Platz drei in Deutschland

HERMESKEIL. Es gibt nur wenige Nachrichten, die für die Menschen im Hochwald erfreulicher sein könnten, als die aktuellen Zahlen der Arbeitsagentur: Im Juli ist die ohnehin schon sehr geringe Erwerbslosenquote im Geschäftsstellenbereich Hermeskeil noch weiter zurückgegangen und auf 3,5 Prozent gesunken. In Rheinland-Pfalz ist dies im positiven Sinne der Spitzenwert und selbst bundesweit weisen nur die Kreise Eichstätt und Freising eine niedrigere Quote auf.

Der Tenor ist einhellig: "Das ist eine super Sache, denn es bedeutet doch nichts anderes, als dass wir hier im Grunde genommen Vollbeschäftigung haben", jubelt der Keller Bürgermeister Werner Angsten (CDU). "Für die Leute hier in der Region freut mich dieser Zustand sehr", betont Rolf-Bodo Brombacher, der Gesamtwerk-Leiter von Siegenia-Aubi, dem zweitgrößten Arbeitgeber in der Region. Und Dieter Reinsbach, der Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit in Hermeskeil und Saarburg, stellt fest: "Das ist in der Tat eine Traumquote. Wenn man auf diese Zahl im Hochwald nicht stolz sein kann, auf was dann?" Der Grund für diese euphorischen Äußerungen: Im Juli 2006 waren nur noch 3,5 Prozent der Erwerbsfähigen im Hochwald arbeitslos gemeldet - das sind laut dem aktuellen Arbeitsmarktbericht 436 Menschen (siehe Hintergrund). Eine weiteres positives Phänomen im Hochwald: Während andernorts der Trend zumeist in die andere Richtung zeigte, ist rund um Hermeskeil die Quote im Vergleich zum Juni sogar um weitere 0,4 Prozentpunkte gesunken. "Man hatte eigentlich erwartet, dass es nach der WM zu einem Sommerloch kommen würde, weil viele Unternehmen Betriebsferien machen, Kurzzeit-Arbeitsverhältnisse beendet werden und Schulabgänger auf den Arbeitsmarkt strömen. In Hermeskeil hat dieses Sommerloch aber nicht reingehauen", so die Be- obachtung von Reinsbach.Großes Kompliment an die Bevölkerung

Ganz so "rätselhaft" wie der TV am Mittwoch titelte, ist es dem Experten aber nicht, wenn er nach einer Erklärung für den Rekord befragt wird. Neben der allgemeinen Beobachtung, dass es 2006 "mit der Wirtschaft aufwärts geht", gibt es für Reinsbach vor allem einen entscheidenden Punkt: "Wir tun mit unseren Mitteln zwar alles, um Arbeitslosigkeit zu vermeiden oder sie schnellstmöglich abzustellen. Ohne die Menschen, die mitmachen, geht das aber nicht." Und gerade in diesem Bereich müsse der heimischen Bevölkerung ein sehr großes Kompliment gemacht werden: "Die Leute im Hochwald zeichnen sich durch eine sehr hohe Mobilität und Flexibilität und ein großes Maß an Eigeninitiative aus", sagt der Leiter der Hermeskeiler Geschäftsstelle. In der Tat: Zwar finden viele Menschen im Hochwald vor Ort Lohn und Brot - etwa in den zahlreichen mittelständischen Betrieben oder den größeren Firmen wie Bilstein (Mandern) oder Siegenia-Aubi (Hermeskeil, Reinsfeld), die in den vergangenen Monaten viele Neueinstellungen zu vermelden hatten. Ausreichen würde dieses Angebot an Arbeitsplätzen aber nicht. Deshalb pendeln viele Hochwälder - genaue Zahlen sind allerdings schwer abzuschätzen - Tag für Tag aus und sind bereit, weite Entfernungen zurückzulegen, um zu ihren Arbeitsstellen in Trier, Luxemburg oder im Saarland zu kommen. Eben dieser Umstand macht jedoch einigen Akteuren im Wirtschaftsraum Hochwald das Leben nicht leichter. Natürlich freue auch sie sich über die niedrigen Arbeitslosenzahlen, betont Claudia Fuchs, die Sprecherin des Hermeskeiler Gewerbeverbands (HGV). Allerdings sei die Annahme falsch, dass die heimischen Einzelhändler davon profitieren könnten, dass so viele Menschen Arbeit und demzufolge auch Geld in der Tasche haben. "Wir sind im HGV selbst überrascht. Aber bei uns schlägt sich das nicht nieder. Die Leute geben ihr Geld dort aus, wo sie arbeiten", so die Einschätzung von Fuchs. Weitaus positiver betrachten die Kommunalpolitiker die Situation: "Wer Arbeit hat, hat auch eine Perspektive, kann eine Familie gründen, bauen und somit hier dauerhaft wohnen", sagt beispielsweise Angsten. Diese Voraussetzungen würden es der öffentlichen Hand auch erlauben, die Infrastruktur fortzuentwickeln, so der Keller Bürgermeister, der einen letzten Punkt hinzufügt: "Die niedrige Arbeitslosigkeit bedeutet für uns als Kommune natürlich auch eins: Unsere Belastung durch die Zahlung von Sozialhilfe ist fast nicht der Rede wert."