Obdachloser aus Konz hätte gerne eine Bleibe

Kostenpflichtiger Inhalt: Armut : Obdachloser Konzer hätte gerne eine Bleibe

Franz Schuh hat keine Wohnung. Trotz der Kälte schläft er auf der Straße. Das Sozialamt hat ihm ein Bett in einer Sammelunterkunft angeboten. Das lehnt er bisher ab – aus Angst.

Es wird kalt. Vor allem nachts kratzen die Temperaturen am Gefrierpunkt. Für Franz Schuh (58) hat die schlimmste Zeit des Jahres angefangen, denn er ist obdachlos. Er ist einer von zwei offiziell registrierten Obdachlosen in Konz und einer von 678 000 in Deutschland. Laut einer Meldung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe von dieser Woche ist diese Zahl im vergangenen Jahr um 28 000 Fälle gestiegen.

Der Obdachlose Schuh ist nicht erst seit dem vergangenen Jahr ohne Bleibe. Er schläft seit 2014 auf der Straße, meistens am Verwaltungsgebäude II mitten in Konz. Viele in der Stadt kennen ihn vielleicht auch aus dem Café der Bäckerei im Saar-Mosel-Zentrum, wo er vormittags oft sitzt, um einen heißen Kaffee zu genießen und sich aufzuwärmen.

Schuh hat seine Bleibe zusammen mit seinem Job verloren. Er hat 37 Jahre als Koch gearbeitet. Zuerst als Azubi, von 1981 bis 1985 bei der Marine und bis 2014 im Hotel Römerstuben in Konz. Nachdem der ehemalige Besitzer das Haus aufgegeben habe, sei er nicht übernommen worden, als dort ein Steakhaus eröffnet wurde, erzählt Schuh. Sein Zimmer in den Römerstuben habe er da ebenfalls verloren. So sei er auf der Straße gelandet.

Während das Steakhaus wieder dicht ist und das Hotel zwischenzeitig, nachdem der Obdachlose längst auf der Straße lebte, als Flüchtlingsunterkunft angemietet wurde, hat Schuh keine Wohnung mehr gefunden. Er beschreibt seinen persönlichen Teufelskreis nüchtern. „Wenn man auf der Straße lebt, findet man keinen Job“, sagt er. Seit 2016 sei er ohnehin wegen einer Krankheit erwerbsunfähig und bezieht eine monatliche Rente von 440 Euro. Für eine Wohnung reicht das nicht. Schuh ist auf Wohngeld und somit auf die Unterstützung des Staats angewiesen. 375 Euro Miete würde dieser auch übernehmen. Doch eine Wohnung hat Schuh bisher nicht gefunden.

Die Verwaltung habe ihm nur einen Platz in der Obdachlosenunterkunft in Karthaus angeboten, die seit drei Jahren – nach Abriss des ehemaligen Gasthaus Sorgen in der Karthäuser Straße 3 – in der Karthäuser Straße 36 bis 38 untergebracht ist. Die neue Unterkunft kennt Schuh laut eigener Aussage nicht. Allerdings habe er einmal in der alten übernachtet und sei bestohlen worden, erzählt der 58-Jährige. „Dort wird gekifft und gekokst. Ich will nicht mit dem Messer zwischen den Zähnen einschlafen müssen.“ Er sei ein Einzelgänger und wolle alleine leben, nicht mit anderen in einem Zimmer schlafen. Aus Konz wolle er nicht weg – unter anderem weil er einen Arzt in der Stadt habe.

Der Obdachlose ist geschieden und Vater zweier Kinder und auch schon Großvater. Hilfe erwartet er von seiner Familie, die in der Eifel lebt, aber nicht. In Konz hat er jedoch Unterstützung gefunden. Müllwerker Hans-Jürgen Wachs macht sich für ihn stark. Er helfe Schuh gerne, dieser sei ein netter Mensch, sagt Wachs, der in der Weinbergstraße 31 in einem Drei-Parteien-Haus der Stadt Konz lebt. Unter ihm ist eine Wohnung frei. Die Vormieter seien gestorben, sagt Wachs. Deshalb habe er die Verwaltung gefragt, ob sie die Wohnung an den Obdachlosen weitervermieten könne. Er habe sogar angeboten, bei der Sanierung zu helfen und dazu schon einen Kostenvoranschlag über 1600 Euro für die notwendigen Materialien besorgt.

Doch die Verwaltung habe abgelehnt und Schuh an die Obdachlosenunterkunft verwiesen. Wachs hat sich deshalb mit Schuhs Geschichte an den TV gewandt.

Die Verwaltung Auf Nachfrage bei der Verwaltung schildert Pressesprecher Michael Naunheim Schuhs Fall aus Behördensicht. Die Verbandsgemeindeverwaltung sei über das Sozialamt und das Gebäudemanagement mit Schuhs Fall beschäftigt. Das Gebäudemanagement vermietet unter anderem die gemeindeeigenen Wohnungen. Es arbeitet unabhängig vom Sozialamt und hat bisher keine Wohnung für Schuh.

Das Sozialamt unterstütze Herrn Schuh auf der Suche nach Lösungen, versichert Naunheim. „Zum Beispiel wurde ihm eine Unterkunft in den Räumlichkeiten der ehemaligen Sportsbar in Konz-Karthaus angeboten“, bestätigt Naunheim Wachs’ Aussage. „Dies wollte er aber nicht.“  Naunheim betont, dass die Verwaltung Obdachlose nicht zwingen könne, sich unterbringen zu lassen. „Im Rahmen seines grundgesetzlich geschützten Individualrechts darf er auf diesen Anspruch verzichten, auch wenn er sich dadurch selbst gefährdet.“

Dass Schuh nicht in der stadteigenen Wohnung in der Weinbergstraße 31 einziehen kann, begründet Naunheim mit dem renovierungsbedürftigen Zustand der Bleibe. In dem Mehrfamilienhaus seien zwei der drei Wohnungen vermietet. Die Wohnung im Erdgeschoss sei zurzeit wegen ihres Zustands „nicht vermietbar“. Da helfe auch keine private Renovierung in Form von Tapezieren, Anstreichen und ähnlichen Schönheitsreparaturen mehr. Die Elektro-, Wasser- und Heizungsinstallation müsse erneuert werden. Dazu müssen laut Verwaltung Fachunternehmen beauftragt werden. Und die Wohnung ist Teil einer ganzen Reihe von Wohnungen in öffentlicher Hand, für die seit mehreren Jahren nach einer Möglichkeit gesucht wird, sie zu sanieren (siehe Info).

Von der Verwaltung erwarten weder Wachs noch Schuh Hilfe bei der Suche nach einer Wohnung. Er sei wegen seiner Situation schon lange nicht mehr wütend oder enttäuscht, sagt Schuh. Eher frustriert. Wachs appelliert an andere Vermieter oder Immobilieneigentümer, seinem Freund ein Zimmer zur Verfügung zu stellen – ehe er in der Novemberkälte erfriert.

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