Ohne den "Großen Bruder"

Der Saar-Mosel-Platz ist ein friedlicher Ort geworden. Das öffentliche Trinken von Alkohol wurde verboten, und regelmäßige Kontrollgänge von Polizei, privatem Sicherheitsdienst und Mitarbeitern des städtischen Ordnungsamtes sorgen für die Durchsetzung der Vorschriften.

Konz. Die von Stadt- und Verbandsgemeinderat schon seit langem beschlossene Videoüberwachung von Saar-Mosel-Platz, dem Bahnhof Konz-Mitte und rund um das Rathaus wird nicht realisiert. Der Grund: Rückgang der Kriminalität und ein Einspruch des Landesdatenschutzbeauftragten.

Sachbeschädigungen und Einbruchversuche am Rathaus waren der Grund dafür, dass sich der Verbandsgemeinderat im August 2008 für eine Videoüberwachung des Geländes rund um die Stadtverwaltung aussprach.

Im September 2008 zog der Stadtrat nach und beschloss, auch den Saar-Mosel-Platz und den Bahnhofsvorplatz in Konz-"Mitte" elektronisch zu kontrollieren. Doch jetzt hat die Verwaltung die Installation von bis zu 16 Videokameras erst einmal abgeblasen und kann so rund 25 000 Euro sparen. Stadt- und VG-Bürgermeister Karl-Heinz Frieden: "Zum einen ist durch den Rückgang der Kriminalität die Notwendigkeit entfallen, die Plätze per Video zu überwachen, andererseits hat der Landesdatenschutzbeauftragte eben wegen der relativ geringen Zahl von Straftaten verfügt, dass die öffentlichen Flächen nicht ständig mit Videokameras beobachtet werden dürfen." Eine Ortsbesichtigung bestätigt die Auskunft des Bürgermeisters: Es liegt kein Müll herum, die Graffiti sind fast vollständig verschwunden, und in der Öffentlichkeit Alkohol trinkende Personen sind ebenfalls nirgends zu entdecken.

"Das Konzept, zum einen ein Alkoholverbot auf dem Saar-Mosel-Platz zu verfügen, zum anderen aber auch die Überwachung durch die Polizei, das Ordnungsamt und einen privaten Sicherheitsdienst zu verstärken, geht offensichtlich auf", sagt Achim Lutz, Pressesprecher bei der Stadtverwaltung. "Erfreulicherweise können wir feststellen, dass der Vandalismus insgesamt zurückgegangen ist und nicht an andere Orte verlagert wurde", ergänzt Bürgermeister Frieden.

Der Einspruch des Landesdatenschutzbeauftragten kam daher für die Verwaltung nicht überraschend. Doris Klassen, Leiterin der Abteilung Organisation, damit zuständig für verwaltungstechnische Abwicklung der Ratsbeschlüsse: "Auch die Statistik der Polizeiinspektion Saarburg macht deutlich, dass die genannten Plätze keinen "Kriminalitätsschwerpunkt" bilden."

Damit der augenblickliche Erfolg in der Kriminalitätsbekämpfung dauerhaft bleibt, verspricht die Stadt den Anliegern auch weiterhin ein engmaschiges Kontrollnetz. Pressesprecher Lutz: "Der Dreiklang aus Polizeistreifen, einem privaten Sicherheitsdienst und den Beamten des Konzer Ordnungsamtes bleibt bestehen."

Meinung

Kameras sind nicht nötig

Friedlich geht es auf dem Saar-Mosel-Platz in Konz-"Mitte" zu - keine Alkoholexzesse von randalierenden Jugendlichen und keine Graffiti-Schmierereien. Die Überwachung des "Angstraumes" ist zu den Akten gelegt. Keine der vom Verbandsgemeinderat angedachten 16 Videokameras wird installiert. Die Stadt Konz darf ob der abgewendeten Überwachungs-Utopie eines George Orwell erleichtert aufatmen. Es geht nämlich auch anders: Streifengänge der Trias aus Polizei, Sicherheitsdienst und Ordnungsamt haben das Problem bei der Wurzel gepackt - ohne Kameras und dem dumpfen Gefühl, ständig auf Schritt und Tritt verfolgt zu werden. Aber: Konz-"Mitte" muss auch weiterhin mittels Streifengängen so friedlich gehalten werden. Ansonsten sind die wachsamen Video-Augen schnell wieder im Gespräch. Es geht auch ohne den "Großen Bruder", der alles sieht und nichts verzeiht. d.zapp@volksfreund.de

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