"Operationen zähle ich nicht mehr"

"Operationen zähle ich nicht mehr"

MEHRING. "Wir helfen hauptsächlich zwischenmenschlich", sagt Michaela Ensch, Mutter der brandverletzten Larissa. In einer Selbsthilfegruppe lernten sie vor Monaten Kevin und seine Mutter aus dem pfälzischen Herxheim kennen (der TV berichtete). Seitdem sucht die Mehringer Familie Unterstützung für Kevin, dessen Haut zu 60 Prozent verbrannt ist.

Die Operationen, die Kevin nach einem schweren Unfall vor einem Jahr durchleiden musste, zählt Kevins Mutter, Manuela Damiani, schon nicht mehr. Mehr als 40 sind es wohl. Narkosen habe Kevin, der mittlerweile eine Nadel-Phobie hat, um die 50 erhalten - "Die Verbandswechsel müssen in Narkose gemacht werden, weil sie eine Tortur sind, sehr schmerzhaft", erzählt sie. Wieder einmal ist Manuela Damiani mit ihrem 13-Jährigen Sohn zu Gast an der Mosel. Etwa alle zwei Wochen besuchen sie die heute zehnjährige Larissa Ensch und ihre Mutter in Mehring, im Wechsel geht es in die Pfalz. Zwischen den Vieren hatte es in einer Selbsthilfegruppe bei Nürnberg auf Anhieb gefunkt - besonders zwischen Kevin und Larissa. Larissa hatte sich vor drei Jahren schwere Brandverletzungen zugezogen, als sich bei einem Missgeschick heiße Brühe aus einem Wok über das Kind ergoss. Das fortan behandlungsbedürftige, sehr unruhige Mädchen wurde durch die Bekanntschaft mit Kevin deutlich ruhiger, berichtet ihre Mutter. "Sie hat gesehen, dass es einen gibt, dem es noch viel schlechter geht." Daraus resultierte Dankbarkeit. "Für Kevin müssen wir etwas machen", entschloss sich die sechsköpfige Familie Ensch spontan und organisierte einen Spendenaufruf. Denn die täglichen 140-Kilometer-Fahrten von Manuela Damiani, die nötig sind, wenn Kevin wieder operiert wird, verschlingen viel Spritgeld - mehr als das, was die Alleinerziehende aufbringen kann. "Sie hilft mir beim Essen, fährt mich im Rollstuhl oder spricht mir gut zu", beschreibt Kevin die Hilfe seiner Mutter, wenn er - wie diese Woche - wieder mal im Krankenhaus eine Operation über sich ergehen lassen muss. Spendendosen und 4000 Flugblätter mit einem Spendenaufruf verteilte die Familie Ensch. Und traf nicht immer auf Verständnis. In manchen Schulen habe man ihr nicht erlaubt, die Flugzettel auszugeben oder aufzuhängen. "Als wir an der Bushaltestelle die Zettel verteilen wollten, haben sich die Kinder nicht getraut, sie anzunehmen", berichtet Larissa. Wieviel Spenden auf das DRK-Konto bislang eingegangen sind, wissen die Familien noch nicht. "Ich werde alles sparen", sagt Damiani, die eine Umschulung wegen der Pflege des Sohnes abbrach und arbeitslos ist. "Wir brauchen uns doch nichts vorzumachen. Kevin wird in vielen Branchen später nicht arbeiten können." Und Michaela Ensch hofft, dass mit dem Geld später Schönheitsoperationen bezahlt werden können. Denn die sind erst im Erwachsenenalter möglich. Teure Salben, die monatlich Hunderte von Euro kosten und den schlimmen Juckreiz verhindern sollen, würden nicht von der Krankenkasse bezahlt, sagt Damiani. Man habe schon an einen Umzug nach Mehring gedacht, um an eine in Trier erhältliche, besonders wirksame Kompressionswäsche zu gelangen - das sei aus finanziellen Gründen aber nicht realisierbar gewesen. Trotz seines sichtbaren Leidens macht Kevin, der altersgemäß im siebten Schuljahr ist, einen lebhaften Eindruck. Was vielleicht mit Larissa zusammenhängt. Sie habe ihr schon mal nachts das Handy abnehmen müssen, sagt Michaela Ensch schmunzelnd. Mit SMS und Anrufen muntern sich die Kinder rund um die Uhr gegenseitig auf. Und mit einem großen Herz. Das liegt mit je einer Hälfte bei Kevin und Larissa zu Hause - und erinnert mit einem automatisch dudelnden Lied Tag und Nacht zur gleichen Zeit an den jeweils anderen. Spenden können auf das DRK-Spendenkonto, Nummer 500 002 30, Raiffeisenbank Herxheim, BLZ 548 623 90, Stichwort: Kevin D, überwiesen werden.