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Pölert im Porträt

HINZERT-PÖLERT. Bei den Nachbarn in Hinzert machte sie bereits im November Station, jetzt waren auch die Pölerter an der Reihe. Der TV besuchte mit seiner Dorffoto-Aktion den mit rund 170 Einwohnern etwas größeren Teil des Doppelorts im Hochwald. ARRAY(0x2af3ab5f0)

Die erste urkundliche Erwähnung als "Polroth" datiert aus der Zeit um 1120. Es folgten wechselvolle Jahrhunderte, bis 1969 der bislang letzte wichtige Markstein in der Geschichte von Pölert gesetzt wurde. Im Zuge der Gebietsreform verlor das Hochwalddorf nämlich seine Eigenständigkeit und "fusionierte" mit Hinzert zum Doppelort. Diese ungewöhnliche Konstruktion bringt einige Charakteristika mit sich, die das kleine Hinzert-Pölert mit seinen knapp 300 Einwohnern von anderen Kommunen abheben. Es gibt beispielsweise zwei Bürgerhäuser. Im Ort sind gleich zwei freiwillige Feuerwehren im Einsatz, und kirchlich existiert nach wie vor ein Trennungsstrich. Während Hinzert nämlich zur Pfarrei Beuren gehört, ist Pölert traditionell der Pfarrei Rascheid zugeordnet. Natürlich gibt es aber auch einige Gemeinsamkeiten. So fahren Kindergartenkinder und Grundschüler aus beiden Dorfteilen miteinander nach Beuren, und 2002 sicherte sich der Doppelort mit vereinten Kräften den Sieg beim Kreisentscheid für "Unser Dorf hat Zukunft". An diesem Wettbewerb nimmt die Kommune, die kürzlich von den Juroren der Kreiskommission kritisch unter die Lupe genommen wurde, auch aktuell teil. "Optisch hat sich gerade in Pölert viel verbessert", sagt Ortsbürgermeisterin Mathilde Müller. Sie verweist dabei vor allem auf den Ausbau der Kreisstraße 96 im Jahr 2001, mit dem einige gestalterische Vorhaben einhergingen. Auf Vordermann wurde Pölert seinerzeit beispielsweise dadurch gebracht, dass der zentrale Platz mit Bushäuschen neu angelegt wurde. Außerdem wurde das ehemalige Feuerwehrgerätehaus renoviert und zu einem gemeindlichen Geräteraum umfunktioniert, wobei gerade bei diesem Projekt die Pölerter Bürger ein großes Maß an Eigeninitiative an den Tag legten. Das kulturelle Leben im 170-Seelen-Dorf wird unter anderem durch die Aktivitäten des Wandervereins "Königsfeld" geprägt, in dem die Pölerter das Gros der Mitglieder stellen. Zudem treffen sich regelmäßig ein Sing- sowie ein Strickkreis und Gymnastikgruppen im 1987 eingeweihten Bürgerhaus. Zu einer festen Institution soll sich neben dem Brunnenfest auch eine kleine Veranstaltungsreihe mit Konzerten entwickeln, die 2005 Premiere hatte und den Veranstaltern zuletzt am vorigen Samstag ein ausverkauftes Bürgerhaus bescherte.Kein Lebensmittelgeschäft, dafür vier Windräder

Zwar mangelt es in Pölert an einigen infrastrukturellen Einrichtungen - es fehlt zum Beispiel ein Lebensmittelgeschäft. Seit 2002 drehen sich aber auf Pölerter Gebiet vier Windräder. Zudem hat der Ortsteil mehrere Gewerbebetriebe vorzuweisen. So sind eine Schreinerei, eine Tierpension und am ehemaligen Bahnhof eine große Baustoffhandlung mit immerhin 20 Arbeitsplätzen in Pölert ansässig. Hinzu kommt noch ein Vollerwerbs-Landwirt. Gut ausgestattet ist Pölert auch in Sachen Gastronomie. Denn es gibt im Ort sowie am Bahnhof insgesamt zwei Gasthäuser. Apropos Bahnhof: Große Hoffnungen setzt die Gemeinde auf die Pläne zur Reaktivierung der Hunsrückbahnstrecke zwischen Morbach und Hermeskeil. Dann könnten nämlich möglicherweise in Zukunft auch über die Gleise bei Pölert Draisinen oder Museumszüge rollen. "Das würde für unser Dorf natürlich eine wichtige touristische Aufwertung bedeuten", sagt Müller. Ein wichtiges Vorhaben ist für die Pölerter zudem der derzeit laufende Bau einer neuen Kläranlage, der kurz vor dem Abschluss steht. Weniger erfreulich sieht es hingegen bei der Suche nach Ansiedlungswilligen aus: Denn bislang hat noch kein Käufer für einen der insgesamt vier Plätze im kleinen Neubaugebiet am Bürgerhaus angebissen. Dabei brachte gerade dieses Projekt Pölert sogar überregionale Beachtung ein: Denn getreu den Richtlinien der uralten chinesischen Lehre des Feng-Shui sollen die Wohnhäuser dort so angeordnet werden, dass sich vor allem deren Schlafräume in störfreien Zonen befinden und die Gesundheit der künftigen Bewohner nicht durch Wasseradern oder Erdverwerfungen beeinträchtigt wird.