Panzer Büffel rollt für Unken

Das Weideprojekt auf dem früheren französischen Truppenübungsplatz in Saarburg wird konkret. Gestern planierte ein 55 Tonnen schwerer Panzer der Bundeswehr Teile des rund 100 Hektar großen Geländes. Das Ziel der Grünflächenpflege: ein Lebensraum für die Gelbbauchunke.

Saarburg. In der Stille ist nur ein lautes Brummen zu hören. Aber weit und breit ist nicht zu sehen, wo der Lärm herkommt. Einige Hundert Meter weiter, mitten auf der nur mit Büffelgras und einigen Obstbäumen bewachsenen Fläche, stehen sieben Leute rund um einen Bergepanzer. Im Truppenjargon heißt dieses Kettenfahrzeug Büffel.
Stefan Backes gibt über ein Walkie-Talkie dem Panzerfahrer letzte Anweisungen, bevor der Motor wieder aufheult und das Kettenfahrzeug sich tief in den Lehmboden hineinfrisst. Backes ist Referent für Biotop- und Artenschutz bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (SGD-Nord). Zwischen den Anweisungen für den Fahrer erklärt er: "Damit die Gelbbauchunke hier überleben kann, muss in regelmäßigen Abständen der Boden verdichtet werden."
Außerdem brauche diese Pionierart den offenen Boden, damit die Froschlurche nicht von anderen Tieren aufgefressen werden. Aus diesem Grund habe die SGD-Nord bei der Wehrtechnischen Dienststelle 41 der Bundeswehr in Trier den Büffel angefragt.Landschaft frei von Büschen


"Als die Franzosen das Gelände noch zu Übungszwecken nutzten, waren wir schon mal mit französischen Bergefahrzeugen in dem Gelände unterwegs", berichtet Axel Schmidt, der ebenfalls für die SGD-Nord im Referat Biotop- und Artenschutz arbeitet. "Tatsächlich ist dies bereits der zweite Schritt, um das für dieses Areal geplante Beweidungsprojekt voranzubringen."
In einem ersten Schritt waren im vergangenen Winter zahlreiche Hecken abgeschnitten worden. "Wir wollen nicht, dass die Landschaft hier verbuscht, denn dann lässt sich das Biotop in der jetzigen Form nicht erhalten."
Den Einsatz eines Bergepanzers in Saarburg verteidigt Schmidt: "Mit einer Planierraupe kämen wir hier nicht weit. Die sind zu leicht und haben zu wenig Kraft." Denn das Ziel der Grünflächenpflege ist es, etwa 30 Senken zu planieren, damit die Lurche darin im Sommer laichen können.Weide für Rinder und Pferde


Das Beweidungsprojekt für den früheren Truppenübungsplatz sieht vor, dass dort künftig eine Herde von je etwa 20 Heckrindern und von sechs bis acht Konikpferden grast. Ein ähnliches Projekt gibt es bereits auf einem Teil des früheren Standortübungsplatzes in Koblenz-Schmidtenhöhe.
Seit mittlerweile vier Jahren grasen dort in der Nähe des früheren Bundesgartenschau-Geländes diese Tiere. "Das funktioniert dort prima", versichert Schmidt.
Wenn es nach Plan geht, soll das etwa 60 Hektar - das entspricht ein Größe von 140 Fußballfeldern - große Areal im Frühjahr 2014 eingezäunt werden, damit die Rinder darin ungestört leben können. Um das Gelände herum plant die SGD-Nord einen Fußweg und drei Aussichtsplattformen.
Backes ist optimistisch, dass die Verhandlungen zwischen den Naturschutzverbänden, dem Hofgut Serrig und der Stadt demnächst erfolgreich abgeschlossen werden.
"Die Fläche gehört zum nationalen Naturerbe der Bundesrepublik", erklärt Backes. Erfolgreicher Biotop- und Artenschutz setze voraus, dass man ausreichend große Flächen hat, die sich extensiv bewirtschaften lassen. "Und solche unberührten, offenen Landschaften finden wir nur noch auf Truppen- und Standortübungsplätzen." Das Beispiel Koblenz zeige, dass solche Flächen schnell von der Bevölkerung akzeptiert würden. Dort seien immer Gruppen unterwegs, die die Flora und Fauna genau untersuchen würden.
Schmidt und Backes sind sich einig, dass der ehemalige französische Truppenübungsplatz in Saarburg die gleiche Resonanz findet, wie die Schmidtenhöhe in Koblenz. So haben sie in diesem Sommer schon große Fledermausschwärme und mehr als 100 Vogelarten beobachtet.

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Herz für Kröten
Der Büffel setzt zur rechten Zeit die richtigen Signale im Kammerforst. Durch das Planieren der Senken haben die Gelbbauchunke - aber auch viele andere Amphibien - Luft und Wasser, um sich zu vermehren. Die Unke ist eine Pionierart. Sie bahnt den Weg für andere, seltene Arten, wie etwa Molche und Schwarzstörche. Klar ist auch, dass die Habitate, in denen die Frösche sich wohlfühlen, hergestellt und gepflegt werden müssen. Über Monate stehende Gewässer gibt es in der von der Landwirtschaft geprägten Landschaft nur sehr selten. Mit dem Einsatz des Bergepanzers Büffel hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord ein Herz für Kröten bewiesen. Die Behörde setzt mit dem Büffel-Einsatz zugleich ein wichtiges Signal für das Beweidungsprojekt: Das Land will das Vorhaben schnell umsetzen. Und das ist gut so. a.schumitz volksfreund.de Extra

Ihr werdet euch sicher fragen, warum ein schwerer Panzer durch das Gelände rollt, damit sich ein kleines Tier auf dem früheren Truppenübungsplatz wohlfühlt. Dazu müsst ihr Folgendes wissen: Die Gelbbauchunke ist eine Amphibie. Das Wort "Amphibie" kommt aus dem Griechischen und bedeutet, dass diese Tiere im Wasser und auf Land leben. Sie gehört zur Gattung der Unken. Das Tier ist klein und hat spitze Warzen. Seine Oberseite ist unscheinbar gefärbt, während seine Bauchseite eine leuchtend gelbe Farbe aufweist. Die Art kommt regional in Mitteleuropa vor und bevorzugt als Lebensraum lehmige Pfützen und kleine Tümpel. Die Tiere sind zwischen 35 und 66 .Millimetern groß - also nicht länger wie ein Finger. Ursprünglich war die Art ein typischer Bewohner der Bach- und Flussauen. Sie mag wasserführende kleine Gewässer auf lehmigem Grund. Die Gelbbauchunke ist eine Pionierart; das heißt sie gehört zu den ersten Tieren, die neue pflanzenfreie Lebensräume besiedeln. In der Dämmerung und nachts jagen sie Käfer und Ameisen. Gejagt werden die Gelbbauchunken auch sebst, und zwar die Eier von Großlibellenlarven, Molchen und Vögeln. Damit die Gelbbauchunke überlebt, ist es wichtig, dass die Wasserstellen auf dem Truppenübungsplatz von Pflanzen freigeräumt werden und dass der Boden verdichtet wird. Deshalb war gestern ein Panzer auf dem früheren Übungsfeld zwischen Serrig, Irsch und Saarburg unterwegs. itzExtra

Der Bergepanzer 3 der Bundeswehr hat im Heer auch den Zusatznamen "Büffel". Er wiegt knapp 55 Tonnen - das entspricht dem Gewicht von etwa 70 VW Golf I. Er hat eine Leistung von 1500 PS, ist mehr als neun Meter lang und mehr als 3,50 Meter breit. Seine Höchstgeschwindigkeit auf der Straße ist mit 68 Kilometer/Stunde angegeben. Seine Reichweite beträgt rund 400 Kilometer. Der Panzer wird militärisch zum Bergen und Abschleppen von Kettenfahrzeugen - unter anderem in Afghanistan - eingesetzt. Neben der deutschen Armee verwenden ihn auch die Heere der Niederlande und der Schweiz. itz