Ohne WC im Zug nach Bonn: Bahn entschuldigt sich

Ohne WC im Zug nach Bonn: Bahn entschuldigt sich

Service und Deutsche Bahn - das sind zwei Begriffe die für Viele nicht zusammenpassen. Der Konzer Gerd Leibenguth hat sich wegen einer defekten Toilette auf der Fahrt vom Trier nach Bonn mit einem polemischen Brief direkt an Bahnchef Rüdiger Grube gewandt - und auch eine Antwort erhalten.

Gerd Leibenguth aus Konz hat Humor - und nach einer Fahrt von Trier nach Bonn beweist er diesen. Hintergrund ist, dass der 76-Jährige gerne zwischen Trier und Koblenz die Zugtoilette benutzt hätte. Möglich war das nicht, denn das stille Örtchen war defekt. Kleingeld für die Toilette am Trie rer Hauptbahnhof hatte der Konzer nicht dabei. Deshalb hieß es: Geduld beweisen!
Mit defekten oder verstopften Zugtoiletten werden täglich Hunderte, wenn nicht gar Tausende Kunden der Deutschen Bahn konfrontiert. Doch Leibenguth hat sich anders als die meisten mit einem Brief an Bahnchef Rüdiger Grube gewandt. Das Schreiben leitet er nicht mit der Beschreibung des Sachverhalts ein. Leibenguth beschreibt in spitzem Stil seine Lektüre der Bahnzeitschrift Mobil. Er erläutert ironisch, wie sehr die Bahn darin zeige, dass sie sich um das Wohl der Menschen sorge. Sie denke Arbeitswelten neu und bringe Stadtmenschen zum Entschleunigen in eine Südtiroler Selbstversorgerhütte, und das, obwohl sie ja eigentlich beschleunigen sollte, um pünktlich anzukommen. Grube selbst begeistere sich für die heilsame Wirkung des Humors.
Erst dann kommt Leibenguth zu dem Problem mit der defekten Toilette: "Arbeitet die Bahn mittels einer unausgesprochenen Agenda am Bild eines ganz neuen Menschen … vielleicht sogar eines Menschen, der sich aller Bedürfnisse entledigt hat?" Er setzt hinzu: "Welche Toilettenalternativen empfehlen Sie im gegebenen Fall Ihrerseits Kindern und älteren Fahrgästen, die noch ihre alten Bedürfnisse herumschleppen? Windeln?"
Leibenguth hat auch eine Antwort bekommen - allerdings nicht von Konzernchef Grube selbst. Die beiden Mitarbeiterinnen des zentralen Kundendialogs gehen in ihrem Schreiben nicht auf die Polemik ein. Sie entschuldigen sich für die verzögerte Reaktion - ihr Schreiben wurde 16 Tage nach dem Brief von Leibenguth abgeschickt.
"Ihre Verärgerung über die nicht benutzbare Toilette während ihrer Fahrt können wir sehr gut nachvollziehen und bitten Sie in aller Form um Entschuldigung", schreiben sie. Die Störungen an den Zugtoiletten lägen größtenteils an Fremdkörpern, die in WC-Becken geworfen würden.
Im Extremfall steige in einem der nächsten Bahnhöfe Reinigungspersonal zu. "Mitunter müssen unsaubere oder defekte Zugtoiletten länger als gewünscht im Zugverband verbleiben und werden dann geschlossen", schreiben die Bahnmitarbeiterinnen. Dem Schreiben an Leibenguth lag ein 20-Euro-Gutschein der Deutschen Bahn bei.
"Die vorgetragenen Argumente überzeugen mich nicht", meint der Konzer. Insbesondere die Aussage, das der Schaffner angehalten sei bei einer defekten Toilette im nächsten Bahnhof anzurufen, damit das WC gereinigt werden kann, hält er für eine "Wunschvorstellung" des Großkonzerns. Leibenguth: "Wo wird wohl zwischen Trier und Koblenz solches Personal vorgehalten? Das Problem bleibt ungelöst."
Liebe Leser, haben Sie ähnliche Erfahrungen wie Gerd Leibenguth mit Zugtoiletten gesammelt, oder sind Sie zufrieden mit dem Service der Deutschen Bahn? Bitte mailen Sie kurz an: echo@volksfreund.de , Namen und Anschrift nicht vergessen.Extra

Bei der Bahn hat der Trierische Volksfreund angefragt, an welchen Bahnhöfen in Rheinland-Pfalz die Deutsche Bahn Reinigungskräfte vorhält, die in Notsituationen in die Züge kommen und Toiletten reinigen. Und: ob es auch Reinigungskräfte für Regionalzüge gibt? Die Antwort der Bahn: "Der Einsatz der Unterwegsreiniger auch in Zügen des Regionalverkehrs ist nicht vorgesehen", heißt es in der Antwort der Bahn. Bei der Frage nach der allgemeinen Situation verweist der Pressesprecher auf eine Pressemitteilung vom 5. August mit dem Titel "Eine saubere Sache: Deutsche Bahn". Darin geht es um drei Millionen Euro, die die Bahn jährlich in 250 sogenannte Unterwegsreiniger, darunter 50 neu eingestellte Mitarbeiter, investiert habe. "Insbesondere auf den besonders stark nachgefragten Verbindungen werden die mit neuem Outfit ausgestatteten Mitarbeiter die Toiletten doppelt so häufig reinigen. Mehr als acht Millionen Euro gibt die DB künftig für die Sauberkeit der Toiletten im Fernverkehr pro Jahr aus", heißt es weiter. Da aber in Richtung Trier und auch in Konz keine ICEs verkehren, spielt das für die Region keine Rolle. cmk

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