Politischer Salon diskutiert über Leitkultur

Debatte : Politischer Salon Konz diskutiert über Leitkultur

Eine Konzer Debattiergruppe spricht viermal im Jahr über gesellschaftsrelevante Themen. Diesmal ging es um die Notwendigkeit einer Leitkultur in Deutschland.

Einmal im Quartal versammeln sich in Konz Menschen zu einer Art politischem Stammtisch. Beim „Politischen Salon Konz“ geht es darum, vielbeachtete Themen der deutschlandweiten politischen Diskussion in Konz zur Sprache zu bringen. Anders als beim klassischen Stammtisch gibt es beim politischen Salon aber nur ein Thema und einen besonderen Gast. Der hieß bei der jüngsten Ausgabe Johannes Metzdorf-Schmithüsen, kam aus Trier und ist Pfarrer, Schauspieler, Kabarettist und Rundfunk-Kommentator. Das Thema, zu dem er sich äußerte: „Braucht Deutschland eine Leitkultur?

In seinem halbstündigen Impulsreferat machte Metzdorf-Schmithüsen keinen Hehl daraus, dass er von der Idee einer Leitkultur wenig hält. Korruption, Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich, Klimaerwärmung, Aufrüstung – es gebe eine Vielzahl von wichtigeren Problemen, die auf eine Lösung warteten, sagt er.

Die Suche nach einer für alle verbindlichen Leitkultur erinnere ihn an die Aufregung um ein Leitbild, das eine Zeit lang in jeder Einrichtung angesagt gewesen sei. Diese Leitbilder seien aber in der Regel völlig folgenlos für das weitere Handeln. Bei der Leitkultur komme erschwerend dazu, dass diese nicht „von oben angeordnet“ werden könne. Ausreichend Orientierung für das gesellschaftliche Zusammenleben böten die allgemeine Erklärung der Menschenrechte und das Grundgesetz.

In kleinen Gesprächsgruppen („Murmelrunden“) diskutierten dann die 18 Teilnehmer des politischen Salons ihre eigenen Vorstellungen, ob es eine Leitkultur in Deutschland brauche. Dabei gingen die Vorstellungen auseinander. Während die Jüngeren kaum Probleme mit dem Begriff hatten, fragten sich die Älteren kritisch, wer denn diese „Leitkultur“ verordnen solle. Anschließend entspann sich eine Diskussion in der Runde, ob Grundgesetz und Strafgesetzbuch der alleinige, verbindliche Maßstab für das Handeln des Einzelnen in der Gesellschaft seien. Einige Teilnehmerinnen verwiesen hier auf die persönliche Gewissensentscheidung, die über dem Gesetz stehe. Das wurde von anderen Gesprächsteilnehmern bestritten.

Die seit den 1980er Jahren durch die politische Öffentlichkeit wabernde Forderung nach einer deutschen Leitkultur habe aber durchaus reale Folgen, stellten die Teilnehmer fest. So kann in Deutschland nach dem neuen Einbürgerungsgesetz vom Juni 2019 nur derjenige Bürger(in) dieses Landes werden, der sich „in die deutschen Lebensverhältnisse einordnet“. Dieser „Leitkultur-Paragraf“ wurde von den Anwesenden sehr kritisch gesehen.

Das Ergebnis der Diskussion beim politischen Salon: In einer Demokratie muss um die geltende Wertebasis gerungen werden. Diese Basis ist dem Wandel unterworfen. Was letztlich gelten soll, liegt an uns Bürgern, die sich in die Diskussion einbringen. „Die Bürger haben es in der Hand“, lautet ein Fazit.

Zum politischen Salon laden unabhängige Konzer Frauen und Männer ein. Sie werden dabei vom Caritasverband unterstützt und von der Lokalen Partnerschaft für Demokratie Konz gefördert.

Mehr von Volksfreund