"Papa kann sogar Hefeteig backen"

"Papa kann sogar Hefeteig backen"

HINZERT-PÖLERT. Neue Wege durch den Familienalltag zu gehen, haben Mario und Waltraud Leiber vor drei Jahren erkämpft. Beide arbeiten Teilzeit und kümmern sich gemeinsam um Haus und Kinder.

Wer kocht denn besser, Mama oder Papa? "Beide", sagen Katharina (11) und Sebastian (14). Nesthäkchen Franziska allerdings findet, dass der Papa "ein kleines bisschen besser kochen kann. Der kann sogar Hefeteig machen". Vor drei Jahren hat der Fernmeldemechaniker bei der Bundeswehr in Trier "eine Teilzeitstelle durchgeboxt". Es sei ein harter Kampf gewesen. Gemeinsam mit einem Kollegen hat er nach einigen Diskussionen mit Vorgesetzten und dank des Gleichstellungsgesetzes seine Arbeitszeit auf 50 Prozent reduziert. Waltraud Leiber arbeitet als Krankenschwester im zehn Kilometer entfernten St. Josef Krankenhaus in Hermeskeil. Teilzeit. "Anfangs habe ich die Hausarbeit und die Kindererziehung auf die leichte Schulter genommen", sagt die Erste Beigeordnete der Gemeinde Hinzert-Pölert grinsend. Der Alltag hat sie eines Besseren belehrt. Heute sind die Eltern ein eingespieltes Team. Die Kinder profitieren, dass Mama und Papa sich Arbeit, Haus und Kinder teilen. Und wenn es mal "brennt", greifen die Großeltern, die ein paar Meter entfernt von dem schmucken Eigenheim der Leibers wohnen, unter die Arme. An den "arbeitsfreien" Tagen, wenn Franziska die Schulbank in der Grundschule Beuren drückt, Sebastian und Katharina in der Realschule Hermeskeil büffeln, stiehlt sich der Familienvater etwas Zeit, um sich um das zweite Standbein, die Antikstube, zu kümmern. Manches alte Möbelstück hat er schon von Spinnweben befreit und zu einem wahren Schmuckstück restauriert. Neben den privaten Altertümchen liegt dem gebürtigen Trierer, der seit seinem fünften Lebensjahr in Eschborn bei Frankfurt lebte, auch die Kapelle St. Johannes am Herzen. Er ist Erster Vorsitzender des Fördervereins, der 7500 Euro für die Restaurierung erwirtschaftete. "Wir haben ein Kartoffelfest, einen Weihnachts- und Osterbasar und Haussammlungen organisiert", sagt der 41-Jährige, den die Liebe nach Hinzert führte. Gemeinsame Feste und Verlass auf die Mitbürger, "wenn man jemanden braucht, sind alle da", faszinieren die Leibers an dem Dorfleben im Hochwald. Einziges überwindbares Handicap: "Ich muss immer fahren. Zum Einkaufen oder wenn Sebastian zum Fußball ins vier Kilometer entfernte Beuren muss", sagt die 39-jährige Waltraud Leiber.