Kommunalpolitik : Ein Wirtshaus geht, ein Wohnkomplex kommt

Der Brunnenhof ist Geschichte: Ortsgemeinderat Irsch diskutiert Neu- und Umbau eines Mehrfamilienhauses mit 30 Eigentumswohnungen.

Architekt Taner Alkan aus Trier stellt in der Sitzung des Ortsgemeinderates Irsch eins gleich klar: „Die Bilder, die Sie hier sehen, beruhen auf dem Bauantrag. Da ist keine Bildbearbeitung beteiligt.“

Alkan wurde von einer Investorengemeinschaft aus Ayl beauftragt, an der Stelle des Brunnenhofes, dem Dorf ein neues Gesicht im Ortskern zu verleihen. Ein Haus mit 30 Eigentumswohnungen soll entstehen. Von dem alten Gebäude bleibt nur der Saal erhalten, in den ebenfalls Wohnungen kommen.

„Dieses Gebäude hat Signalwirkung im historischen Ortskern“, findet Ortsbürgermeister Jürgen Haag. Die Gemeinde müsse die Augen öffnen für die Zukunft. Gerade für junge Menschen sei attraktives Wohnen in einem modernen Bau von hoher Bedeutung. Da wäre es doch schön, im Dorf bleiben zu können und etwas Eigenes zu haben.

„Außerdem passt da unser geplantes Mobilitätsprojekt wunderbar dazu“, rundet Haag die Zukunftsaussicht ab. Eine Arzt- oder Therapiepraxis kann sich der Architekt vorstellen. Geplant ist das aber noch nicht: „Vieles ergibt sich, wenn man schon mit dem Bauen begonnen hat.“ Eineinhalb Stellplätze für Autos sind pro Wohnung gesetzlich vorgeschrieben. Die meisten davon verschwinden in einer Garage im Erdgeschoss. Die Wohnungen werden 57 bis 108 Quadratmeter groß sein. Der Gemeinderat spricht, nachdem Fragen zu den Wohnungen und vor allem zum Parken beantwortet waren, einstimmig seine Zustimmung zur Planung aus. Jetzt gehen die Pläne zur Kreisverwaltung, die über die Genehmigung entscheidet.

Im Januar oder Februar könnte das Baurecht ausgesprochen werden. Was dann folgt, so der Architekt, sind etwa eineinhalb Jahre Bauzeit, die natürlich mit den üblichen Einschränkungen, besonders für den Autoverkehr verbunden sein werden.

Was das Bauvorhaben besonders attraktiv macht, ist die Lage im Sanierungsgebiet der Ortsgemeinde. Hier gelten besondere Abschreibungs- und Steuervorteile, wie für alle anderen Hausbesitzer auch, die ihr Eigenheim erneuern wollen.

Mit dem Abriss und der teilweisen Neunutzung des Brunnenhofes endet eine gut 200-jährige Wirtshaustradition in Irsch. Die Eigentümerin, Käthe Körber, sagt, warum es leicht fiel, sich von dem Haus zu trennen: „Es gibt heute so viele Auflagen, da hätten wir eine halbe Million Euro investieren müssen, bevor auch nur ein Glas Bier gezapft ist.“

Mit 70 habe sie sowieso als Wirtin aufhören wollen, sagt die 69-Jährige. Da habe Corona die Entscheidung bereits im Frühjahr dieses Jahres leichter gemacht. Es kamen nur noch wenige Gäste und es gab keine Feiern mehr. Ihr Vater Otto war einst eine Institution. Zum Otto zu gehen, erinnert sich Käthe, war gleichbedeutend mit im Brunnenhof einzukehren. Als sie die ersten Bilder vom geplanten Bau sah, stellte sich Zufriedenheit beim letzten Mitglied einer Wirtedynastie ein: „Das Ortsbild wird so viel schöner. Da wäre sicher auch Otto begeistert.“