Orgel im Ohr, Bilder im Kopf

Das vielleicht berühmteste musikalische Märchen, Peter und der Wolf des russischen Komponisten Sergej Prokofjew, ist Lernstoff in der Grundschule. In der Hermeskeiler Pfarrkirche St. Martinus erlebten rund 600 Schüler die Oberlinger-Orgel mit diesem Werk in den Klangfarben eines Orchesters.

Die Geschichte Peter und der Wolf von Sergej Prokofjew (1891- 1953), in der die Protagonisten von verschiedenen Instrumenten dargestellt werden, funktioniert auch mit einer großen Kirchenorgel. Rund 600 Schüler aus Grundschulen und fünften Klassen im Dekanat Hermeskeil haben das berühmte Werk auf der Oberlinger-Orgel auf Einladung des Fördervereins für Kirchenmusik in St. Martinus gehört. Dekanatskantor Raphael Klar war Sprecher, Konzertorganist Hans-Peter Kortmann aus Krefeld sorgte mit vielen Registern für die Klangfarben, die sonst von einzelnen Instrumenten eines Orchesters dargestellt werden.

Zweispaltige Meinungen

Normalerweise ist der Vogel die Querflöte, die Ente die Oboe, die Katze die Klarinette, der Wolf die Hörner. "Die Oberlinger-Orgel hat mit ihren 34 Registern gute Möglichkeiten, diesem Klangbild nahezukommen", erklärt Klar. Organist Kortmann erstellte dafür eine wirkungsvolle Bearbeitung. Das berühmte Werk wurde zuvor im Musikunterricht der Schulen behandelt, denn es steht auf dem Lehrplan. "Das Live-Erlebnis ist der bessere kulturpädagogische Aspekt", findet Klar. Die Orgel in der großen Kirche zu hören sei jeder Aufzeichnung vorzuziehen.

"Für die fünften Klassen ist das bereits ein bisschen spät", erklärt Wolfgang Anlauff, Lehrer an der Grundschule Hermeskeil. Doch der Musikunterricht werde hier gut ergänzt. "Ich hatte eigentlich gedacht, wir bekämen hier richtige Figuren zu sehen, die sich bewegen", reagiert Sara (11) ein wenig enttäuscht. Dem gleichaltrigen Mike gefiel das Konzert jedoch gut: "Ich konnte mir die Tiere gut vorstellen."
Die Schüler waren während des Stückes etwas unruhig. Klar musste dazu aufrufen, ruhiger zu werden. "Mit einem Video hätte das bestimmt besser funktioniert. Das haben wir aber absichtlich nicht gemacht, denn es geht um die Bilder, die im Kopf entstehen sollen", sagt Kirchenmusiker Klar.

Extra

Wie berühmt das orchestrierte Märchen Peter und der Wolf nach der Uraufführung am 2. Mai 1936 wurde, zeigen die Bearbeitungen wie die Verfilmung von Walt Disney (1946), eine Jazzversion mit Oliver Nelson für Big Band und Hammond-Orgel (1966), die Rockversion unter anderen mit Manfred Mann und Phil Collins (1975), der Oscar-gekrönte Kurzfilm von Suzie Templeton (2006) sowie Versionen von Loriot (1985), Sting (1991) und in Kurpfälzer Mundart von Arnim Töpel (2010). doth/ Quelle: wikipedia

Mehr von Volksfreund