Party unter dem Baggerarm

WILTINGEN. Seit ein paar Wochen wird im Zentrum von Wiltingen gebaggert, was das Zeug hält. Bis sämtliche Kanäle und Erschließungsstraßen im neuen Baugebiet fertig sind, dauert es allerdings noch ein wenig. Mit Verspätung ist nun der offizielle Startschuss gefallen.

Partystimmung herrschte an dem sonnigen Morgen auf einer Wiese mitten in der Saargemeinde. Mit strahlenden Mienen prosteten sich rund zwei Dutzend festlich gekleidete Damen und Herren zu. Im ersten Moment hätte man durchaus an eine Art Picknick oder ähnliches glauben können - aber nur fast, denn ein großer gelber Bagger dominierte das Bild. Anlass für die Versammlung war ein für die Beteiligten offenkundig freudiges Ereignis: der traditionelle "erste Spatenstich" für das neue Baugebiet. Das scheint ein wenig verwunderlich, denn bereits seit Wochen wird auf der Wiese im Zentrum von Wiltingen gebaggert, was das Zeug hält. "Wir feiern heute eher ein Richtfest", erklärte Claudius Frühauf, der gemeinsam mit Gattin Petra als Projektentwickler federführend bei der Planung und Erschließung war. Das Baugebiet im Bereich der Flurstücke Hinter den Gärten, Im Graweltswingert und Auf der Fischpühl ist ein Novum für die Gemeinde (der TV berichtete), denn sie hatte weder bei der Erschließung das Sagen, noch musste sie die Kosten tragen. Lediglich in der Planungsphase hatte sie das Hoheitsrecht und konnte beispielsweise vorschreiben, wie gebaut wird. Acht Besitzer von insgesamt elf Grundstücken hatten sich auf Anregung der Frühaufs zusammengeschlossen und einen städtebaulichen Vertrag mit der Gemeinde ausgehandelt. Darin verpflichteten sie sich, die Kosten des Bebauungsplanverfahrens sowie die der Erschließung zu übernehmen. Der Hauptvorteil des Modells lag bei den insgesamt niedrigeren Kosten für die Erschließung: Während die Gemeinde Bauleistungen ausschreiben muss, kann eine private Interessengemeinschaft Angebote aushandeln. 37,60 Euro pro Quadratmeter

"Die Erschließungskosten belaufen sich auf 37,60 Euro pro Quadratmeter und liegen damit sogar noch unter unseren Erwartungen", so Claudius Frühauf. "Hätte die Gemeinde die Erschließung übernommen, wäre das Ganze schätzungsweise 20 bis 30 Euro teurer geworden." Kein Wunder also, dass ein Großteil der Anwesenden, darunter auch einige Grundstücksbesitzer, bei der kleinen Feier in Wiltingen Festtagslaune hatte. Knapp elf Monate sind seit Fertigstellung des Bebauungsplans vergangen. Ende Februar gab der Gemeinderat nach der vorgeschriebenen Offenlage, die ergebnislos verlaufen war, sein Okay. Von den insgesamt elf Baustellen sind derzeit noch fünf verfügbar. Wie lange es noch bis zur Fertigstellung der Erschließung dauert? "In etwa drei bis vier Wochen dürfte die Teerdecke aufgebracht sein", schätzte Frühauf. Das Wiltinger Modell könnte künftig auch in anderen Gemeinden umgesetzt werden. "Gespräche mit verschiedenen Bürgermeistern laufen bereits."