Plädoyer für zwei Pfarreien

Pastöre, Pastoralreferenten und der Dechant sind gegen eine große Pfarrei, zusammengesetzt aus den Verbandsgemeinden Konz, Saarburg, Kell. Auch andere kritisieren die Bistumsreform.

Konz/Saarburg Die Reaktion kommt prompt. Am vergangenen Freitag hat der Bischof die Reformpläne für das Bistum Trier vorgestellt (TV vom 25. März, Zusammenfassung siehe Info). Gestern haben sich 20 Hauptamtliche des Dekanats Konz-Saarburg, also Pastöre, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferenten sowie Dechant Klaus Feid, in einer Konferenz zu den Vorschlägen positioniert.
Zum Ergebnis sagt der Dechant: "Wir haben uns mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit für zwei Einheiten statt einer ausgesprochen." Laut Bistumsplänen soll aus drei Verbandsgemeinden (VG) eine sogenannte Pfarrei der Zukunft mit Saarburg als Zentrum gebildet werden. Zu dieser Pfarrei sollen die VG Konz und Saarburg (entspricht dem Dekanat Konz-Saarburg) sowie die VG Kell am See gehören. Das Gebiet ist der Dekanatskonferenz laut Dechant Feid zu groß. Sie plädiert mehrheitlich für zwei Pfarreien, eine mit Konz, die andere mit Saarburg als Zentrum. Die meisten Hauptamtlichen des Dekanats sind laut Feid damit einverstanden, dass die VG Kell am See der Pfarrei Saarburg zugeschlagen werden soll - sofern sich auch die beiden weltlichen Kommunen zusammentun. Derzeit laufen entsprechende Fusionsgespräche.
Dechant Feid betont, dass in der Konferenz zudem deutlich wurde, dass es noch einen großen Diskussions- sowie Informationsbedarf gebe. Feid: "Die drängendste Frage ist: Wie können wir weiter nah bei den Menschen sein? " Es sei unklar, wie dies in solch großen Einheiten gelingen könne. Eine andere Frage sei, wie es künftig mit dem Personal aussehe.
Die Reformpläne sollen laut Feid im Dekanat weiter auf allen Ebenen diskutiert werden. Auch mit den Kellern wolle man sich treffen. Um seinen eigenen Posten macht sich der 57-Jährige keine Sorgen. Er sagt: "Dechanten wird es nicht mehr geben, diese Aufgabe übernimmt der Weihbischof. Das Schönste ist aber doch, Pastor zu sein. Derzeit bin ich in sechs Pfarreien zuständig." Auch künftig wolle er als Priester arbeiten, für eine Leitungsfunktion werde er nicht unbedingt den Finger heben. An der Basis setzt die Kritik an den Bistumsplänen zuweilen früher an, geht ansonsten aber in ähnliche Richtung.
Michael Ames, Pfarrgemeinderatsvorsitzender von St. Nikolaus in Konz, sagt: "Die Informationen vom Bistum waren dürftig. Es war überraschend, wie wenig - trotz Synode - über die Reformpläne bekannt wurde." Das Ehrenamt werde zwar prinzipiell als wichtig erachtet, aber die Betroffenen hätten aus der Zeitung erfahren, was geplant sei. Zweiter Kritikpunkt von Ames: der Zeitrahmen. Bis Ende September ist die Resonanzphase zur Reform angesetzt. Ames: "Jetzt wird man mit Informationen und Terminen überrollt. Es herrscht Hektik. Aber da sind so viele Fragen im Hintergrund offen." Das müsse intensiv beraten werden.
Das Bistum müsse zudem genau sagen, wo die Chose hinlaufen solle. Ames nennt ein paar Beispiele für offene Fragen: Wie wird solch eine riesige Pfarrei der Zukunft geleitet? Wie sind die bislang existierenden Pfarreien da vertreten? Wie verschaffen sich kleine Pfarreien Gehör? Was passiert mit den Pfarrbüros? Man hänge mit allen Büros in der Luft, doch bestünden gerade dort die Kontakte. Für viele ältere Menschen, die in der Regel weniger mobil seien, seien sie die Anlaufstellen. Ein weiterer Kritikpunkt von Michael Ames aus Konz: "Ein Zentralbüro in Saarburg wäre eine Katastrophe. Wir sind eine der größten Einheiten und würden dann an den Rand gedrängt."
Für Sandra Arnoldy, Dekanatsvertretung im Katholikenrat, ist die Größe der zukünftigen Pfarrei Saarburg eines der größten Probleme. Die Serrigerin sagt: "Bereits bei der letzten Visitation des Weihbischofs hat der Dechant darauf hingewiesen, dass eine solche Einheit zu groß ist." Rund 47 670 Katholiken würden zur neuen Pfarrei gehören.
In der Pfarrei Hermeskeil seien es hingegen nur 25 530. Arnoldy weist darauf hin, dass bei der Vorstellung der Reform beim Thema Fahrtzeiten in der geplanten Pfarrei Saarburg viel rot gewesen sei. Und Rot bedeute mehr als 20 Minuten Fahrzeit zum Mittelpunkt der Pfarrei.DIE REFORM DES BISTUMS IN KüRZE

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Ende vergangener Woche hat Bischof Stephan Ackermann die Pläne für die Bistumsreform vorgestellt. Das Wichtigste in Kürze: Aus derzeit 887 Pfarreien im Bistum werden 35 Großpfarreien. In jeder Großpfarrei soll es einen zentralen Pfarrort geben, in dem ein dreiköpfiges, hauptamtliches Leitungsteam sitzt. Was darüber hinaus an anderen Orten der Pfarreien an kirchlichem Leben angeboten wird, soll in einer zweijährigen Erkundungsphase festgelegt werden. Über die Gebietsaufteilung soll zunächst vor Ort diskutiert werden. Änderungen sind prinzipiell noch in der sogenannten Resonanzphase möglich, die bis Ende September angesetzt ist. Zur neuen Pfarrei Saarburg sollen die Verbandsgemeinden Konz und Saarburg (entspricht dem bisherigen Dekanat Konz-Saarburg) sowie die VG Kell am See gehören.DIE REFORM AUS HOCHWäLDER SICHT

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Foto: Friedemann Vetter (ClickMe)

(cweb) Martin Rieger ist zweiter Vorsitzender des Pfarreienrats in der Pfarrgemeinschaft Schillingen, die fast vollständig - mit Ausnahme der Pfarrei Reinsfeld - an das Dekanat Saarburg angegliedert werden soll. Seiner Einschätzung nach stehen die Gläubigen der Neuordnung der Pfarreien "mit großer Offenheit" gegenüber. Für ihn persönlich sei "gut nachvollziehbar, dass man die Kirche demografiefester gestalten" müsse. Ein wenig enttäuscht habe ihn, dass die Ziele und ein "inhaltliches pastorales Konzept" hinter der Neustrukturierung noch nicht deutlich würden. "Spannend" findet er den Ansatz, ehrenamtliche "in irgendeiner Form" in die künftige Pfarreienleitung einzubeziehen. Zu den Plänen für die Pfarreiengemeinschaft Schillingen sagt Rieger: "Bei den Orten jenseits von Schillingen gibt es schon eine emotionale Orientierung in Richtung Saarburg." Angesichts der geplanten politischen Strukturen - die Verbandsgemeinden Kell und Saarburg verhandeln über eine mögliche Fusion - sei "das Ganze nicht unstimmig und kein großer Widerstand zu erwarten".