Pfarrer werden zu Teamspielern

Das Bistum Trier wird reformiert. Die Gläubigen im Dekanat Konz-Saarburg verteilen sich ab dem 1. September auf sechs statt neun Pfarreiengemeinschaften. Eine Infoveranstaltung ist für Montag, 21. Februar, 19 Uhr in Saarburg -Beurig geplant.

Wasserliesch/Saarburg. "Bei uns verändert sich relativ wenig im Vergleich zu anderen Dekanaten", sagt Doris Weirich, Dekanatsreferentin in Konz-Saarburg. Die Strukturreform ist in ihrem Bereich schon jetzt ziemlich weit vorangeschritten. Mehrere Pfarreiengemeinschaften arbeiten schon so zusammen, wie es ab September vorgesehen ist (siehe Extra).

Die Reform hat der damalige Trierer Bischof Reinhard Marx 2007 auf den Weg gebracht. Bistumsweit sollen nach dem 1. September statt der 389 pastoralen Einheiten nur noch 173 bleiben. Damit reagiere man auf die sinkende Zahl der Gläubigen und rückläufige personelle und finanzielle Ausstattung (der TV berichtete), hieß es beim Bistum. Eine Infoveranstaltung dazu ist für Montag, 21. Februar, 19 Uhr, im Pfarrsaal St. Marien in Saarburg-Beurig geplant. "In dieser Stufe der Umsetzung des Strukturplans geht es nicht zuerst um Kostensenkung, sondern um eine Änderung in der Finanzierungsart der Pfarreiengemeinschaften", sagt Bistumspressesprecher Ernst Mettlach (siehe Stichwort).

Ein Beispiel, wie die Reform vor Ort aufgenommen wird, ist in der Pfarreiengemeinschaft Saar-Mosel schon seit 2008 zu beobachten. Zu ihr gehören 9354 Katholiken aus Tawern, Temmels, Konz-Könen, Wasserliesch, Oberbillig und Nittel. Sie ist eine von drei Pfarreiengemeinschaften, die schon ihre endgültige Struktur haben. Jede der sechs Gemeinden hat noch einen eigenen Pfarrgemeinderat. Übergeordnet gibt es einen Pfarreienrat, in den drei Vertreter jeder Gemeinde gewählt wurden.

"Natürlich hätten wir alle gerne einen eigenen Pfarrer", sagt Regina Sandfort, Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Wasserliesch. "Wir haben aber gelernt mit der neuen Situation umzugehen." Es sei gut, dass die Pfarreiengemeinschaft gewachsen und nicht auf einen Schlag entstanden sei. Neu sei es, dass man nicht mehr nur auf die eigene, sondern auch auf die anderen Gemeinden schauen müsse. Die Gläubigen müssten sich daran gewöhnen, dass sie zu vielen Messen anreisen müssen.

Das Ehrenamt wird immer wichtiger



Auch Margot Harig, Vorsitzende des Pfarreienrats der Pfarreiengemeinschaft Saar-Mosel blickt auf positive Erfahrungen mit der gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit zurück. Es sei meist nicht schwer, Konsens herzustellen. Sie betont: "Bei den Messterminen muss von vornherein eine klare Linie gefunden werden."

Ehrenamtliche Helfer wie Regina Sandfort und Margot Harig werden aus Sicht des Bistums noch wichtiger. "In Zukunft wird es darauf ankommen, dass Ehrenamt und Hauptamt vertrauensvoll miteinander arbeiten", sagt Gundo Lames, Direktor "Ziele und Entwicklung" im Bistum Trier. Mehr als bisher werde den Christen in den Pfarreien nun Verantwortung in der Verwaltung und der Geschäftsführung zugetraut. Auch der Pfarrer muss sich aus Lames Sicht umstellen: "Seine Fähigkeiten, ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiter zu führen, sind besonders gefragt. Dabei wird er mehr und mehr zum Teamspieler." StichwortReform der Pfarrei-Finanzen: Die einzelnen Kirchengemeinden in einer Pfarreiengemeinschaft bleiben zwar auch nach der Umsetzung des Projekts "2020" rechtlich eigenständig. Sie werden aber in einem größeren Verbund zusammengefasst: dem Kirchengemeindeverband. Bisher war es so, dass jede Gemeinde vom Bistum Bedarfszuweisungen erhalten hat. Künftig wird das Bistum aber dem Kirchengemeindeverband eine pauschale Schlüsselzuweisung auszahlen, die der Finanzierung der Personalkosten - etwa für die Mitarbeiter der Pfarrsekretariate oder des liturgischen Dienstes - und der Sachkosten, beispielsweise für die Unterhaltung der Pfarrhäuser und Kirchen - dient. Der Verband entscheidet dann nach eigenem Ermessen, wie das Geld auf die einzelnen Gemeinden verteilt wird. Die Höhe der Schlüsselzuweisung richtet sich unter anderem nach der Zahl der Pfarreien und der Zahl der Gläubigen im jeweiligen Verband. 2012 ist noch keine Senkung der Zuschüsse geplant. Wegen des Sparkurses gehen sie aber bistumsweit von 2013 bis 2016 stufenweise um insgesamt 4,3 Millionen Euro zurück.ExtraInfos zum Dekanat Konz-Saarburg: 41 061 Katholiken wohnen im Dekanat Konz-Saarburg verteilt auf 338,30 Quadratkilometern. Insgesamt gibt es 33 Einzelpfarreien, künftig sollen sie auf sechs Pfarreiengemeinschaften verteilt werden (siehe Grafik) - noch sind es neun. Schon zusammengelegt wurden (Dienstsitz fette schrift): Konz, Konz-Karthaus und Konz-Hamm Tawern, Temmels, Konz-Könen, Wasserliesch, Oberbillig, Nittel Wincheringen, Merzkirchen, Palzem, Helfant, Kreuzweiler Zusammenlegungen zum 1. September (Dienstsitz gefettet, bisheriger Dienstsitz kursiv): Konz-Oberemmel, Konz-Krettnach, Pellingen, Wiltingen, Kanzem, Wawern werden durch den gleichen Pfarrer betreut, und die Pfarrgemeinderäte sowie die Pfarreienräte arbeiten schon zusammen. In Serrig, Taben-Rodt, Freudenburg, Kirf, Kastel-Staadt und Trassem stehen die Pfarreien und Räte schon in Kontakt. Zudem haben die Gemeinden eine gemeinsame Wallfahrt unternommen. In Saarburg, Saarburg-Beurig, Mannebach, Fisch-Litdorf, Irsch, Ockfen und Ayl stehen die Räte in Kontakt. Der früherer Pfarrer von Ayl bleibt am Ort wohnen und wird Kooperator, eine Art beigeordneter Geistlicher. (cmk)