Pfarrer Clemens Grünebach verabschiedet sich aus Hermeskeil

Hermeskeiler Pfarrer verabschiedet sich : Vor neuen Aufgaben erst eine Auszeit

Pfarrer Clemens Grünebach verlässt Hermeskeil im Sommer. Vor der nächsten beruflichen Station will er ein Experiment wagen. Ein vorläufiger Nachfolger für die Pfarrei im Hochwald ist in Sicht.

Er gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge, gesteht Clemens Grünebach. Im Juni wird er die Pfarrei St. Franziskus Hermeskeil verlassen. Er freue sich auf neue Erfahrungen, sagt der Pfarrer und Dechant des Dekanats Hermeskeil-Waldrach. Denn kirchliche Erneuerung sei ihm ein großes Anliegen. Andererseits werde er nach 15 Jahren als Pfarrer im Raum Hermeskeil viele Menschen vermissen. Allen voran diejenigen „in den Projekten, die ich mitinitiiert habe“. Als Beispiele nennt er den Aufbau des Mehrgenerationenhauses, das noch junge Projekt Kirche im Nationalpark Hunsrück-Hochwald, das Familiennetzwerk Hafen und die Wiederbelebung des Klösterchens nach dem Auszug des Franziskanerordens. Alle Mitstreiter hätten Weitblick bewiesen und seien mutig neue Wege gegangen, lobt Grünebach – auch, als Anfang 2016 aus acht ehemals selbstständigen Pfarreien die Großpfarrei St. Franziskus Hermeskeil entstand.

Grünebach, 1969 in Herdorf/Sieg geboren, war ab 2003 zunächst Pfarrer in Züsch und Damflos, ab 2006 zusätzlich in Hermeskeil. Ab 2010 gehörte er zum Team der Pfarreingemeinschaft Hermeskeil, seit 2016 führt er die neue Großpfarrei. Dass sich der leitende Pfarrer gerade jetzt verabschiedet, mag mit Blick auf die vom Bistum Trier geplanten Neuzuschnitt mit künfig 35 Großpfarreien ungünstig erscheinen. Doch tatsächlich steht beides im Zusammenhang. Denn die neue Pfarrei der Zukunft mit Zentrum in Hermeskei gehört zu denen, die nicht schon 2020, sondern erst 2022 starten sollen. Und noch ist generell offen, wie sich die 35 künftigen „Leitungsteams“ zusammensetzen werden. Grünebach geht davon aus, dass er bei seiner offiziellen Verabschiedung am Sonntag, 23. Juni, seinem 50. Geburtstag, noch nicht weiß, wo er künftig tätig sein wird.

Doch zumindest für Juli bis September hat er klare Ziele. Im Rahmen eines „Sabbaticals“ lässt er gewohnte Aufgaben ruhen und zieht in eine Essener Wohngemeinschaft (WG) von Jesuiten und Flüchtlingen. Nur zwei Tage nach seiner Verabschiedung wird das Umzugsauto vor dem Pfarrhaus stehen. Die meisten Möbel ziehen allerdings in ein Depot. Denn das WG-Zimmer ist noch nicht einmal halb so groß wie das heutige Büro von Grünebach, der sich in der Gemeinschaft Bad, Küche, Putz- und Kehrdienste teilen wird.

Abgesehen davon bemüht er sich für die Zeit um einen „normalen Job“ – in einem Imbiss, auf dem Bau oder als Erntehelfer. Dafür war er bereits beim Arbeitsamt. Nach 16 Jahren als Pfarrer will Grünebach die „Lebenswirklichkeit“ anderer Menschen kennenlernen. Zum einen, um nicht „berufsblind“ zu werden, zum anderen aus persönlichem Interesse. So vermeidet er dank seines dreimonatigen Sabbaticals nicht nur einen übergangslosen Wechsel in neue Aufgaben. Von der Auszeit erhofft er sich auch die Chance, den Kopf freizubekommen für neue Ideen und Projekte.

Als Nachfolger in der Pfarrei St. Franziskus ist Professor Ohajou Oko im Gespräch. Der nigerianische Priester half schon öfter in Hermeskeil aus und wird dort laut Grünebach sehr geschätzt. Sollte der Bischof dem Beschluss des Dekanatsrates zustimmen, könnte Oko bis September 2020 bleiben und so eventuell eine Vakanz im Zug der Pfarreien-Neustrukturierung vermeiden. Das künftige pastorale Team ergänzen werden Rüdiger Glaub-Engelskirchen als Seelsorge-Koordinator, der Schillinger Pfarrer Kai Quirin als Pfarrverwalter und sein Waldracher Kollege Ralf-Matthias Willmes als Beauftragter fürs Mehrgenerationenhaus.

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