Polizei weist Rassismus-Vorwürfe zurück

Konz · In der Kontroverse um angeblich rassistisch motivierte Polizeigewalt in der Konzer Stadtmitte äußert sich Polizeipräsident Lothar Schömann und präsentiert die Ergebnisse "sofortiger Überprüfungen". Schömann betont: Die Vorwürfe seien haltlos. Der 24 Jahre alte Betroffene hält dagegen an seiner Darstellung fest und hat mittlerweile eine Anwältin eingeschaltet.

Konz. Ein gebürtiger Kongolese, der seit 23 Jahren in Deutschland lebt, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Am 20. November seien er selbst, sein 16 Jahre alter Schwager und seine schwangere Verlobte in der Konzer Stadtmitte von Polizisten mit Schlagstock und Pfefferspray malträtiert worden (der TV berichtete). Die Beamten haben ihn, so sagt der 24-Jährige, außerdem mit Sätzen wie "Geh zurück in dein Land" beleidigt.
Der Anlass des Polizeieinsatzes war der Alarmruf eines Augenzeugen, ein Mann schlage eine Frau. Der 24-Jährige betont, er und seine Verlobte haben sich nur gegenseitig geneckt und geschubst. Er und sein 16 Jahre alter Schwager wurden vorläufig festgenommen. Eine Anzeige gegen die Polizisten läuft, die Staatsanwaltschaft ermittelt.
Polizeipräsident Lothar Schömann hat laut eigener Aussage sofort nach dem Vorfall interne Überprüfungen eingeleitet. Die beteiligten Polizeibeamten seien zur Stellungnahme aufgefordert worden, die mit den Ermittlungen beauftragte Kriminalinspektion Wittlich habe Zeugen vernommen. Gestern präsentierte der Leiter des Polizeipräsidiums Trier die Ergebnisse.Haltung ändert sich nicht


"Nach dem heutigen Sachstand sind die von dem 24-jährigen Mann erhobenen Vorwürfe unzutreffend", so Schömann am Freitag. Damit hat sich an der Haltung der Polizei nichts geändert. Bereits in einer Mitteilung am Tag nach dem Vorfall hat die Behörde den Vorwurf der rassistisch motivierten Polizeigewalt als haltlos zurückgewiesen.
Der Polizeipräsident skizzierte, wie das Präsidium die Lage sieht: Zwei Kriminalbeamte in Zivil sprachen am Abend des 20. November einen Mann wegen einer Personenkontrolle an. Sofort zu Beginn der Überprüfung wies dieser die Beamten darauf hin, dass in der Nähe des Einkaufsmarktes an der Lichtsmühle in Konz ein ihm unbekannter Mann mit einer Frau streite und der Mann diese Frau heftig herumstoße und sie trete.
Die Zivilstreife fuhr sofort los. Der Zeuge begleitete die Beamten und wies sie vor Ort auf die streitenden Personen hin. Schömann betonte: Die Beamten stellten fest, dass der Mann die Frau "herumstieß" und diese "lautstark miteinander stritten". Als die beiden Kriminalbeamten sich als Polizisten zu erkennen gaben und die Personalien feststellen wollten, "eskalierte die Situation sofort", und zwar "ausschließlich aufgrund der aggressiven Reaktion des 24-Jährigen und seiner Begleitung".
Pfefferspray kam tatsächlich zum Einsatz, das räumte der Polizeipräsident ein. Seiner Darstellung nach haben der 24-Jährige und seine Verlobte die Feststellung ihrer Personalien verweigert und "körperlichen Widerstand" geleistet. Inzwischen waren auch Polizisten in Uniform als Verstärkung eingetroffen, so Schömanns Darstellung - "weil sich mehrere Personen in das Geschehen einmischen wollten".
Rassistische Beleidigungen oder eine entsprechende Motivation der Beamten wies Schömann zurück. "Im Gegenteil: Die bisherigen Zeugenvernehmungen bescheinigen den Polizeibeamten ein ruhiges und besonnenes Verhalten." Es gebe aber übereinstimmende Aussagen, dass die Beamten beleidigt und unter anderem mehrfach als "Nazis", "Nazischweine" und "Rassisten" beschimpft wurden.
Der 24-Jährige hält an seinen Vorwürfen gegen die Polizei fest. "Ich bleibe bei meiner Darstellung", sagte er gestern auf Anfrage des TV. Mittlerweile werde er von einer Anwältin vertreten.