"Perler Bahnhof ein Schandfleck"

Ob der marode Bahnhof in Perl zurückgebaut oder renoviert werden soll, darüber soll in der Bauausschusssitzung am Donnerstag, 8. Dezember, diskutiert werden. Darauf verständigten sich die Gemeinderatsmitglieder in ihrer Sitzung am Montagabend.

Perl. Wie teuer kommt eine Sanierung des Perler Bahnhofs? Was ist überhaupt noch in dem maroden Gebäude zu retten? Wo lauern mögliche Gefahren für die Passagiere? Um Antworten auf diese Fragen zu erhalten, die die SPD-Fraktion in der Gemeinderatssitzung am Montagabend gestellt hatte, begleitete Perls Bürgermeister Ralf Uhlenbruch am Dienstagmittag den Architekten Ottmar Schooff auf seiner Inspektion durch das baufällige Gebäude. Für Schooff steht die Lösung fest: Da hilft nur ein Bagger.
Auch die Fraktionen des Gemeinderates waren sich in der Ratssitzung am Montag in ihrem Urteil einig: "Der Bahnhof ist eine Ruine, ein Schandfleck". Auch lassen sie keinen Zweifel daran, dass dringend Abhilfe geschaffen werden muss. Ob das Gebäude zurückgebaut oder renoviert werden soll, darüber soll in der Bauausschusssitzung am Donnerstag, 8. Dezember, diskutiert werden. Darauf verständigten sich die Ratsmitglieder in ihrer Sitzung. Angenommen wurde der Vorschlag von CDU-Fraktionschef Ernst Rudolf Ollinger, dafür einen gemeinsamen Antrag zu formulieren. Auch über einen kompletten Abriss wurde laut nachgedacht. Das Haus abreißen und die Technik der Bahn, die darin noch untergebracht ist, in Container verlagern, war ein Vorschlag von Franz Keren (FDP). "Das Eingangstor ist ein touristisches Eigentor."
Bürgermeister Ralf Uhlenbruch sollte darüber mit der Bahn verhandeln. Deren Mitarbeiter hatten dieser Tage im Rathaus angekündigt, den Haltepunkt in Perl barrierefrei auszubauen. Den miserablen Zustand des Gebäudes auf die Tagesordnung gebracht hatte die SPD-Fraktion und mit einem Fragenkatalog verbunden. "Wie ist der bauliche Zustand zu beurteilen?", wollte Frank Schmitt wissen. "Wie hat sich der Schwamm in den Wänden entwickelt, welche Teile des Mauerwerkes sind mittlerweile betroffen?"
Auch die Zukunft des Gebäudes sprach der Sozialdemokrat an. Schmitt nannte die hohen Kosten, mit denen wegen des maroden Zustandes des Gebäudes gerechnet werden muss und die einen großen Einfluss auf den Investitionshaushalt der Gemeinde haben. "Lasst uns gemeinsam diese Sache angehen und sie nicht zum Wahlkampfthema verkommen lassen", bat Ollinger und warnte davor, den Bahnhof nicht zu einer unendlichen Geschichte auszudehnen. "Es geht nicht, dass wir aus Kostengründen eine Schule schließen und Unsummen in die Renovierung eines Bahnhofes stecken." Es gibt nach seiner Aussage einen Beschluss, der heute noch gilt: Ollinger verwies auf die Entscheidung vom 29. Oktober 2012. Damals hatte er dem Rat vorgeschlagen, die Gesamtkosten auf 1,1 Millionen Euro zu begrenzen und dafür die Mehrheit der Stimmen erhalten. Wenige Wochen zuvor hatte der Rat beschlossen, die Sanierungskosten auf 1,6 Millionen Euro zu reduzieren. Die Idee von Ex-Bürgermeister Bruno Schmitt, in dem Gebäude Arztpraxen und Wohnungen zur Vermietung einzurichten, sei vom Ministerium verworfen worden. Daher sei die Ergänzung vom 29. Oktober erarbeitet worden, die aber nie im Ministerium aufgetaucht sei. "Die Zuschüsse sind statt nach Perl nach Neunkirchen und Schmelz gegangen", sagte er.
Karl-Heinz Raczek (Grüne) plädierte dafür, das Gebäude ähnlich wie in Beckingen zu sanieren und zu einem Kulturbahnhof zu machen. Einen Namen hat er ausgemacht: Perl-Schengen. Der Einwand von Bürgermeister Ralf Uhlenbruch: Das koste die Gemeinde viel Geld, "da wir nicht nur das Schild am Bahnhof, sondern auch Fahrpläne, Dienstanweisungen, Fahrkartenprogramme und anderes geändert werden müssten".
Derweil steht für Paul Schweitzer (SPD) fest: "Wir brauchen einen anständigen Eingang." Für ihn die Frage: "Wie kriegen wir das Ding so günstig wie möglich erhalten?" red

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