Oberbillig wird preußisch

Am Samstag, 2. Juli, wird um 19 Uhr die kulturhistorische Ausstellung "Vom Leben in Billig an Mosel und Sauer" eröffnet. Aufgezeigt wird hier, wie sich der neue Grenzverlauf an der Mosel durch die Preußen vor 200 Jahren auf das Leben der Menschen ausgewirkt hat. Die Ausstellung ist bis Ende August jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr im Pieterhaus zu sehen.

Oberbillig. Nach dem großen Fest am 30. April zum 50. Geburtstag der Moselfähre Sankta Maria und 200 Jahre Preußentum diesseits und jenseits der Mosel arbeitet der Heimat- und Verkehrsverein Oberbillig die Folgen der Trennung von Wasserbillig in einer Ausstellung auf. Die Ausstellung wird am Samstag, 2. Juli, um 19 Uhr im Pieterhaus eröffnet.
"Stellen Sie sich vor, plötzlich haben Sie keine Schule, keine Kirche und keinen Friedhof mehr", erklärt Heimatforscher Kurt Scheuer dem TV die Dramatik dieser plötzlichen Trennung. Der Wiener Kongress hatte vor 200 Jahren quasi am grünen Tisch beschlossen, dass Oberbillig und Wasserbillig nicht nur durch nur die Mosel, sondern auch als Hoheitsgebiete getrennt werden. Wasserbillig war aus Sicht der Oberbilliger plötzlich Ausland.
Mit historischen Fotos, Dokumenten, Modellen und Zeichnungen, die teilweise von Kurt Scheuer selbst stammen, sollen die Besucher in diese schweren Zeiten zurückversetzt werden. Reichte die hervorgerufene Armut an Mosel und Sauer durch die Trennung noch nicht, kamen noch die Pestjahre 1848 und 1864 hinzu, die große Teile der Bevölkerung dahinrafften.
Aber auch die Zeit davor wird aufgearbeitet, schließlich sei die Gegend um Oberbillig ja bereits seit 160 000 Jahren besiedelt, weiß Scheuer. Ein großer Teil der Ausstellung wird der Schifffahrt auf der Mosel gewidmet, die mit den Römern vor 2000 Jahren erstmals aufblühte. Die alte Römerbrücke ist als Modell zu sehen. Vier Modelle historischer Passagierschlepper werden gezeigt.
Pläne und Karten der römischen Bebauung vervollständigen das Bild des antiken "Billiako", was mit einem römischen Siegelstempel bewiesen werden kann, den Namensforscher Joachim Kann entdeckt hat. "Ich will den Leuten zeigen, in welcher bedeutenden Gegend sie leben", lädt Kurt Scheuer ein. Das große Weltgeschehen habe solch große Auswirkungen auf ein kleines Dorf gehabt. Ermöglicht wird die Ausstellung im Pieterhaus, die bis Ende August jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr zu sehen sein wird, durch den Heimat- und Verkehrsverein mit seinen derzeit 164 Mitgliedern. Hüben wie drüben fühlen sich alle Menschen längst wieder als Billiger. Jetzt kann eine bewegte Zeit wieder neu erlebt werden. doth