Polizei zur Zahl der Unfälle auf Bundesstraße B 419 an der Obermosel

Kostenpflichtiger Inhalt: Ein Blick auf die Problemstrecke : B 419: Mehr als 100 Unfälle in elf Monaten

Die Bundesstraße an der Obermosel ist eine der meist befahrenen in der Region. Bis Anfang Dezember wurden zwischen der saarländischen Grenze und Konz 22 Menschen verletzt – zum Teil sehr schwer. Die Polizei appelliert nun an die Vernunft der Autofahrer.

25. November: Zusammenstoß von zwei Fahrzeugen bei Nittel-Rehlingen, zwei Verletzte. Ebenfalls 25. November: drei Verletzte nach Kollision bei Palzem. 15. November: Frontalzusammenstoß zwischen Wincheringen und Palzem, ein LKW und zwei Autos sind beteiligt, zwei Verletzte. 25. Oktober: Eine Frau prallt mit ihrem Wagen bei Oberbillig auf ein entgegenkommendes Auto. 4. Oktober: Frontalzusammenstoß zwischen Wincheringen und Nittel, zwei Verletzte. 29. September: Frontalzusammenstoß bei Wasserliesch, ein vierjähriges Kind wird so schwer verletzt, dass es nun gelähmt ist.

Das ist nur ein Auszug der jüngsten Meldungen über Unfälle auf der B 419. Die Obermoselstrecke ist eine der meist befahrenen Straßen im Saar-Mosel-Raum und in der ganzen Region. Sie führt von Konz über Nittel, Wincheringen und Palzem bis zur französischen Grenze hinter Perl. Der meiste Verkehr herrscht auf dem Streckenabschnitt zwischen Konz und der Wellener Grenzbrücke, weil dort täglich Tausende Pendler auf dem Weg nach Luxemburg zur Arbeit und zurück unterwegs sind. Der TV analysiert die Lage zusammen mit der Polizei.

Unfallzahlen Auf dem rheinland-pfälzischen Abschnitt der Straße zwischen Schloss Thorn bei Palzem und Konz kommt es laut Polizeistatistik fast jeden dritten Tag zu einem Unfall. Dieses Jahr waren es am 30. November, dem 334. Tag des Jahres, 104 Unfälle mit 22 Verletzten. Die Vermutung angesichts der teils sehr schweren Unfälle in den vergangenen Monaten, dass dieses Jahr besonders viele Crashs registriert worden seien, bestätigt der Leiter der zuständigen Polizeiinspektion Saarburg, Harald Lahr, nicht. Er verweist auf die Statistiken für die Jahre 2014 bis 2018 im gleichen Zeitraum. Dort schwankt die Zahl der Unfälle bis Dezember zwischen 84 (2015) und 109 (2016). 2015 war auch das Jahr mit den wenigsten Verletzten (elf). Die meisten Menschen mussten nach Unfällen im Jahr 2017 behandelt werden (28 bei 106 Unfällen).


Ursachen Die PI Saarburg erläutert auf TV-Anfrage die Unfallursachen: Grundsätzlich handele es sich bei der B 419 um eine vielbefahrene Straße. Die überwiegende Anzahl der Verkehrsunfälle mit Verletzten ereignete sich „außerhalb geschlossener Ortschaften“ (20 von 22). „Die dort gefahrenen Geschwindigkeiten sind höher als in Ortslagen, so dass sich im Schadensfall auch die möglichen Auswirkungen erhöhen“, folgert PI-Leiter Lahr.

Unfallentwicklung Obermoselstrecke. Foto: TV/Schramm, Johannes

Der Saarburger Verkehrssicherheitsberater Stephan Wagner sagt: „Oftmals spielen mehrere Ursachen gemeinsam eine Rolle, so dass eine klare Trennung nicht immer möglich ist. So kann zum Beispiel ein Nichteinhalten des Sicherheitsabstandes mit gleichzeitig überhöhter Geschwindigkeit unfallursächlich sein.“ Die häufigsten Ursachen neben Wildunfällen (30) sind dieses Jahr Vorfahrtsverstöße (14), mangelhafter Sicherheitsabstand (13), Verstöße gegen das Rechtsfahrgebot (11) und Geschwindigkeit (10). Verletzt wurden siebenmal Menschen, weil die Vorfahrt nicht beachtet wurde. Bei vier Unfällen mit Verletzten sind Fahrer nicht auf der rechten Spur geblieben. Jeweils zweimal wurden Menschen wegen Fehlern beim Überholen sowie beim Abbiegen verletzt. Drei Unfälle mit Verletzten wurden laut Polizei durch körperliche Mängel, einer durch überhöhte Geschwindigkeit verursacht.

Wagner warnt auch vor Ablenkungen während der Fahrt: „Wer abgelenkt ist, erhöht die Unfallgefahr um ein Vielfaches.“ Ablenkung durchs Handy, durchs Radio oder die Zigarette während der Fahrt könne ein Verstärker für andere Unfallursachen sein.

Keine besonderen Gefahrenpunkte Der Landesbetrieb Mobilität wertet die polizeilich aufgenommenen Verkehrsunfälle aus und weist Unfallhäufungsstellen und -linien aus. „Die B 419 ist aktuell nicht als solche ausgewiesen“, erklärt PI-Leiter Lahr. „Die betrachteten schweren Unfälle dieses Jahres ereigneten sich an unterschiedlichen Stellen.“

Was tun? Ein allgemeines Konzept, wie die Polizei die Unfallzahlen reduzieren kann, gibt es bisher nicht. „Eine ganzheitliche Reduzierung wird auch mit höchstem Überwachungsdruck sowie weiteren technischen und organisatorischen Maßnahmen nicht gelingen“, sagt Lahr. Die Polizei appelliere an die Autofahrer, die bestehenden Regelungen einzuhalten. Lahr betont, dass die Regeln immer gelten, und nicht nur dann, wenn die Polizei Kontrollen durchführe. Verkehrssicherheitsberater Wagner zitiert Paragraf 1 der Straßenverkehrsordnung: „Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder mehr, als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“