Patienten und Pfleger dringend gesucht

Patienten und Pfleger dringend gesucht

500 Patienten muss das Kreiskrankenhaus St. Franziskus Saarburg in diesem Jahr zusätzlich versorgen, um wieder in die Erfolgsspur zu gelangen. Die Patientenzahlen sind erstmals seit Jahren zurückgegangen. Die Verantwortlichen sind jedoch weiter optimistisch. Nicht nur wegen des Umbaus, sondern weil es auch neue Angebote geben wird.

Saarburg. Das Kreiskrankenhaus St. Franziskus Saarburg hatte schon bessere Jahre als 2011. "Erstmals seit vielen Jahren gibt es einen Rückgang bei der Zahl der behandelten Patienten", sagte Geschäftsführer Holger Brandt beim Neujahrsempfang des Krankenhauses am Dienstagabend mit 260 Mitarbeitern und Gästen. 7778 Patienten wurden behandelt, das sind 64 weniger als im Vorjahr und entspricht einem Rückgang von 0,8 Prozent. Mehr Patienten gab es im Bereich Inneres (+ 107) und Augen (+ 67).
Schwerer wiegen dabei aus wirtschaftlicher Sicht Rückgänge in der Chirurgie (- 25) oder der Intensivstation (- 49). Durch die halbjährige Vakanz des Chefarztpostens in der Chirurgie gab es weniger teure Operationen - beispielsweise an Knie und Hüfte. Auch die Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe hatte 137 Patientinnen weniger - die Geburtshilfe musste ab November vorübergehend schließen, weil die rechtlichen Vorgaben aufgrund Personalmangels nicht mehr einzuhalten waren (der TV berichtete).
Ganz anders die Entwicklung in der Fachabteilung für Psychosomatik und in der Psychiatrischen Tagesklinik. Das Angebot ist so gefragt, dass Patienten monatelang auf einen Therapieplatz warten. Auch das Seniorenzentrum ist fast zu 100 Prozent ausgelastet, sagte Brandt.
An dem Anfang 2011 selbst gesteckten Ziel, 200 Patienten mehr zu versorgen als 2010, ist das Krankenhaus dennoch gescheitert. Brandt geht noch weiter: "Um die Kostensteigerungen 2012 zu decken, die auch im Rahmen der Tarifverhandlungen wohl auf uns zukommen werden, müssen wir in diesem Jahr 500 Patienten mehr behandeln, um zurück in die Erfolgsspur zu kommen." Personaleinsparungen seien in dem Zusammenhang aber eher kontraproduktiv.
In Sachen Personal spürte das Krankenhaus im vergangenen Jahr vor allem die Konkurrenz aus Luxemburg. 13 Fachkräfte in der Gesundheits- und Krankenpflege haben das Haus verlassen. Elf davon seien, so Pflegedirektor Harald Lehnertz, nach Luxemburg gegangen. Bei den Altenpflegern, die gingen, wanderten sogar alle sechs ins Ländchen ab. "Es ist schlimm, sagen zu müssen, dass wir da finanziell nicht mithalten können", sagte Lehnertz. "Der Fachkräftemangel zwingt uns, um Mitarbeiter ebenso zu werben wie um Patienten", betonte auch der Betriebsratsvorsitzende Gerhard Kaiser. Es müsse vermehrt Anstrengungen geben, den Abwanderungstrend zu stoppen.
In diesem Zusammenhang kritisierte Landrat Günther Schartz die Idee, Pflegeberufe nur noch mit Abitur erlernen zu dürfen: "Das ist wieder ein Standard mehr, da muss man sich nicht wundern, wenn Fachkräfte fehlen."
Das Jahr 2011 ist aber nicht nur durch nackte Zahlen zu beschreiben. "Es war das Jahr der Nomaden", fasste Lehnertz zusammen. Umzüge innerhalb des Hauses gab es reichlich - unter anderem in die neuen OP-Module, die ans Krankenhaus angebaut wurden. "Es ist fast ein Wunder, dass das alles funktioniert hat", sagte Lehnertz, der trotz geringerer Patientenzahlen optimistisch bleibt: "Manchmal muss man Durststrecken überwinden."
Ähnlich sah es auch der Ärztliche Direktor, Dr. Stefan Burg: "Unser Krankenhaus hat einen festen Stellenwert in der Region." Mit der Psychiatrischen Tagesklinik habe man darüber hinaus ein gefragtes überregionales Angebot zu bieten. Seit einigen Monaten ist zudem der neue Chefarzt der Unfallchirurgie, Dr. Thomas Poss, im Dienst.
2012 wird das Angebot weiter wachsen: eine Schwerpunktabteilung für Schmerztherapie kommt hinzu, die neben der bestehenden Schmerzambulanz auch Betten haben wird. Optimistisch blieb daher trotz allem auch der Geschäftsführer: "Ich würde hier nicht stehen, wenn ich nicht fest überzeugt wäre, dass wir unsere Ziele erreichen."Extra

Das Kreiskrankenhaus St. Franziskus Saarburg ist mit rund 530 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber der Stadt und das einzige kommunale Krankenhaus der Region. Der Träger ist der Landkreis Trier-Saarburg. Bereits 1411 wurde erstmals ein Bürgerhospital in Saarburg erwähnt, 1904 wurde das Kreiskrankenhaus eröffnet. Das Haus hat einen Einzugsbereich von 50 000 Patienten, die aus dem Raum Saarburg und Konz, aus dem vorderen Hochwald und dem nördlichen Saarland kommen. Das Krankenhaus hat eine eigene Schule für Gesundheits- und Krankenpflege und ist ein Krankenhaus der Allgemein- und Grundversorgung. Seit 2005 wird das Krankenhaus umfangreich saniert, um den Standort für die Zukunft zu rüsten. jkaExtra

Nachdem die Geburtshilfeabteilung des Kreiskrankenhauses St. Franziskus im November schließen musste, ist seit Mitte Dezember das Geburtshaus in Betrieb, das von der Saarburger Hebamme Maria Wallat geleitet wird. Laut Krankenhaus-Geschäftsführer Holger Brandt gab es seitdem sechs Geburten, weitere sechs stehen in nächster Zeit an. Während das Geburtshaus in Verantwortung der Hebamme liegt, bietet das Krankenhaus den Müttern an, nach der Geburt noch ein paar Tage im Krankenhaus zu bleiben. Brandt steht derzeit wegen der Kostenübernahme in Verhandlungen mit den Krankenkassen, erste Verträge seien schon abgeschlossen. Zwei Mütter haben die stationäre Nachsorge bereits in Anspruch genommen. jka

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