Oppositions-Pokal? Nein!

WITTLICH. 25 Kandidaten gibt es aktuell, die prinzipiell für die Grünen in den Landtag wollen. In Wittlich-Wengerohr stellten sich 16 auf einer der vier Regionalkonferenzen der Basis vor, bevor über die Landesliste auf dem Landesparteitag im Juni in Mainz entschieden wird.

Mit sechs Abgeordneten sind die Grünen im Landtag. Fraktionssprecherin Ise Thomas gilt unangefochten als Spitzenkandidatin. In Wengerohr sagte sie zu ihrer unstrittigen Position: "Ich werde in Rheinland-Pfalz von ökologischen bis Haushalts-Themen als kompetente Vertreterin der Grünen wahr genommen und glaube, dass es eine neue Einigkeit bei den Grünen gibt. Man hat erkannt, dass die Chancen in der Politikvermittlung steigen, wenn wir sie mit bekannten Personen verbinden."Urgrüne "Strahlungsthemen"

Und Einigkeit soll die Grünen im Land stärker machen. Denn den "Oppositions-Pokal", wie Manfred Seibel sagte, will man nicht. So betonte nicht nur Ise Thomas vor der Basis: "Wir wollen die FDP als Koalitionspartner verdrängen." Man wolle 2006 für einen "wirklichen politischen Frühling" sorgen. Zuvor hatte die Sprecherin des Kreisverbands, Jutta Blatzheim-Roegler, ermuntert: "Wir werfen heute mit unseren Konzepten die Strahlen voraus." Um urgrüne "Strahlungsthemen" ging es auch in den 15 kurzen Reden, etwa der des Abgeordneten Bernhard Brauns mit Hinweis auf das abgeschaltete Atomkraftwerk Obrigheim. Für die Zukunft, ob Jungwähler, ob "Grüne Jugend", die ihre Mitglieder im Land übrigens auf 300 verdoppeln konnte, sind allerdings laut Pressesprecher Marc Wensierski heute weniger "Anti-Atom, Frieden, Abrüstung" die Themen, sondern eher Ökologie und "Flagge zeigen gegen rechts". Das gilt nicht nur für den Nachwuchs. Viele Redner, auch der Trierer Abgeordnete Reiner Marz forderten das. Er will zudem die Basis-Demokratie stärken und für eine "Reform der Gemeindefinanzen, die den Namen verdient" arbeiten. Wie einige andere sagte auch Manfred Seibel, dass es "momentan nicht einfach ist, als Grüne Flagge zu zeigen". Aber im Land stehe man gut da; jetzt gelte es, andere Mehrheiten im Landesparlament zu verankern. Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Bildung - von anderen Parteien auch "als Mogelpackung" aufgegriffen - gilt laut Tabea Rößner vielen als zentrale Aufgabe. Kritik gab es besonders am Festhalten der FDP am dreizügigen Schulsystem.Angriffe auf die "Spaßökonomen

" Abgeordnete Elke Kiltz, die ihre Arbeit zu den Themen Verkehr, Agrar und Verbraucher weiterführen will, empfahl, auf grüne Alleinstellungsmerkmale wie Öko-Anbau und gesunde Ernährung zu setzen. Zur "B 50neu/Hochmoselübergang" sagte sie: "Wir haben einen neuen Angriffspunkt, die geologische Situation an der Ürziger Höhe." Neben Naturschutz, grüner Energiepolitik und auch dem Nein zu Studiengebühren gab es im Nachhall auf die "Heuschrecken-Thematik" Kapitalismuskritik, Angriffe auf die "Spaßökonomen" (Michael Stüber) und Bekenntnisse für die sozial Schwächsten. Diszipliniert und sachlich wurde die Konferenz vor der Zeit abgeschlossen. Sitzungsleiter Michael Wagner zeigte sich darüber jedenfalls sichtlich erstaunt. Kreismitgliederversammlung der Grünen ist am Dienstag, 17. Mai, 20 Uhr, Gasthaus Servatius, Wengerohr mit Delegierten-Wahl.