Pölert baut auf fernöstliche Prinzipien
HINZERT-PÖLERT. Was haben eine schlaflose Ortsbürgermeisterin, Wünschelruten-Gänger und eine uralte fernöstliche Lehre mit einem wichtigen Projekt in einem Hochwalddorf zu tun? Sehr viel, wie die Entstehungsgeschichte des Pölerter "Feng-Shui-Neubaugebiets" zeigt. Dessen Vermarktung hat jetzt begonnen.
Die besten Ideen kommen einem im Schlaf, heißt es im Volksmund. Bei Mathilde Müller war es genau andersrum: Als sie noch in Trier zur Miete wohnte, fühlte sie sich morgens beim Aufstehen oft wie gerädert. Daheim im Elternhaus in Pölert hatte sie hingegen nie mit schlaflosen Nächten zu kämpfen. Denn: "Unsere Vorfahren haben noch berücksichtigt, dass Häuser in der richtigen Richtung stehen müssen und nicht auf Wasseradern gebaut werden sollten", sagt Müller. Besonderer Leitgedanke für das Neubaugebiet
Als sie später Ortsbürgermeisterin der 320-Einwohner-Gemeinde wurde, habe sie deshalb bei der Planung eines Neubaugebiets für besonderen Leitgedanken entwickelt: "Ich habe mir überlegt, unter welchen Voraussetzungen ich selbst hierhin bauen würde, wenn ich hier noch kein Haus hätte", blickt sie zurück. Getreu den Richtlinien der uralten chinesischen Lehre des Feng-Shui (siehe Extra) - so Müllers Ansatz - sollten die Wohnhäuser im kleinen Neubaugebiet neben dem Pölerter Bürgerhaus deshalb so angeordnet werden, dass sich vor allem deren Schlafräume in störfreien Zonen befinden und die Gesundheit der künftigen Bewohner nicht durch Wasseradern oder Erdverwerfungen beeinträchtigt werden. "Dieser Idee fand der Gemeinderat gut, so dass wir das Projekt angegangen sind", sagt Müller. So kam es, dass im Frühjahr die Mertesdorfer Architektin Marianne Rummel und Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Geobiologie das rund 2000 Quadratmeter große Areal mit Wünschelruten abgingen, um auf dem Wiesengelände Störzonen aufzuspüren und es mit einem Globalgitternetz zu vermessen. Mit dem Trierer Unternehmen "HVS" wurde zudem ein Partner gefunden, der nicht nur den Bau der insgesamt vier Einfamilienhäuser, sondern auch deren Vermarktung übernimmt. Mit der Vorstellung eines Flyers haben die Verantwortlichen jetzt den offiziellen Startschuss gegeben, Ansiedlungswillige nach Pölert zu locken. "Wir wollen, dass unser Dorf größer wird und vor allem Familien mit Kindern hierhin ziehen", betont Müller. Um den Leuten von der Stadt das Leben auf dem Land schmackhaft zu machen, müsse man ihnen jedoch etwas Besonderes bieten, fügt Jörg Haferkamp hinzu. "Gesundes Wohnen" und "Bauen nach ganzheitlichen Grundsätzen" seien da wichtige Vorzüge, die das Pölerter Neubaugebiet in die Waagschale werfen könne, betont der Geschäftsführer der HVS den Modellcharakter, den das Projekt im kleinen Hochwalddorf in Rheinland-Pfalz hat. Doch was erwartet potenzielle Zuzügler in Pölert? Die vier Häuser im Ortskern sollen sich der dorftypischen Bauweise anpassen, stellen Müller und Haferkamp die Pläne vor. Sie sind 126 Quadratmeter groß, wobei sich die Wohnfläche auf zwei Vollgeschosse verteilt."Der Preis ist unschlagbar"
Einen Keller gibt es zwar nicht. Optional kann das Dachgeschoss ausgebaut werden, was 47 Quadratmeter zusätzlichen Wohnraum schaffen würde. Die Grundstücke sind mit einer Größe von 420 bis 700 Quadratmeter variabel geschnitten und orientieren sich an den Gitternetzlinien. Für Müller jedoch ganz entscheidend: "Der Preis ist unschlagbar", macht die Ortsbürgermeisterin Werbung für das Neubaugebiet. 178 000 Euro soll ein schlüsselfertiges Wohnhaus inklusive Grundstück laut HVS kosten. "Wenn gewünscht, könnten wir sofort mit dem Bau anfangen", betont Haferkamp. Bleibt allerdings noch eine Frage: Was tun, wenn das Interesse von Anhängern der fernöstlichen Feng-Shui-Philosophie so groß ist, dass die vier Parzellen im Pölerter Neubaugebiet rasch verkauft werden? "Da können wir helfen", kommt prompt die Antwort der Gemeinde-Chefin. Schließlich werde derzeit auch in Hinzert ein Neubaugebiet geplant. Und sollte das Pölerter Modell erfolgreich sein, "dann machen wir es dort eben genau so", sagt Müller.