Privatorchester statt Stereoanlage

NITTEL. Musizieren ist im Haus von Familie Braun Frauensache. Dafür ist Vater Alois nicht nur Hausherr, sondern auch Hahn im Korb – und überzeugter Nitteler. Seit rund acht Jahren leben die Brauns in dem Weinort an der Obermosel, und dabei soll’s auch bleiben.

Entspannt lehnt sich Alois Braun im Sessel zurück, um den Klängen zu lauschen, die die Wohnzimmerluft erfüllen. Die Stereoanlage bleibt an diesem Tag allerdings ausgeschaltet, denn der vierfache Vater steht auf Live-Musik. Einen Teil seines "Privatorchesters" hat er gleich bei sich zuhause einquartiert - und das nicht ohne Grund: Die fünf Musikerinnen gehören zum engsten Familienkreis. Seit rund acht Jahren leben die Brauns in Nittel. Vater Alois hatte seinerzeit einen Job bei einer Bank in Luxemburg angenommen, und damit stand auch für die übrigen Familienmitglieder fest: "Wir gehen mit." Im Umziehen hatten Ehefrau Anette und die Töchter Josephine, Friederike, Anna und Julia bereits eine gewisse Übung. In den vergangenen Jahren wechselte die heute sechsköpfige Familie mehrfach den Wohnort. Die Brauns lebten sowohl innerhalb der Bundesrepublik als auch im Ausland. Sie wohnten zeitweise im irischen Dublin, und auch London war vorübergehend ihre Heimat. 1997 hieß es für die Sechs zuletzt: "Koffer packen und auf nach Nittel." Genau dort fühlt sich Anette Braun inzwischen "pudelwohl" - das sagt sie zumindest, und das Strahlen im Gesicht scheint der Beleg zu sein. Nesthäkchen Julia (15) ist sich allerdings nicht so sicher: "Mich zieht es eher in die Stadt", sagt sie und liefert die Begründung gleich mit: "Da ist mehr los." Schwester Anna (18) hingegen mag den malerischen Ort, den sie schon oft beim Spazieren bewundert hat. Ganz sicher ist sich Friederike im Bezug auf ihren künftigen Wohnort. Die 23-Jährige ist derzeit dabei, sich in Bonn häuslich einzurichten - "aus beruflichen Gründen", erklärt sie. Bereits vor einiger Zeit hat Josephine (24) das "Hotel Mama" verlassen, um in Berlin Veterinärmedizin zu studieren. "Das war immer schon ihr großer Wunsch, wenngleich die Aussichten auf einen Arbeitsplatz momentan nicht gerade rosig sind", erklärt Mutter Anette. Gatte Alois fügt hinzu: "Entscheidend ist doch am Ende, dass man sich bei dem, was man macht, wohl fühlt." Wichtig ist für das Ehepaar auch, dass man sich wohl fühlt, wo man lebt. Anfangs wohnten die Brauns zur Miete, doch im Lauf der Zeit habe sich gezeigt: "In Nittel kann man es aushalten." Der Entschluss, sich dauerhaft an der Obermosel niederzulassen, wurde mit dem Kauf eines Hauses in der Wiesenstraße besiegelt. Dort lebt neben Anette und Alois Braun und den Töchtern Anna und Julia auch Familienhund "Elwood", der das Quartett ständig auf Trab hält. Das große Hobby der Mutter und der beiden Mädchen ist die Musik. Jede spielt mindestens ein Instrument, die Chefin des Hauses sogar drei: Geige, Bratsche und Zugposaune. Auch die beiden Älteren der Geschwister - Josephine und Friederike - sind sehr musikalisch. Nur Vater Alois fällt ein wenig aus dem Rahmen. Augenzwinkernd meint er: "Ich dirigiere höchstens", und stößt damit auf allgemeines Schmunzeln in der weiblich dominierten Gesprächsrunde. Scherzt Alois Braun vielleicht auch, wenn er sagt, er könne sich durchaus vorstellen, in Nittel alt zu werden? Keinesfalls, denn: "Wenn nichts dazwischen kommt, bleiben wir hier."