Oben ohne

SAARBURG. "Oben ohne" ist die evangelische Kirche in Saarburg derzeit. Nachdem bei Innenarbeiten am Turm festgestellt worden war, dass die Holzverkleidung morsch und verfault ist, haben Fachleute den Turm Stück für Stück abmontiert. Noch in diesem Monat soll die Kirche einen neuen Turm bekommen.

"Huch - da fehlt doch 'was!", hört man aufmerksame Passanten, die ihren Blick nach oben richten, in diesen Tagen häufiger in Saarburg sagen. Und richtig: Der Turm der evangelischen Kirche am Schlossberg sieht derzeit nackt aus. Vor wenigen Tagen haben ihn Mitarbeiter der Saarburger Dachdeckerei Tobias Weber komplett abgetragen. Der Grund: Das hölzerne Innenleben des Turms war morsch und verfault. Ursprünglich sollten lediglich die alte Schiefereindeckung und Holzschalung erneuert werden, berichtet die evangelische Pfarrerin Elke Füllmann-Ostertag auf TV-Nachfrage. Die namenlose Kirche wurde am 11. Juli 1893 eingeweiht. Bomben beschädigten das Gotteshaus 1944 stark, sodass Arbeiten am Turm notwendig wurden. "Man hat sich damals natürlich des Holzes bedient, das es gab und konnte nicht wählerisch sein", erläutert Füllmann-Ostertag. Mit diesem Holz habe man sich den Holzwurm in die Kirche geholt, erklärt Dachdeckerei-Inhaber Tobias Weber: "Früher wurde das Holz noch mit der Rinde verarbeitet, in der sich der Holzwurm einnistet. Der ist hauptsächlich dafür verantwortlich, dass der Turm von innen gefault ist. Hinzu kam die Wetterseite zur Saar hin." Die Feststellung, dass der Turm in einem derart schlechten Zustand war, hat nicht allein die Dachdecker überrascht. "Das war ein großer Schreck für uns", sagt die Pfarrerin. Der Turm wurde in handliche Stücke zerlegt

Den Turm haben sechs Mitarbeiter der Dachdecker-Firma nach Auskunft Webers "in handliche Stücke zerlegt und halben Meter für halben Meter heruntergeholt". Zwei Tage hätten sie für diese Aktion benötigt. Ein neuer Turm, beziehungsweise das Innenleben, sei im Moment in Arbeit. Die Firma Holz Mohr in Trier stelle den 14 Meter hohen Aufbau in drei Teilen her. "Wenn der fertig ist, wird er nach Saarburg transportiert und per Kran auf die Kirche gesetzt", erklärt Weber. Einen Tag kalkuliert der Dachdecker, der mit der Zimmerei Simon aus Ayl zusammenarbeitet, dafür ein. Allerdings müsse der Kran von der Stadtseite aus in den Tunnel hineingefahren werden. Weber: "Dort muss dann an diesem Tag alles gesperrt werden." Freitag, der 19. Mai, sei als Termin ins Auge gefasst. In der kommenden Woche werde diese Frage wohl geklärt. Gottesdienste und die Konfirmationen bleiben davon unberührt. Füllmann-Ostertag: "Wir haben eine Notabdeckung, und es ist nicht so, dass man in der Kirche Angst haben muss. "