Prachtvolles Behelfs-Gotteshaus

Die Renovierung der Pfarrkirche in Irsch läuft auf Hochtouren. Nachdem der neue Dachstuhl kürzlich fertiggeworden ist, soll das Gebäude in den kommenden Wochen eingedeckt werden. Unterdessen feiern die Irscher ihre Gottesdienste in einem zur "Notkirche" umfunktionierten alten Tanzsaal.

Irsch. Früher gingen in dem großen Saal im Gasthaus "Zur Post" Dorffeste über die Bühne. In den 1990er-Jahren machte die Kneipe dann dicht. "Der Männergesangverein hat danach noch lange dort geprobt", berichtet Franz-Josef Benzschawel, der in Irsch wohnt und Leiter der Freiwilligen Feuerwehr ist. Im Mai erfuhr das einstige Gasthaus eine Art Renaissance und avancierte gewissermaßen zum "Glaubens-Zentrum" der Gemeinde Irsch: Seit Beginn der Renovierungsarbeiten an der gegenüber liegenden Pfarrkirche feiern die Irscher in dem zur "Notkirche" umfunktionierten Tanzsaal ihre Gottesdienste.

Dabei wirkt der rund 140 Personen fassende Raum keineswegs wie ein Provisorium: Aufwendige Malereien zieren die Wände, ein prunkvoller Altar mit Heiligenbildern steht auf der mit roten und weißen Stoffbahnen geschmückten und in gedämpftes Licht getauchten Bühne. Darüber thront ein drei mal einen Meter großes Bild mit Engeln und einer Herrgottsfigur. Kunstdrucke mit den Kreuzweg-Stationen hängen an den Wänden. Verantwortlich für die farbenfrohe Ausgestaltung des Saals ist Benzschawel. Über 300 Arbeitsstunden hat der Hobby-Maler dafür geopfert.

"Das meiste, was hier zu sehen ist, habe ich selbst gemalt und gebaut - etwa den Altar", berichtet er. Besonders stolz ist Benzschawel auf den alten Fronleichnamsaltar mit Marienfigur, den er komplett restauriert und rechts der Bühne aufgestellt hat. "Ab und zu hat mein Sohn Dirk geholfen", sagt der Freizeit-Künstler, der beruflich als Verkaufsleiter im Finanzwesen arbeitet. Auch dessen Ehefrau Maria war zeitweise eingespannt. Investiert hat Franz-Josef Benzschawel in die Notkirche nicht nur Zeit, sondern auch Geld, und zwar sein eigenes. Es sei vor allem die Freude am Tun gewesen, die ihn angetrieben habe, sagt er.

Derweil schreitet die Renovierung der Pfarrkirche voran. "Der neue Dachstuhl ist inzwischen fertig. Demnächst soll das Dach eingedeckt und danach das provisorische Schutzdach abgebaut werden", berichtet Pfarrer Peter Leick. Spätestens im November sollen die Entwürfe zur künstlerischen Innenausgestaltung vorliegen. "Wir liegen gut in der Zeit", resümiert Leick. Gehen die Renovierungsarbeiten planmäßig weiter, soll nach Auskunft des Pfarrers die Erstkommunionfeier im kommenden Jahr in der Pfarrkirche stattfinden.

Extra Kirchenrenovierung: Nachdem das Dachgebälk nun steht, will die Pfarrgemeinde Irsch am Sonntag, 20. September, ein Richtfest feiern. Geplant ist unter anderem ein Gottesdienst (Beginn: 10 Uhr) auf dem Kirchenvorplatz. Unterdessen wächst das Spendenkonto zugunsten der Kirchenrenovierung weiter. Nach Auskunft von Pfarrer Peter Leick beträgt der aktuelle Kontostand rund 190 000 Euro. Insgesamt 273 000 Euro der rund 900 000 Euro teuren Kirchenrenovierung muss die Pfarrei tragen. Hinzu kommen rund 130 000 Euro für die Sanierung der Orgel. (hpü)