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Ob Arzt, Pfleger oder Patient - jeder ist König

Ob Arzt, Pfleger oder Patient - jeder ist König

Wie stellen Ärzte, Altenpfleger und Patienten sicher, dass ihre Würde im Umgang miteinander gewahrt bleibt? Darum ging es bei einer Diskussion im Hermeskeiler Mehrgenerationenhaus, an der auch Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler teilnahm. Den Impuls dazu gab eine Ausstellung, die sich mit der königlichen Würde des Menschen befasst.

Hermeskeil. Sie sind klein, bestehen aus Holz, tragen schlichte weiße Hemden und - eine Krone. Die Königsskulpturen des Bonner Diakons und Künstlers Ralf Knoblauch sollen zeigen, dass in jedem Menschen eine königliche Würde steckt, die nicht verletzt oder gar genommen werden darf. Vier Wochen lang waren die Figuren in verschiedenen Gebäuden in Hermeskeil ausgestellt - vom Rathaus bis zum Fitnessstudio.
"Wir wollten, dass die Menschen überall darüber stolpern", sagte Angela Schmidt vom Dekanat Hermeskeil-Waldrach, das die Schau initiiert hatte, im Hermeskeiler Mehrgenerationenhaus. Bemerkenswert sei: Im Fitnesstudio seien die Besucher eher stehengeblieben und hätten die Könige betrachtet. Im St.-Josef-Krankenhaus seien sie "im täglichen Betrieb untergegangen". Eine ideale Überleitung zu der Diskussionsrunde, zu der etwa 90 Zuhörer gekommen waren. Anknüpfend an die Schau ging es um Menschenwürde - speziell im Gesundheitswesen.
Ehrengast war die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Die Achtung der Menschenwürde sei "zentrale Norm" im Gesundheitswesen, betonte die Ministerin. Dort bedürften die Menschen "ganz besonderer Fürsorge", sie denke etwa an Pflegebedürftige und an Menschen mit Demenz. Die Politik müsse dafür die nötigen Rahmenbedingungen schaffen. Das Land Rheinland-Pfalz setze sich daher beispielsweise gezielt für eine bessere Ausbildung von Pflegekräften und angenehmere Arbeitsbedingungen ein.
Alle Akteure auf Augenhöhe

Ob Arzt, Pfleger oder Patient - jeder ist König
Foto: (h_hochw )
Ob Arzt, Pfleger oder Patient - jeder ist König
Foto: (h_hochw )


Moderatorin Judith Rupp von der Pressestelle des Bistums fragte nach den Eindrücken, welche die Könige bei den Diskussionsteilnehmern hinterlassen hätten. Auf dem Podium saßen neben der Ministerin und dem Künstler auch Schwester Edith Maria Magar, Generaloberin der Waldbreitbacher Franziskannerinnen, Dr. Martina Wagener, Fachärztin für Innere Medizin in Hermeskeil, Pastoralreferent Detlef Willems und die Krankenschwester Mechthild Serf. "Mich rührt vor allem der König, der seine Krone abgelegt hat", sagte Seelsorger Willems. Er stehe dafür, sich auf Augenhöhe mit anderen zu begeben. Diesen Eindruck unterstrich Krankenschwester Mechthild Serf: "Die Zeiten der Götter in Weiß sind vorüber", sagte sie. Für Schwester Edith Maria Magar, deren Orden den Grundstein zur Marienhaus GmbH legte, die Träger vieler sozialer Einrichtungen in der Region ist, führen solche "Polarisierungen" zu nichts. Es gehe darum, dass alle Akteure "Respekt füreinander" hätten.
Ärztin Martina Wagener wurde gefragt, wie sie in ihrem Beruf mit dem Begriff Menschenwürde umgehe. Manche Patienten wollten "ruckzuck" bedient werden "wie am Kaufhaus-Tresen", sagte Wagener. Aber es gebe andere Fälle, etwa sterbenskranke Patienten und hilfesuchende Angehörige. "Ich versuche dann, so zu handeln, als wäre ich selbst betroffen." Noch wenig genutzt sei die Möglichkeit einer Ethikkommission. Darin brächten sich verschiedene Berufsgruppen ein, um für ethisch problematische Fälle den richtigen Weg zu finden.
In ihrer Ausbildung habe das Thema Menschenwürde kaum eine Rolle gespielt, sagte Krankenschwester Serf. Dem setzte Schwester Edith Maria entgegen, dass dafür in ihren Einrichtungen Raum gegeben werde. Medizinerin Wagener bemerkte, dass "Pflege" und "Caritas" heute in der Familie oft nicht mehr gelernt würden. Laut der Ministerin kann man die dazugehörigen Werte im Unterricht zwar lehren. Sie müssten aber auch "erlebt" werden, im Kontakt der Generationen.
Dass Pflegekräfte unter enormem Druck stünden, mahnte Seelsorger Detlef Willems an, der die Altenzentren im Dekanat Hermeskeil-Waldrach betreut. "Ich erlebe die Menschen noch immer auf dem Zahnfleisch gehend." Man müsse aber auch "die eigenen Grenzen im Blick haben". Wichtig sei deshalb der Austausch mit Menschen, die von außerhalb in die Einrichtungen kämen.
Viele ältere Menschen, vor allem in den Dörfern, drohten zu vereinsamen, ergänzte Dr. Wagener. Es habe auch mit Würde zu tun, ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Diese Gedanken griff die Ministerin auf: Der steigende Pflegebedarf sei nicht allein durch professionelle Kräfte zu decken. Es sei ein "Mix mit Ehrenamtlichen" nötig. Die Einrichtungen müssten "in ihre Nachbarschaft geöffnet" werden.
"Ich sehe, die Könige wirken", fand Gastgeber Christoph Eiffler vom Mehrgenerationenhaus zum Abschluss. Die Diskussion sei "sehr einfühlsam gewesen, was bei diesem Thema sehr guttut".