Ortsgemeinderat Greimerath einigt sich auf Pläne für Dorfplatz

Dorfentwicklung : Mit neuem Dorfplatz geht’s voran

Der Gemeinderat Greimerath hat Vorschlägen einer Arbeitsgruppe zugestimmt, die sich mit der Umgestaltung des Dorfplatzes befasst hat. Im Kern ging es um eine geplante Bühne und eine Toilettenanlage. Eine Fraktion äußerte Kritik.

Die Pläne für einen neu gestalteten Dorfplatz beschäftigen die Ratsmitglieder in Greimerath schon seit geraumer Zeit. Der beauftragte Architekt hat seine Vorstellungen zuletzt im Dezember Rat präsentiert. Danach bildete sich eine Arbeitsgruppe mit Vertretern von FWG, SPD und CDU, um an Details zu tüfteln, mit denen der Rat noch nicht zufrieden war. Das Ergebnis stellten Sebastian Ottrembka und Hubert Backes (beide FWG) in der jüngsten Ratssitzung vor. Sie haben sich überlegt, wie eine geplante Bühne und eine behindertengerechte Toilettenanlage auf dem neuen Mehrgenerationenplatz aussehen könnten. „Aus ersten Ideen ist ein fast fertiger Entwurf geworden“, sagte Ottrembka bei der umfangreichen Präsentation. Geplant ist eine über Stufen oder eine rollstuhlgerechte Rampe erreichbare Bühne. Diese ist über ein darüberschwebendes Dach, das von mehreren schmalen Stelen getragen wird, mit einem Toilettengebäude verbunden. Darin untergebracht ist ein Raum, der als Dorf-Kiosk genutzt werden kann. „Damit haben wir mehrere Dinge unter einem Dach kombiniert“, resümierte Hubert Backes.

Bühne, Toiletten und Kiosk sind Teil des Mehrgenerationenbereichs, der an eine größere Fläche mit Spiel- und Sportgeräten anschließt (siehe Grafik). Dort sind eine Tischtennisplatte, ein Kunststoffband zum Balancieren (englisch: Slackline), Reckstangen und eine Boule-Anlage geplant. Zehn Parkplätze werden in Richtung Hauptstraße eingerichtet. Die Umgestaltung des Dorfplatzes soll das erste große Projekt im Rahmen eines Förderprogramms für „Ländliche Zentren“ sein, in das Greimerath 2014 aufgenommen wurde. Aus diesem Topf winken acht Jahre lang Zuschüsse, auch für private Sanierungsprojekte.

2016 hatte die Gemeinde einen Architektenwettbewerb für den Dorfplatz ausgerufen und die Sieger vom Freiburger Büro Faktorgrün mit der Planung beauftragt. Die neuen Ideen der Ratsmitglieder seien mit dem Planer abgestimmt, sagte Ottrembka. Der Gemeinde brächten sie auch finanzielle Vorteile. Denn aus dem Honorar des Architekten werde der Betrag für die Planung der Bühne herausgerechnet. Zudem sei eine Förderung der behindertengerechten WC-Anlage über das EU-Programm Leader möglich. Und zufällig habe die Arbeitsgruppe entdeckt, dass für barrierefreie Bushaltestellen ein „Extra-Fördertopf“ beim Land existiere. Die Baukosten für Bühne und WC-Gebäude liegen laut Ottrembka voraussichtlich bei etwa 190 000 Euro. Nach Abzug aller Zuschüsse  schätzt er den Gemeindeanteil auf 32 000 bis 35 000 Euro.

Der Rat segnete die Vorschläge  einstimmig ab. Aus den Reihen der CDU kam jedoch auch Kritik. Die Fraktion halte nach wie vor nichts von der Toilettenanlage, sagte Simone Martini. Man gehe aber davon aus, dass diese ohnehin nicht genehmigt werde. Herbert Martini verwies darauf, dass mögliche Folgekosten nicht geklärt seien. In vielen Städten würden öffentliche Toiletten geschlossen, weil deren Unterhaltung und Reinigung Probleme bereite. „Bei den Gesamtkosten für den Platz landen wir wohl bei rund einer Millionen Euro“, sagte er. Das müsse man dem Steuerzahler gegenüber rechtfertigen können.

Ottrembka verteidigte die geplante Anlage. Er sehe darin eine Möglichkeit, den Tourismus im Ort „weiter zu stärken“. Es gebe inzwischen sogar Handyprogramme, über die sich Wanderer die nächst gelegene Toilette anzeigen lassen könnten. Um die Anlage sauber zu halten, könne man zum Beispiel die Benutzer dafür zahlen lassen. Denkbar sei eine Schranke am Eingang, die sich erst öffnet, wenn man 50 Cent einwirft. Laut Ortsbürgermeister Edmund Schmitt (FWG) gibt es Überlegungen, dass Vereine sich abwechselnd um die Reinigung kümmern könnten. „Wir wollen nicht noch mehr Verzug, wir müssen das Projekt endlich voranbringen“, appellierte Ottrembka an den Rat und spielte damit auch auf ein Gerichtsverfahren an, durch das die Planung fast ein Jahr lang auf Eis gelegen hatte. Ein Bürger hatte gegen die Sanierungssatzung geklagt, die eine Grundlage des Förderprogramms ist. Raimund Marmann (FWG) gratulierte seinen Fraktionskollegen zu deren Einsatz. „Sie haben dafür gesorgt, dass wir jetzt Dinge gefördert bekommen, die vorher in der Schwebe waren.“ Das Ergebnis sei „ein Plan fürs Dorf, der auch realisierbar ist“, lobte Rainer Staadt (SPD). Ortschef Schmitt erklärte, die Gruppe insgesamt habe „gute Arbeit geleistet“. Der Rat gab – bei zwei Enthaltungen – grünes Licht für die Einreichung der Förderanträge. Dies soll bis Ende Juni geschehen, damit die Ausschreibungen für September vorbereitet werden können. Baubeginn könnte dann im Frühjahr 2020 sein.

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