PCB-Schule: Eltern lassen nicht locker

PCB-Schule: Eltern lassen nicht locker

Zu einer Podiumsdiskussion über "PCB und seine Folgen" lädt der Elternbeirat der schadstoffbelasteten Erich-Kästner-Realschule für Dienstag, 24. November, ab 19 Uhr in die Hochwaldhalle ein. Dabei wird eine Petition an den Landtag auf die Reise geschickt.

Hermeskeil. Für Elternsprecherin Ulla Kolling steht fest: "Dem Gebäude wird jetzt geholfen. Aber auch den Menschen muss geholfen werden." Weil bekanntlich in mehreren Räumen der Realschule eine stark erhöhte Belastung mit dem verbotenen und als krebsverdächtig eingestuften Schadstoff PCB (Polychlorierte Biphenyle) festgestellt worden war, sind derzeit im Schulzentrum Hermeskeil (dazu gehören Realschule, Hauptschule und der gemeinsam genutzte Fachklassentrakt) aufwendige, sieben Millionen Euro teure Sanierungsarbeiten im Gange. "Damit sind wir ein gutes Stück vorangekommen", erkennt Kolling an.

Doch nun will der Elternbeirat den "Blickpunkt auch auf die Betroffenen lenken. Denn wir haben belastete Lehrer und Schüler, die oft jahrelang mit einem Gefahrstoff in Berührung gekommen sind", sagt sie. Deshalb organisiert die Elternschaft am Dienstag, 24. November, ab 19 Uhr eine Podiumsdiskussion über "PCB und seine Folgen".

Dabei sollen laut Kolling vor allem die medizinischen und rechtlichen Aspekte beleuchtet werden, die mit dem Schadstoffproblem verbunden sind. Es gehe unter anderem um die Information, welche Symptome für eine PCB-Vergiftung typisch sind und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt. Außerdem sollen die rechtlichen Möglichkeiten aufgezeigt werden, die Betroffenen zur Verfügung stehen.

Auf dem Podium sitzen der Koblenzer Umweltmediziner Dr. Wolfgang Stück und der Wiesbadener Toxikologe Dr. Hans-Ullrich Hill. Zu ihnen gesellen sich Manfred Etscheid, der Chef der Arbeitsgruppe "Gesundheitsschutz" bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Nordrhein-Westfalen, und Ulla Henn, die seit acht Jahren eine Selbsthilfegruppe für schadstoffgeschädigte Lehrer leitet.´

Ausdrücklich weist Kolling darauf hin, dass der Elternbeirat aus der Podiumsdiskussion "keine kontroverse Geschichte machen will und Schuldzuweisungen nicht beabsichtigt sind".

Vielmehr habe sich der Elternbeirat auf die Fahne geschrieben, den "Betroffenen zu helfen und an den Umständen etwas zu ändern".

Letzteres soll durch eine Petition - also eine Bitte von Bürgern - an den Mainzer Landtag geschehen. Darin wird eine Senkung des PCB-Grenzwerts gefordert. "Wir wollen damit eine Ungleichbehandlung beseitigen, weil der PCB-Grenzwert bei uns dreimal so hoch wie in anderen Bundesländern ist", sagt Kolling.

Zur Erklärung: In Rheinland-Pfalz liegt beispielsweise der sogenannte Interventionswert, bei dessen Überschreitung Schulräume sofort geschlossen werden müssen, bei einer PCB-Konzentration von 9000 Nanogramm pro Kubikmeter Luft. In anderen Bundesländern ist er auf 3000 Nanogramm festgesetzt.

Bei der in Rheinland-Pfalz geltenden Regelung wird die mittlere Aufenthaltsdauer in den Räumen zugrunde gelegt. Die Berechnung beruht also darauf, dass sich die Betroffenen in Schulgebäuden nicht 24 Stunden, sondern nur acht Stunden der Belastung aussetzen. CHRONOLOGIE 1995-2002: Weil beim Bau in den 1970er Jahren PCB-haltige Fugendichtungsmassen verwendet wurden, wird die Realschule erstmals für umgerechnet 460 000 Euro saniert. Dezember 2008: Es wird bekannt, dass stichprobenartige Messungen des Landes-Umweltamts erneut erhöhte PCB-Luftwerte in mehreren Räumen ergeben haben. Februar/März 2009: 100 Lehrer und 150 Schüler unterziehen sich einer freiwilligen Blutuntersuchung. April 2009: Nach Luftmessungen in allen Räumen müssen Klassenzimmer wegen Überschreitung des Interventionswerts zeitweise geschlossen werden. August 2009: Weil wegen der Sanierungsarbeiten einige Klassenräume nicht genutzt werden können, haben die Realschüler eine Woche länger Sommerferien. November 2009: Das Land bewilligt einen Zuschuss von zwei Millionen Euro für die Sanierung.