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Pfälzische Eiche im Perler Keller

Perl/Deidesheim. Vier Stunden hat es gedauert, bis ein neues 2500-Liter-Fass im Weinkeller von Helmut Herber aus Perl stand. Dies haben der Böttchermeister Ralf Mattern und sein Kollege Kirk Bauer aus Deidesheim ermöglicht. Rolf Ruppenthal

Perl/Deidesheim. Saarländische Weine sind seit Jahren auf dem Vormarsch. Selbst "die Roten" sorgen inzwischen für Furore. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis hervorragender Winzerarbeit. Was aber tun, wenn das neue 2500-Liter-Holzfass, wie jetzt beim saarländischen Winzerpräsidenten Helmut Herber in Perl geschehen, nicht durch die Haustür passt? Böttchermeister Ralf Mattern aus Deidesheim und sein aus Losheim stammender Kompagnon Kirk Bauer aus Deidesheim zerlegten das 1,80 Meter hohe Eichenholz-Fass in drei Teile und bauten es im Keller wieder zusammen.
Schon in den nächsten Tagen soll das neue mächtige Fass mit dem neuen Spätburgunder von der Obermosel gefüllt werden. Aus einem aussterbenden Beruf haben der Weintechnologe Kirk Bauer aus dem Saarland und der Böttchermeister Ralf Mattern aus der Pfalz eine Fassmanufaktur mit Kunden in aller Welt gemacht.
Seit Juli 2011 kooperieren das Beratungs- und Handelsunternehmen Kirks Total Wine und die Fassmanufaktur von Ralf Mattern, und Bauer vertreibt und koordiniert die Produkte und Dienstleistungen der Fassmanufaktur exklusiv für Deutschland und die internationalen Märkte.
Der saarländische Winzerpräsident Helmut Herber setzt bei seinem Spätburgunder auf die besonderen Qualitäten aus dem Holzfass, obwohl es gut drei Mal so viel kostet wie die entsprechenden Kunststoff- oder Edelstahlbehälter. Er ist seit Jahren im Geschäft; dennoch ist das 2500-Liter-Fass für ihn eine echte Premiere. Eine Reihe von Holzfässern steht bereits in seinem Weinkeller; diese sind aber alle durchweg deutlich kleiner. Das älteste Fass im Keller stammt übrigens aus dem Jahre 1899 und fasst gerade einmal 68 Liter.
Nach vier Stunden war es geschafft - ein 2500-Liter-Fass stand mitten im Weinkeller von Helmut Herber aus Perl. Die Montage des neuen Weinfasses gestaltete sich zu einem zeitaufwendigen Kraftakt. Um es überhaupt in den Keller transportieren zu können, musste der 900-Kilo-Koloss in drei Teile zerlegt werden und im Keller wieder zusammengebaut und gespannt werden. Abgedichtet wird ein derartiges Holzfass übrigens mit einem weiteren Naturprodukt, mit Schilf.
Nach gut vier Stunden war es geschafft, das Fass prangte in seiner vollen Größe mitten im Weinkeller von Helmut Herber, der sich nun beeilen muss, um die endgültige Stellfläche entsprechend zu präparieren. Das soll nun in Kürze geschehen, damit saarländischer Spätburgunder von der Obermosel in pfälzischer Eiche zu einem Spitzenwein heranreifen kann.
Extra

Aus heimischen Eichen fertigt die Fassmanufaktur von Ralf Mattern und Kirk Bauer Behälter aus Holz mit Inhalten von bis zu 15 000 Liter an. Die Herstellung erfolgt in Haßloch. Die Fässer können je nach Kundenwunsch mit einer modernen Edelstahlausrüstung, vom Verschluss-Set über die Restablaufeinrichtung bis hin zur Kühleinrichtung, ausgestattet werden. Weiterhin bieten die Kooperationspartner Serviceleistungen wie Instandhaltungen, Reparaturensowie Ein- und Auskellerungen an. rup