Ortsbürgermeister der Verbandsgemeinden Konz und Saarburg-Kell haben sich über die Situation in den Gemeindewäldern informiert.

Natur : Notfall Wald: Förster setzen auf Vielfalt

Ortsbürgermeister der Verbandsgemeinden Konz und Saarburg-Kell haben sich über die Situation in den Gemeindewäldern informiert. Im Raum Kell-Zerf sterben ganze Fichtenwälder. Aber es gibt auch Hoffnung.

Starke Belastung durch Borkenkäfer, die schwierige Aufarbeitung, der am Boden liegende Holzmarkt und die gestiegenen Ansprüche der Gesellschaft an den Wald als Erholungs-, Gesundheits- und Bildungsraum: Das Forstamt Saarburg hat alle Ortsbürgermeister der Verbandsgemeinden Konz und Saarburg-Kell auf einem knapp einen Kilometer langen Waldparcours rund um das Walderlebniszentrum Trassem über die Zusammenhänge des Klimawandels und die daraus entstandene Notlage der heimischen Wälder informiert. Trotz großer Sorge waren bereits erste Schritte auf dem Weg zu einem klimastabilen Wald der Zukunft vorzuweisen.

An fünf Waldstationen erklärten der Serriger Revierleiter Stefan Riss und Natascha Spang (Försterin in der Ausbildung) den Bürgermeistern die Probleme des Waldes. Nicht alle Gemeindewälder seien gleich betroffen. Nach den Stürmen der vergangenen Jahrzehnte habe die große Dürre des Jahres 2018 und das anhaltend trockene Jahr 2019 die Wälder unter enormen Trockenstress gesetzt. In der Konsequenz treten Borkenkäfer als Schadinsekten in einem noch nicht erreichten Ausmaß auf. Pilze bringen sogar ganze Eschenwälder zum Absterben. Für die Forstleute steht fest: „Dem Wald geht es so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr.“

Besonders stark betroffen seien die Gemeindewälder im Raum Zerf-Kell, da dort ganze Fichtenwälder absterben und größere Kahlflächen entstehen. Dort, wo die kühlenden Baumwipfel fehlten, spürten das natürlich auch die Waldbesucher. Ganz ungewohnt scheine ihnen an immer mehr Stellen im Wald die Sonne auf den Kopf.

Wie können die Forstbetriebe reagieren? Forstamtsleiter Helmut Lieser weiß um die große Not der Kommunalwaldbesitzer. Enorme Schadholzmengen werden zu niedrigsten Preisen an überfüllten Holzmärkten angedient. Oft bleibt nur der Export der Hölzer. Für ihn steht fest, dass es gerade in Katastrophenzeiten ein klares Bekenntnis der Forstbetriebe zur Nachhaltigkeit geben muss. „Es braucht jetzt gut ausgebildete Forstleute und Forstwirte, aber auch Forstunternehmen, die diese Mammutaufgabe bewältigen.“

In der Umsetzung müssten klare waldbauliche Konzepte eine Richtschnur für den Aufbau klimastabiler Wälder sein. An die Jäger gerichtet fordert der Förster angepasste Wildbestände. Nur diese ermöglichten ein Nachwachsen der natürlichen Verjüngung, aber auch der zu pflanzenden Wälder auf den täglich größer werdenden Kahlflächen.

„Klimastabiler und artenreicher Mischwald ist angewandter Naturschutz“, sagt Lieser. Eine Voraussetzung für stabile, zukunftsfähige Wälder sei der Erhalt beziehungsweise der Ausbau der Biodiversität. Nur durch Artenvielfalt könne der Ausfall einzelner Arten kompensiert werden. Mit den wachsenden Ansprüchen müssten sich alle Beteiligten kompromisslos auseinandersetzen.

Was Forstleute und Waldbesitzer bisher getan haben „Wir haben bereits ab Ende der achtziger Jahre, also vor mehr als 30 Jahren, damit begonnen, den Wald schrittweise umzubauen und stabiler zu machen“, erläutert Helmut Lieser. „Ziel der Forstleute war und ist ein strukturreicher, stabiler Mischwald.“

Heute gebe es im Forstamt Saarburg bereits 60 Prozent Laubholz und 40 Prozent Nadelholz und dabei beachtliche 85 Prozent Mischwald. „Wir tun alles in unserer Macht Stehende, um den Wald bestmöglich zu stärken“, sagt Lieser. Mischbaumarten wie Weißtanne in Laubwäldern und Buchen in reinen Nadelwäldern würden gezielt eingebracht und gefördert. Sie kämen mit Hitze und Trockenheit besser zurecht als die Fichte.

Gepflanzt wird dort, wo ein Baumartenwechsel zum Beispiel hin zu mehr Laubbaumarten ohne Unterstützung viele Jahrzehnte benötigen würde. Ansonsten werde auf die natürliche Verjüngung der Wälder vertraut.

Außerdem setzten Forstleute auf Vielfalt. „Je größer die Zahl der Baumarten, desto geringer ist das Risiko“, erklärt Lieser. Wegen der langen Lebensdauer von Waldbäumen sei der Waldumbau aber eine Jahrhundertaufgabe.

Sie erfordere noch sehr viel Zeit, Ausdauer und Investitionen. „Gerade wegen dieser notwendigen Investitionen ist der derzeitige Preisverfall beim Schadholz besonders bitter. So halbiert sich der landesweite Durchschnittspreis bei der Fichte.“

Lösungen können laut den Forstleuten nur gemeinsam gefunden werden. Für die waldbesitzenden Gemeinden bekannten sich Bürgermeister Jürgen Dixius (Verbandsgemeinde Saarburg-Kell) und der erste Beigeordnete Guido Wacht (Verbandsgemeinde Konz) zur Verantwortung für die Zukunft der Wälder. Eine qualitativ hochwertige Waldbewirtschaftung könne nur im Schulterschluss mit den Mitarbeitern des Forstamtes Saarburg gelingen. Sie seien objektive Dritte und somit neutrale Vermögensverwalter des gesellschaftlich sehr nachgefragten Gutes „Öffentlicher Wald“. Die positiven Ansätze zur Gestaltung von Mischwäldern nach Katastrophen machten Hoffnung.

Allerdings müssten die politischen Rahmenbedingungen zur Förderung der kommunalen Waldbesitzer in der Klimakrise deutlich verbessert werden.

Mehr von Volksfreund