Parallelen in der Gegenwart

GRIMBURG. (urs) Unter großer Beteiligung der Bevölkerung hat der Förderverein Burg Grimburg das "Burg- und Hexenmuseum" seiner Bestimmung übergeben.

Sandsteinfragmente, Tonscherben und Dokumente - keine Spur von Okkultismus oder düsteren Bildern der Hexenverfolgung. Dieses erwartet Besucher des "Burg- und Hexenmuseums Grimburg". Schließlich möchte das neue Haus kein Ort des Schreckens sein, sondern wissenschaftlich fundiert informieren. Denn das, was sich in der Zeit der Hexenverfolgung auf der früheren Verwaltungsburg ereignete, hat mit landläufigen Vorstellungen über Hexen nichts gemein.Ein Seminarraum ist in Planung

So schrecklich dies auch sei, so handele es sich nicht um "Skurriles der Vergangenheit", führte Professor Dr. Gunther Franz bei der Museums-Eröffnung vor Augen. Als Leiter der Arbeitsgemeinschaft "Hexenprozesse im Trierer Land" sieht er Parallelen bis in die heutige Zeit. Nicht nur Schauprozesse unter Stalin oder die Judenverfolgung belegten, "dass wir uns nicht erheben dürfen über diesen Aberglauben." Verfechter von Folter gebe es selbst in der Gegenwart. Dechant Clemens Grünebach mahnte ähnlich eindringlich bei der Einsegnung. "Auch heute wird Religion vorgeschoben, um Menschen Unrecht zu tun", bedauert er. Die Gemeinde danke dem "Förderverein Burg Grimburg" für ein solches Geschenk, würdigte Ortsbürgermeister Franz-Josef Weber. Der Verein übe nicht etwa "ein privates Hobby" aus, sondern fördere die gesamte Hochwaldregion. Ein besonderer Dank gelte der "wohltuenden Ästhetik in der Gestaltung" der Ausstellungsräume. Daher sei er sicher, dass dieses Haus eine Eigendynamik entwickeln werde. Zudem sicherte er dem Verein die "nachhaltige Unterstützung" der Gemeinde zu. Das bekräftigten auch Landrat Dr. Richard Groß und Verbandsbürgermeister Michael Hülpes, ebenso wie die Idee eines Seminarraumes für das Museum. Hauptanliegen dabei sei, so Fördervereinsvorsitzender Dittmar Lauer, Besucher "nicht mit der Betroffenheit alleine zu lassen". Vorerst seien die finanziellen Möglichkeiten des Vereins jedoch erschöpft. Immerhin habe man in den Ausbau des gemeindeeigenen Gebäudes 100 000 Euro investiert, wozu es einen Zuschuss von 18 000 Euro über "Leader Plus" gab. Umso mehr freut Lauer das Interesse der Öffentlichkeit. "Wir machen einige Furore", kommentierte er die vielen Interviews der jüngsten Tage. Nach Ansicht der Grimburgerin Maria Kappes hat das Museum etwas bewegt. Man komme mehr zusammen und der Seminarraum ließe sich später vielfältig nutzen. Ein Hexenmuseum im Ort zu haben, ist auch für einen 72-jährigen Grimburger kein Problem: "Schön, dass es so etwas gibt." Geöffnet ist das Museum täglich außer montags von 14 bis 17 Uhr oder nach Vereinbarung über die Tourist-Information.