehr. Ihr Vorgänger als Wehrführer, Christian Biermann, musste aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegen. Er hatte schon länger darauf hingearbeitet, dass Picko seine Nachfolgerin werden kann. Sie sei fest verwurzelt in ihrem Heimatdorf und ist bei einer Alarmierung in wenigen Minuten einsatzbereit. „Es hilft, wenn man einen öffentlichen Arbeitgeber hat“, sagt die neue Feuerwehrchefin, die im Jobcenter in Saarburg arbeitet.

Doch die wichtigsten Eignungskriterien sind Pickos überdurchschnittliche Fähigkeiten. Sie hat alle Lehrgänge erfolgreich absolviert, auch den besonders anspruchsvollen für den Einsatz mit dem Atemschutzgerät. „Wenn wir in ein brennendes Gebäude müssen, bin ich ganz vorn dabei“, sagt die Feuerwehrfrau. Angst kennt sie nicht, aber Respekt vor den Gefahren hat sie natürlich. „Das Wichtigste ist, dass man sich im Team aufeinander verlassen kann. Und das heißt, dass man genau weiß, was jeder kann, wie er oder sie ausgebildet ist, und wie die Leute unter Stress reagieren“, sagt Picko. Alle Handgriffe müssten sitzen, und dafür müsse man üben, üben, üben.

Dass Jennifer Picko nun die erste Wehrführerin in der VG Konz und eine von zwei im gesamten Trier-Saarburger Kreisgebiet sowie in der Stadt Trier (siehe Info) ist, ist ihr ziemlich egal. Sie habe sich immer als gleichwertiges Mitglied gefühlt, sagt sie. Sie schwört auf die Kameradschaft und weiß um ihr Fachwissen. Doch sie sagt auch: „Man muss sich als Frau schon mehr beweisen.“ Und in der Hierarchie sind in den höheren Funktionen Frauen wirklich selten. Aber im Einsatz zählt nur, dass man sich auf seine Kameraden verlassen könne. Auf Picko, den Eindruck hat man nach 60 Minuten Gespräch, ist immer Verlass. Sie sagt: „Für mich ist die freiwillige Feuerwehr Verpflichtung, Auftrag und Hobby zugleich.“

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